Wer schon mal im Ausland essen gehen war, weiß: Beim Trinkgeld gelten dort oft andere Regeln als zu Hause. Was deutsche Urlauber als angemessen oder großzügig empfinden, kann andernorts befremdlich wirken – oder sogar als unhöflich gelten. Deshalb lohnt es sich, vor einer Reise einen Blick auf die lokalen Gepflogenheiten zu werfen.
In Deutschland läuft es meist ungefähr so ab. Die Rechnung kommt, der Betrag wird mehr oder weniger großzügig aufgerundet und dies mit einem knappen „Stimmt so“ kommentiert. Genau diese Gewohnheit sorgt aber international immer wieder für Irritationen. Entweder, weil so deutlich weniger Trinkgeld gegeben wird, als lokal üblich ist, weil man die Übergabe des „Tips“ dort anders handhabt – oder weil man im jeweiligen Land gar keines gibt. Wer reist, sollte daher besser die jeweiligen Umgangsformen kennen.
Nicht nur die Trinkgeld-Summe ist wichtig
Besonders deutlich werden die Unterschiede in Südeuropa. In Ländern wie Spanien, Portugal oder Italien wird Trinkgeld in der Regel nicht direkt überreicht. Stattdessen lässt man den Betrag diskret auf dem Tisch, einem Teller oder der Rechnungsmappe liegen, wenn man aufsteht und geht. Eine persönliche Übergabe wäre dem Servicepersonal womöglich zu direkt – und deshalb unangenehm. In Italien wird aber auch nicht überall ein Trinkgeld erwartet, da in der Rechnung häufig schon ein kleiner Betrag für „coperto“, also den Service, beinhaltet ist. Meist freut sich die Bedienung dennoch darüber.
Auch bei den Beträgen unterscheiden sich die Erwartungen zwischen verschiedenen Ländern erheblich. Während in Deutschland meist fünf bis zehn Prozent oder ein einfaches Aufrunden üblich sind, gelten in den USA und Kanada 15 bis 20 Prozent als Standard. Gern eher mehr. Dort wird der „Tip“ nämlich als fester Bestandteil des Einkommens angesehen, da die Kellner nur ein sehr geringes Grundgehalt bekommen. Gar kein Trinkgeld geben? In Deutschland notfalls machbar, in Amerika bitte nicht.
Erwartungen an Trinkgeld unterscheiden sich von Land zu Land
Am anderen Ende der Skala steht Japan. Dort kann Trinkgeld als Affront verstanden werden. Guter Service gilt als selbstverständlicher Teil der Arbeit, weshalb zusätzliche Geldbeträge den Eindruck erwecken können, die Beschäftigten würden nicht angemessen bezahlt oder müssten mit dem Bonus zu besserer Leistung motiviert werden. Das gilt auch für einige andere asiatische Länder. Wer unsicher ist, sollte daher lieber einmal das Internet befragen, welches Verhalten am jeweiligen Urlaubsort üblich ist.
Mit der deutschen „Aufrundungsmentalität“ kann man jedenfalls vielerorts anecken. Wer beispielsweise eine Rechnung von 38 Euro auf 40 Euro erhöht, gibt damit lediglich rund fünf Prozent extra. Ein solches Minimal-Aufrunden wird von vielen Servicekräften nicht einmal als echtes Trinkgeld betrachtet. Es wirkt oftmals eher beschämend als nett. Früher waren übrigens auch in Deutschland zehn Prozent Trinkgeld im Restaurant nahezu selbstverständlich.