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11. August 2008, 13:30 Uhr

Wie geht's den Eltern?

Bildungsmisere, Erziehungsnotstand, Verwahrlosung: Öffentlichkeit und Politik sorgen sich zurecht zumeist um die Kinder in Deutschland. Doch was treibt die Eltern um? Sind sie mit ihrer Situation zufrieden? Eine Studie hat das untersucht - und ein erhebliches Selbstbewusstsein entdeckt.

Mit Kind und Kegel unterwegs: 47 Prozent der deutschen Eltern sagen, sie hätten klare Vorstellungen in Erziehungsfragen© Colourbox.com

Mangelnde Betreuungsplätze, Probleme bei Bildung und Erziehung, Verwahrlosung: Wenn es um die Lebenssituation von Kindern in Deutschland geht, sind die Nachrichten oft beunruhigend. Doch wie geht es eigentlich denen, die die Entwicklung der Kinder am meisten prägen - den Müttern und Vätern? Im Auftrag der Zeitschrift "Eltern" hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa nun Mütter und Väter von Kindern unter elf Jahren nach ihrem Lebensgefühl befragt - und kommt zum Schluss, dass viele Eltern den Eindruck haben, vor allem als überforderte Problemgruppe wahrgenommen zu werden: 65 Prozent beklagen sich über ein verzerrtes Familienbild in der Öffentlichkeit. Und ein knappes Drittel findet, dass Deutschland kein gutes Land für Familien ist.

Keine Angst vorm Erziehen

Auch wenn TV-Nannys etwas anderes vermitteln, zeigt die Studie, dass ein großer Teil der Mütter und Väter in Deutschland (47 Prozent) eine klare Vorstellung von der Erziehung ihrer Kinder haben. Gibt es doch einmal Zweifel, wird bei Freunden oder in Erziehungszeitschriften Rat geholt. Nur fünf Prozent der Befragten haben schon einmal professionelle Hilfe bei Erziehungsexperten gesucht. Besonders selbstbewusst zeigten sich junge Eltern mit kleinen Kindern: Immerhin 54 Prozent der 18- bis 29-Jährigen sagen, dass Erziehungsfragen für sie kein Problem seien.

Geht es um den Spagat zwischen Kindern und Karriere ist der Leidensdruck bei Frauen größer. Mütter fühlen sich immer noch mehr für die Kinder und deren Betreuung zuständig als Väter. Also versuchen sie auch häufiger, Beruf und Kinder unter einen Hut zu bringen. Daran hat sich bisher trotz Elterngeld und bezahlter Vatermonate nicht viel geändert. Dabei würden gerne 44 Prozent der Frauen mehr in ihrem Beruf arbeiten, haben aber keine befriedigende Betreuungslösung. Und immerhin 60 Prozent der befragten Männer würden sich mehr gemeinsame Zeit mit ihren Kindern wünschen, bemängeln aber, dass die Arbeitswelt dafür kein Verständnis hat.

Ein neues Rollenverständnis

So hat auch ein Umdenken bei der Rollenverteilung eingesetzt: Nur noch ein Viertel der Befragten findet das klassische Rollenmodell am besten, bei der der Vater berufstätig ist und die Kinder von der Mutter versorgt werden. Die meisten Eltern (62 Prozent) bevorzugen jedoch prinzipiell ein Modell, bei dem beide berufstätig sind und sich beide gleichermaßen um die Kinder kümmern. Zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft allerdings eine ordentlich Lücke: Diese Aufgabenverteilung entspricht nur bei knapp einem Drittel der Paare der Realität. Diese Diskrepanz sehen Eltern offenbar pragmatisch - die meisten Männer und Frauen gaben an, mit der jetzigen Aufgabenverteilung zufrieden zu sein.

Elterngeld, Kinderzuschlag, Splitting - insgesamt gibt es für Familien über 150 familienbezogene Leistungen. Diese scheinen jedoch bei den Familien nicht anzukommen, zumindest nicht im Bewusstsein. Denn mehr als drei Viertel der Befragten haben ganz oder überwiegend das Gefühl, dass man als Eltern in Deutschland draufzahlt - oder glauben, sie müssten wegen der Kinder auf vieles verzichten. Allerdings ist dies ein eher westdeutsches Phänomen, denn obwohl in Ostdeutschland die Einkommen niedriger sind und die Arbeitslosigkeit höher ist, sehen dortige Eltern ihre Situation nicht ganz so schwarz. Generell findet ein Drittel der Eltern aber, dass man in Deutschland nicht gut mit Kindern leben kann. Hauptursache ist vor allem die finanzielle Belastung. 60 Prozent der Befragten befürchten sogar, dass es ihren Kindern später einmal finanziell schlechter gehen wird als ihnen selbst heute.

Verzerrtes Familienbild

Fast zwei Drittel der Eltern räumt zwar ein, dass mittlerweile die schwierige Lage von Familien ins Bewusstsein der Öffentlichkeit vorgedrungen ist. Viele kritisieren aber, dass in der öffentlichen Darstellung fast nur von misshandelten und überforderten Eltern berichtet wird - und fühlen sich deshalb in Sippenhaft genommen.

Trotz der Schwierigkeiten sehen die meisten Mütter und Väter aber auch, dass für ein Leben mit Kindern viele gute Gründe sprechen. Für 60 Prozent der Befragten ist das Schönste am Leben mit Kindern, dass sie sehen können, wie sich ihr Nachwuchs entwickelt. Denn das Schönste am Elternsein, so knapp ein Drittel, ist das Gefühl, geliebt und gebraucht zu werden.

Zur Studie "Familie 2008" Im Auftrag der Zeitschrift Eltern hat forsa 1.014 Mütter und Väter von Kindern unter 11 Jahren repräsentativ nach ihrem Lebensgefühl befragt: Fühlen sie sich vom Staat unterstützt? Sind sie mit der Arbeitsverteilung in ihrer Familie zufrieden? Kommen sie mit der Kindererziehung klar? Haben sie ausreichend Geld? Und genug Zeit? Was macht sie glücklich? Die vollständige Studie kann auf der Seite von eltern.de gelesen werden.

spi
 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
SethusCalvisius (13.08.2008, 16:23 Uhr)
Lesen!
@Georges13437
Wo lesen Sie denn in dem Bericht die Meinung, dass es den Familen so schlecht geht. Das hat doch überhaupt keiner gesagt. Aber dass man sich mit Kindern einschränken muss, ist ebenso Tatsache wie das Problem, in Deutschland Kinderbetreuung und Arbeit miteinander zu vereinbaren. (das ist in internationalen Studien nachgewiesen worden) woher Sie Ihre Weisheit haben, dass Eltern keine Steuern zahlen, würde mich auch interessieren; das ist doch absurd. Und die Mütter wollen sicher kein "Mutterkreuz" verliehen bekommen, es würde reichen, wenn diese dämlichen Beleidigungen aufhören würden. Welche? Lesen Sie doch einfach Ihren Text noch einmal durch!
Georges13437 (11.08.2008, 20:06 Uhr)
Man geht es den Familien schlecht
Mir wird auch gleich schlecht. Die Mütter wollen von der Gesellschaft mehr anerkannt werden, na welches Kreuz der Anerkennung darf es denn sein?
Dieses ewige Gejammer und die ständigen Forderungen nach mehr, ist doch schon langsam krank. Die meisten der Eltern zahlen schon keine Steuern mehr, kein Solidarbeitrag, ein Krankenkassenbeitrag für alle. Wenn es schlecht kommt sind die Heranwachsenden auch noch gesellschaftliche Problemfälle, so langsam müssen alle mal auf dem Teppich bleiben.
MfG Georges13437
Preussin (11.08.2008, 17:58 Uhr)
Kindererziehung
Warscheinlich , zu zeitig gefragt. So recht zeigt sich das Ergebnis erst,nach der Pubertät.
Es ist ja nicht so einfach, die Kinder werden von den Schulkameraden und Freunden auch sehr beeinflust und da kann man ja höchstens mit der Wohngegend Einfluß nehmen. Ein bisschen Glück ist immer dabei.
knilch_59 (11.08.2008, 17:27 Uhr)
Doe falschen gefragt
Noch viel interessanter als die Befindlichkeit derjenigen, die Kinder erzeiehen, wäre gewesen, warum so viele es nicht tun bzw. auf den St. Nimmerleinstag verschieben. Schön zu hören, dass sich, trotz allem, so viele Erziehende so gut fühlen. Aber unser "Problem" sind die Vielen, vor allem aus der "Mittelschicht", die sich einfach ausklinken.
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Kinder erziehen sollte in einer Gesellschaft der Normalfall sein, davon sind wir aber meilenweit entfernt. Eltern sind zu einer Randgruppe der Gesellschaft geworden - eigentlich schade!
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