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Wuppertaler Gymnasium verbietet "provozierendes Beten"

Stören muslimische Schüler, die deutlich sichtbar beten und sich in den Toiletten rituell waschen den Schulbetrieb? Eine öffentlich gewordene internen Mitteilung eines Wuppertaler Gymnasiums dazu sorgt jetzt für Wirbel.

Muslime beim Gebet (Symbolbild)

Muslime beim Gebet (Symbolbild)

An einem Gymnasium in Wuppertal gibt es Streit um betende muslimische Schüler. In einer internen Mitteilung habe die Schulleitung  des Johannes-Rau-Gymnasiums "provozierendes Beten" verboten, berichtet "Der Westen". "In den vergangenen Wochen wurde zunehmend beobachtet, dass muslimische Schülerinnen und Schüler im Schulgebäude für andere deutlich sichtbar beten, signalisiert durch rituelle Waschungen in den Toiletten, das Ausrollen von Gebetsteppichen, das Einnehmen von bestimmten Körperhaltungen. Dies ist nicht gestattet", zitiert die Nachrichtenseite aus der Mitteilung vom 16. Februar 2017. Die Schulleitung habe die Lehrer zudem aufgefordert, die Betenden freundlich darauf hinzuweisen, ihre Namen festzustellen und die Fälle zu melden.

Die Bezirksregierung Düsseldorf hat die Echtheit des Schreibens dem Bericht zufolge bestätigt. Sowohl mehrere Lehrer als auch Schüler hätten sich durch das Verhalten der Mitschüler bedrängt gefühlt. "Das Verbot des Betens auf provozierende Art in der Schulöffentlichkeit soll das friedliche Miteinander fördern und den Schulfrieden sichern“, zitiert "Der Westen" aus einer Stellungnahme. Die Schule wolle die Namen der betreffenden Schüler nur sammeln, um mit ihnen über Alternativ-Lösungen wie Gebetsräume zu sprechen.

"Die Schulleiterin hat dazu die Möglichkeit"

Rechtlich ist das Vorgehen der Schulleitung nach Aussage der Bezirksregierung in Ordnung: "Die Schulleiterin hat dazu die Möglichkeit im Rahmen des Hausrechts. Das verfassungsmäßige Gebot des Funktionierens des Schulbetriebes und des Bildungsauftrags Art 5 GG, geht der Religionsausübungsfreiheit vor. Daher müssen zum Beispiel auch muslimische Mädchen am Schwimmunterricht teilnehmen", erklärte die Pressesprecherin der Bezirksregierung nach Angaben der "Wuppertaler Rundschau".

Sie betonte, dass das Gymnasium ihr als Schule mit einem großen Engagement für die Integration von Schülern anderer Religionen oder Herkunftsländer bekannt sei. Die Wortwahl des Direktorats sei allerdings unglücklich, da sie einen falschen Eindruck erwecken könne, erklärte die Sprecherin der Zeitung zufolge. Denn das Beten sei unbedenklich möglich, wenn es den Schulbetrieb nicht beeinträchtige. Die Schulaufsicht sei mit der Schulleitung im Gespräch und werde sich über das weitere Vorgehen in der Angelegenheit berichten lassen.

mad

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