Es ist ein Donnerschlag, der am Selbstverständnis einer ganzen Generation rüttelt: Karl-Heinz Kurras, der Mann, der 1967 Benno Ohnesorg erschoss, war ein Stasi-Spitzel. Und? Hat diese Erkenntnis für den freien und rechtlich unbescholtenen Mann nun irgendwelche juristischen Konsequenzen? Von Axel Hildebrand und Sönke Wiese

Karl-Heinz Kurras erschoss 1967 den Studenten Benno Ohnesorg. Nun kam heraus: Er arbeitete damals als Stasi-Spitzel.© Kay Kirchwitz/Star Press/DPA
Es war eine Nachricht, die am Bild einer ganzen Generation rührte - aber auch an der vorherrschenden Sicht auf ein zentrales Ereignis in der Geschichte der Bundesrepublik. Karl-Heinz Kurass, der Berliner Polizist, der am 2. Juni 1967 den Studenten Benno Ohnesorg erschoss, war ein Stasi-Spitzel. Diese Enthüllung wirft ein neues Licht auf die 68er-Bewegung, deren Radikalisierung sich auch aus den Ereignissen dieses Tages ableitet, dem Tag, an dem Benno Ohnesorg bei der Schah-Demonstration in Berlin starb.
Jenseits der Frage, wie diese neue Erkenntnis das Selbstverständnis der 68er verändert, konzentriert sich das Interesse auch auf die Person Kurass, seine persönliche Geschichte, seinen Werdegang, die Tat, den Freispruch - und sein Leben nach dem Prozess, der ihm gemacht wurde. Was bedeuten die Enthüllungen für ihn?
Was droht dem heute 81-jährigen Todesschützen nun, der damals vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen worden war und nun im Eigenheim in Berlin-Spandau lebt? Kann das Verfahren nun noch einmal aufgerollt werden?
Im Folgenden geben wir einen Überblick über das, was man bislang über den Fall Ohnesorg und die Person Kurass und dessen rechtliche Situation weiss. Klicken Sie auf die entsprechenden Fragen links.