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22. Mai 2009, 10:20 Uhr

Neue Strafanzeige gegen Polizist Kurras

Der Tod Benno Ohnesorgs am 2. Juni 1967 gilt als Auslöser für eine Entwicklung, die schließlich im Terror der RAF gipfelte. Nun zeigen neu entdeckte Dokumente, dass der Polizist Karl-Heinz Kurras, der Ohnesorg erschossen hat, ein Stasi-Spitzel war. Gegen ihn wurde eine neue Strafanzeige gestellt.

Benno Ohnesorg, Kurras, Stasi-Spitzel, Studentenbewegung

Ein Archivbild vom 3. Juni 1967 zeigt den Abtransport von Benno Ohnesorg, der bei einer Demonstration anlässlich des Berlin-Besuchs des Persischen Kaiserpaares von einem Polizisten erschossen wurde© AP

Der Student Benno Ohnesorg ist 1967 in Berlin offenbar von einem Stasi-Mitarbeiter erschossen worden. Der West-Berliner Polizist Karl-Heinz Kurras, der den Studenten unter bis heute ungeklärten Umständen getötet hat, sei ein Stasi-Spion und Mitglied der SED gewesen ist, berichten das ZDF und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" unter Berufung auf Erkenntnisse der Birthler-Behörde.

Kurras hatte sich den Recherchen zufolge bereits 1955 gegenüber dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR verpflichtet, die West-Berliner Polizei auszuspähen. Nach dem tödlichen Schuss auf Benno Ohnesorg funkte das MfS laut ZDF-"Heute-Journal" an Kurras: "Material sofort vernichten. Vorerst Arbeit einstellen. Betrachten Ereignis als sehr bedauerlichen Unglücksfall."

Akte von Kurras wurde nach dem Vorfall entfernt

Der Spionageexperte der Birthler-Behörde, Helmut Müller-Enbergs, sagte dem ZDF, es gebe keinen Hinweis in der Stasi-Akte, dass Kurras einen Auftrag hatte, Ohnesorg zu erschießen. Kurras wurde seinerzeit von der Anklage der fahrlässiger Tötung mangels Beweisen freigesprochen. Die "FAZ" schreibt, bei der Staatssicherheit sei die Personenakte von Kurras nach dem Vorfall entfernt worden, so dass es unmittelbar nach dem 2. Juni 1967 unmöglich wurde, seine Akte zu finden. Laut Müller-Enbergs sei sie "ausschließlich durch interne Forschungen auffindbar geworden".

Unterdessen hat der stellvertretende Bundesvorsitzende der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS), Carl-Wolfgang Holzapfel, nach eigenen Angaben Strafanzeige gegen den 81-jährigen Kurras gestellt. "Mord verjährt nicht", erklärte Holzapfel am Freitag in einer Pressemitteilung.

Nach einem Bericht des Berliner "Tagesspiegels" bestreitet der im Berliner Stadtteil Spandau lebende Pensionär jedoch, jemals mit der Stasi kooperiert zu haben.

Der Protest verließ den Uni-Campus

Die tödlichen Schüsse auf Ohnesorg während des Schah-Besuches vor der Deutschen Oper in Berlin bildeten eine Zäsur in der bis dahin - von Tomaten- und Eierwürfen abgesehen - meist friedlichen Protestbewegung in der Bundesrepublik. Ein Funke sprang auf das ganze Land über, der Protest verließ den Universitätscampus.

Der Studentenprotest wurde zu einer politischen Bewegung - bis hin zu den Bürgerbewegungen, aus denen später die Grünen hervorgingen, aber auch die Friedens-, Jugend-, Frauen- und Anti-Atomkraft-Bewegung der 70er und 80er Jahre. Auch für die Radikalisierung des Protestes bis hin zum Terror der Roten Armee Fraktion (RAF) um Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof gelten die Schüsse auf Ohnesorg als Ausgangspunkt. "Die 68er haben eigentlich am 2. Juni 1967 begonnen", schreiben heute manche Autoren und Publizisten mit Blick auf die gesellschaftspolitische Entwicklung der Bundesrepublik. Fraglich ist, ob die Studentenbewegung nun neu bewertet werden muss, nachdem bekannt wurde, dass Kurras ein Stasi-Spion war.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 44)
 
djamila (24.05.2009, 14:18 Uhr)
späte Gerechtigkeit
Ich hoffe sehr, dass die Ermittlungen gegen den Mann, der Benno Ohnesorg erschoss, wieder aufgenommen werden. Karl-Heinz Kurras, der Inbegriff eines Polizisten, wie er nicht sein sollte - extrem gewaltbereit, ein Waffennarr ohne jegliches Mitgefühl -wurde zweimal freigesprochen, in zweifelhaften Verfahren, von einer Justiz, die wenig Interesse daran hatte, einem ihrer Beamten ein Fehlverhalten nachzuweisen. Vielleicht ist jetzt, nachdem der vermeintlich schützenswerte Kollege als Verräter in den eigenen Reihen enttarnt wurde, einer der damaligen Zeugen bereit auszusagen, was am 2. Juni 1967 wirklich passiert ist.
vegefranz (23.05.2009, 22:16 Uhr)
die Schreibtischmörder sind noch immer unter uns - die nennen sich jetzt linke/exPDS/ExSED
welche Rolle spielten Modrow, Gisi Biski und der Rest dieser zwielichtgen Typen?
Frank44 (23.05.2009, 19:48 Uhr)
Ja,vielleicht war er beim BND oder sogar beim CIA,
vielleicht war Axel Springer auch beim Stasi,oder beim BND oder CIA!?
Herr Kurras wurde doch von diesen Leuten,allen voran der Bildzeitung,vehement verteidgt,also steckten die alle unter einer Decke!
Ist der Springer-Verlag vielleicht eine SED-Einrichtung,dessen Vermögen sofort von der Treuhand übernommen und verschleudert werden muß?
Die Birthler-Behörde,was auch immer die für einen Nutzen bringen soll,liefert pünktlich zu passenden Jahrestagen immer neue Märchen und lenkt damit wunderbar von den schmutzigen Flecken auf der weißen Weste dieser BRD ab.
aeternitas (23.05.2009, 18:27 Uhr)
Vielleicht war er ja auch beim BND
quasi ein Doppelagent, eingeschleust bei der Stasi um sie auszuspähen. Jetzt ist zufällig ein Praktikant beim Abstauben drübergestolpert, dann wird halt zugegeben, was schon bekannt ist...
oder andere Variante: er hatte den Befehl Ohnesorg zu ermorden, ihm wurde zugesichert, dass er unbehelligt bleibt und die Stasi-Geschichte war nur eine raffinierte Tarnung, falls doch mal was durchsickert...
oder ein gelangweilter Krimiautor hat sich in der Birthlerbehörde rumgetrieben, wo seltsamerweise nur brisante Daten über politische Gegner liegen...
jetrabbit (23.05.2009, 15:59 Uhr)
bravo demokratie
es gibt nicht den geringsten sinn das die DDR die linken destabilisierten wollte... ergo, die DDR kann gar nicht von diesem mord profitiert haben. meine meinung, das war ein politischer mord und der mörder ist die BRD.
Frank44 (23.05.2009, 14:27 Uhr)
Unwissende Idioten
schreiben hier manchen Mist und wissen doch überhaupt nichts über die DDR!
Daß es in dem Staat diktatorisch zuging,was die politische Richtung betrifft,hat noch nie jemand bestritten und,diese Diktatur war auch nötig.
Es wurde immer der Führungsanpruch der SED untermauert,das war kein Geheimnis.
Heute haben wir Probleme,die im Kapitalismus selbst liegen,davon möchte man mit dem Unrechtsstaatgeschwafel über die DDR ablenken.
He Leute,die DDR gibts nicht mehr,schon gemerkt!?
Kümmernwir uns um die Mißstände von heute,da gibts viel Dreck wegzuräumen!
Benkku (23.05.2009, 13:40 Uhr)
Das mit dem 2x Freispruch hinkt.
Anscheinend haben sich in der deutschen Nachkriegspolitik zu einem brisanten Zeitpunkt unbeabsichtigt die Wege gekreuzt. Und jeder Block hat davon auf seine Weise politisch profitiert. Aber der zweifache Freispruch dafür, einen Menschen zu töten, kommt im nachhinein immer noch als Beifall zu jener Tat gleich.
.
Ich glaube, daß die DDR-Aufarbeitungsbehörde die Veröffentlichung des belastenden Materials gezielt auf die derzeitige politisch explosive Gemengelage abgeschossen hat, und hoffe, daß der Schuß nach hinten los geht.
vegefranz (23.05.2009, 10:47 Uhr)
Linker erschiesst Linken
die Geschichte der 68er als nützliche Idioten der DDR-Diktatur muss neu geschrieben werden
balldurian (23.05.2009, 09:57 Uhr)
Symptomatisch jedenfalls ...
... dass ein 'KHK' auch im 82. lebensjahr noch nicht einmal den hauch geistiger reife zu seinem tun entwickeln brauchte um weiterhin grosszügige monatssalärs aus der pensionskasse für sich einzustreichen. Bleibt die frage, ob sich nicht auch gedungene mörder in solchen kreisen verstecken könnten von denen notorischen lügnern offenbar bereits jedmöglicher schutz gewährt wird ...
Putinki (23.05.2009, 08:29 Uhr)
Kurras
Wahrheiten sind oft unglaublich. In diesem Fall fügt sie sich fein in das zerstörische und sinnlose Gefüge einer brutalen und gescheiterten Ideologie. Nur erstaunlich, dass man so etwas nicht ausrotten kann, und manche Schreihälse sich heute sogar soziale Unruhen herbeiwünschen. Das obwohl die Parolen stink langweilig und unbegründet sind.
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