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12. Februar 2009, 12:58 Uhr

Papst Benedikt redet Klartext

Es ist die deutlichste Stellungnahme des Papstes zum Fall des Holocaust-Leugners Richard Williamson: Vor einer jüdischen Delegation machte Benedikt XVI. klar, dass das Negieren der Judenvernichtung untragbar sei - vor allem für Geistliche. Derweil machten Willamsons Pius-Brüder wieder auf sich aufmerksam und fürchten den Untergang der katholischen Kirche in Deutschland.

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Papst Benedikt XVI. hat ein Herunterspielen der Judenvernichtung erneut klar verurteilt© Janek Skarzynski/AFP/DDP

Papst Benedikt XVI. hat sich von neuem strikt gegen jede Leugnung des Holocaust gewandt und sie als untragbar und inakzeptabel bezeichnet. Das gelte insbesondere dann, wenn der millionenfache Mord der Nazis an den Juden von Geistlichen bestritten oder in seinen Ausmaßen kleingeredet werde, sagte der Pontifex beim Besuch einer Gruppe von 60 Vertretern führender jüdischer Organisationen in den USA.

"Der Hass und die Verachtung für Menschen, Frauen und Kinder, wie sie der Holocaust deutlich gemacht hat, waren ein Verbrechen gegen Gott und gegen die Menschheit. Das sollte allen klar sein, insbesondere denen, die in der Tradition der Heiligen Schrift stehen", betonte der Papst. "Dieses fürchterliche Kapitel in unserer Geschichte darf nie in Vergessenheit geraten." Benedikt XVI. hatte den britischen Geistlichen Richard Williamson und drei weitere Bischöfe der ultrakonservativen Pius-Bruderschaft im Januar teilweise rehabilitiert. Das hatte weltweite Proteste ausgelöst, weil Williamson den Holocaust leugnet.

Die katholische Kirche ist nach Benedikts Worten zutiefst und unwiderruflich in der Pflicht, jeden Antisemitismus zurückzuweisen und weiter an guten und dauerhaften Beziehungen zwischen Christen und Juden zu arbeiten. "Die 2000-jährige Geschichte der Beziehungen zwischen Judaismus und Christentum hat viele verschiedene Etappen durchlaufen, von denen uns einige in schmerzvoller Erinnerung sind", sagte Benedikt. Jetzt sei es allerdings möglich, sich "im Geist der Versöhnung" zu treffen.

Benedikt stellte sich nachdrücklich auch hinter das Zweite Vatikanische Konzil, das in seiner Öffnung zum Judentum einen "Meilenstein auf dem Weg zur Versöhnung" markiert habe. Dieses Reformkonzil (1962-1965) wird von den Traditionalisten der Pius-Bruderschaft abgelehnt. Bereits vor einigen Tagen hatte Benedikt die vier teilrehabilitierten Bischöfe der Traditionalisten aufgerufen, sich zu diesem Reformkonzil zu bekennen. Außerdem hatte der Vatikan Williamson aufgefordert, die Holocaust-Leugnung zu widerrufen.

Der Papst kündigte vor der Delegation auch eine Reise nach Israel an. Damit ist sein Besuch des Heiligen Landes offiziell. Nach früheren Berichten wird die Reise für Mai vorbereitet. "Dieses Land ist heilig für Christen wie für Juden, denn dort finden wir die Wurzeln unseres Glaubens", sagte der Pontifex. Die jüdische Delegation begrüßte die päpstlichen Reisepläne ausdrücklich.

Die zuletzt stark kritisierten erzkonservativen Pius-Brüder gingen derweil in Deutschland in die Offensive. Die "Profillosigkeit" der Kirche müsse ein Ende haben, forderte der so genannte Distriktobere Pater Franz Schmidberger. In einem Brief an alle deutschen Bischöfe forderte er eine "Rückbesinnung der Kirche auf ihre ureigenen, überlieferten Werte und Wurzeln". Das "Glaubenswissen" der Kirche sei auf einem Tiefpunkt angelangt, klagt Schmidberger, dem Böses schwant: "Wenn die Entwicklung anhält, muss man sich ernstlich fragen, ob die katholische Kirche in Deutschland nicht bald zur Bedeutungslosigkeit herabgesunken sein wird."

AP/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 14)
 
utospatz (14.02.2009, 00:31 Uhr)
Sind wir tatsächlich
noch Pabst?
Bei dem Einen geht's in die Füße, beim Anderen ins Hirn!
bmpost (13.02.2009, 10:23 Uhr)
Kennen Sie den?
"Trefen sich zwei Päpste in der Hölle..."
bmpost (13.02.2009, 10:22 Uhr)
Gottes Wille
Lese gerade im Speigel, dass die bei dem Lawinenunfall in Wallis Umekommenenen um Mitglieder der konservativen Pius-Bruderschaft handelt.
Die Wege des Herrn sind weise, gerecht und unergründlich!
ganzbaf (13.02.2009, 00:32 Uhr)
Die Katholen stecken halt noch im Mittelalter fest...

Dies ist jetzt eine große Herausforderung für einen "neuen Luther" ;-)
Kein Schäfchen darf verloren gehen, sei es auch noch so braun oder schwarz... ;-S
Greilo (12.02.2009, 23:28 Uhr)
Die wackeren Antifa-Kämpfer...
...haben es der Welt wieder einmal gezeigt, daß kein Holocaust-Leugner ungestraft davon kommt. Und wer sich mit ihnen einläßt wird schnell zum Aussätzigen.
Jetzt wäre es, nachdem man die Katholiken wieder einmal zur Räson gebracht hat, doch eigentlich folgerichtig und endlich an der Zeit, mit der gleichen Vehemenz und Durchsetzungskraft auch die Holocaust-Leugner aus dem islamischen Lager anzugreifen und deren Äußerungen zu skandalisieren, oder?
Und bei jedem Anti-Israel-Aufmarsch gibt es davon ja reichlich. "Tod den Juden", "Juden ins Gas", "Allah segne Hitler", um nur einige zu zitieren, die in den letzten Wochen gefallen sind. Ganz zu schweigen vom iranischen Präsidenten...
Aber dazu fehlt Euch Journalisten der Mut, nicht wahr? Denn im Gegensatz zu Katholiken, von denen man keine Bedrohung zu erwarten hat, kann es bei dieser Gruppe halt doch sein, daß einem plötzlich die Redaktion abgefackelt wird. Und wir wollen ja kein Risiko eingehen, oder?
Traurige Vorstellung, die Ihr da bliefert...
ganzbaf (12.02.2009, 19:33 Uhr)
Wer bekehrt den Papst?...

Endlich zum Protestantismus ;-D
Bebuquin (12.02.2009, 18:35 Uhr)
@undjetztnochder
Welche Aussagen vom aktuellen Papst meinen sie denn? Etwa die, dass man, wenn man nicht die Liebe von Jesus Christus empfängt und sich zu ihm bekennt, in der Hölle landen wird, die nicht nur eine Metapher sondern eine Realität ist?
.
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Und zum Artikel:
""Der Hass und die Verachtung für Menschen, Frauen und Kinder, wie sie der Holocaust deutlich gemacht hat, waren ein Verbrechen gegen Gott und gegen die Menschheit. Das sollte allen klar sein, insbesondere denen, die in der Tradition der Heiligen Schrift stehen""
--> Mal im Ernst: Wer sich die Bibel ansieht, wird dort so einiges finden, dass sich wunderbar mit Antijudaismus vereinbaren lässt. Verwunderlich ist das ja nun auch nicht. Hat das Christentum doch letztenendes nichts anderes gemacht, als dem Judentum den Glauben und Gott zu stehlen. Da will man dann nur ungern eine Konkurrenz am Leben lassen, die zeigen könnte, dass die angebliche absolut objektive eigene Wahrheit vielleicht doch nicht so unangreifbar ist...
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""Die 2000-jährige Geschichte der Beziehungen zwischen Judaismus und Christentum hat viele verschiedene Etappen durchlaufen, von denen uns einige in schmerzvoller Erinnerung sind","
--> Das stinkt doch schon wieder nach einer Relativierung der eigenen (d.h. katholischen) Verbrechen an den Juden. Aber mit Relativierungen hat es dieser Papst ja. Hat er doch den Genozid an den indigenen Völkern in Lateinamerika auch auf abscheulichste Weise verneint und behauptet, dass diese Völker das Heil des Evangeliums erwartet hätten...
Reality (12.02.2009, 18:21 Uhr)
@Livia008
Ja was soll wohl ein Papst dort tun ?
Was eben so ein Papst tun kann,
"Trost spenden".
Oder sollte er besser diese Zerstörungen nicht sehen ?
Was will man verheimlichen ?
Oder hofft man auf schnelles vergessen der Gräueltaten ?
Nun er kann natürlich auch dazu übergehen und täglich sein Bedauern darüber äußern, dass der Holocaust geschehen ist.
So wie es bereits in Deutschland üblich ist.
Nur was soll das, es könnte auch sein, dass man es mit der Zeit nicht mehr hört.
Was dann ?
cebo21 (12.02.2009, 17:38 Uhr)
@Pamela_1971 Ihre Kommentare sind
erfrischend, da ehrlich.
Hand auf`s Herz, was sollte der Papst auch vor einer jüdischen Delegation auch sagen?
Nur mit Sagen alleine ist es leider nicht getan. Es hätten schon Taten folgen müssen.
Irgendwie hat man den Eindruck, dass der Papst es gar nicht so ehrlich meint.
Hat er sich geoutet?
Pamela_1971 (12.02.2009, 17:08 Uhr)
Dieser Papst...
... muss seinen hehren Worten nun endlich auch Tatsachen folgen lassen! Was nützt es denn, wenn er nach Israel reist, oder bekundet, dass HolocaustleugnerInnen inakzeptabel sind - wenn er gleichzeitig aber de facto NICHTS gegen diese Leute unternimmt, sie ganz im Gegenteil sogar noch in die Arme seiner Kirche zurückholt?
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