Arbeiten in den Ferien? Na klar! Tausende Freiwillige schuften in ihrem Urlaub für den National Trust in England, um Herrenhäuser und das landschaftliche Erbe des Landes zu erhalten. Tipps für Überzeugungstäter. Von Cornelia Fuchs, London
Ein Specht klopft, ratatata, laut in die Borke einer Eiche im östlichen Teil der großen Parkanlage der Colby Lodge an der Südküste von Wales, eine Amsel trillert, Bienen summen, der Wind raschelt im Bambuswald direkt neben dem Bach, der leise vor sich hin plätschert. Dann bricht sich röhrend der Lärm eines Schredders quer durch das Tal. Und die kleine Gruppe Menschen, die sich um die Maschine schart, lacht und scherzt und scheint das unsägliche Geräusch auch noch zu genießen.
Bei den Unempfindlichen handelt es sich um zwölf Freiwillige, die dem Gärtner Steve Whitehead helfen, der Rhododendron-Plage und dem wuchernden Nadelholz-Gestrüpp im alten Eichenwald der Parkanlage Herr zu werden. Whitehead hat ihnen bereits erklärt, wie sie die Höllenmaschine sicher bedienen sollen und schiebt nun ganze Kiefernstämme in die klaffende Öffnung des Schredders. Das Röhren wird zum Kreischen, und die Gruppe macht sich an die Arbeit.
Dreimal im Jahr organisiert Steve Whitehead im Colby Woodland Park einen solchen Arbeitsurlaub. "Ohne die Freiwilligen könnte mein Team die Arbeit gar nicht bewältigen", sagt er. Außer ihm kümmern sich zwei weitere Gärtner um 880 Hektar Land, um über 700 Sorten Rhododendron, die große Sommerblumen-Wiese und dutzende Kilometer Wanderwege. Jedes Jahr muss Whitehead ganze Abschnitte in seinen Wäldern abbrennen, um den besonders schnell wachsenden Rhododendron ponticum daran zu hindern, alles zu überwuchern. Erst nach dem Einsatz von Freiwilligen lagen die großen Schneeglöckchen-Felder im Park wieder frei.
Die Arbeitsurlauber sind Überzeugungstäter. Die meisten haben, mehrere Arbeitsurlaube im Jahr in Anwesen des National Trusts geplant. Der Trust hat in England mit vier Millionen Menschen mehr Mitglieder als alle Parteien zusammen, die Zahl steigt jedes Jahr. Ein Heer von 62.000 Freiwilligen und 5300 Angestellten kümmert sich um mehr als 350 Herrenhäuser, dutzende Kirchen, über 50 Pubs, weite Teile der wichtigsten Nationalparks und die Häuser von Lord Winston Churchill, Agatha Christie, Bernard Shaw und den Beatles John Lennon und Paul McCartney. Dazu kommen über 1000 Kilometer Küste.
"Es ist nicht unbedingt etwas, was ich zu Hause tun würde", sagt Sarah McCrory. Die 30-jährige Virologin verbringt ihre freie Zeit in ihrem Wohnort Leeds eher in hochhackigen Schuhen in verschiedenen Nachtclubs. Doch einmal im Jahr will sie etwas zurückgeben, etwas Sinnvolles tun, und das am liebsten an einem besonders schönen Ort. Diesmal sammelt sie Müll an einem weitläufigen weißen Sandstrand im Süden Cornwalls.
Es ist der Hauptgrund, warum die Arbeitsferien des National Trust seit Jahren schon Touristen nicht nur aus England, sondern auch aus Europa, Amerika und Australien anziehen: die Kombination aus einem einzigartigen Zugang zu Gebäuden, Gärten und Landschaften und dem Gefühl, etwas Gutes zu tun. Die daraus resultierende Erholung ist der Müllsammler-Truppe an der Südküste in Cornwall anzusehen: Die Gesichter sind gebräunt, es wird viel gelacht und gescherzt. Hilary Lancashire, 62, pensionierte Legasthenie-Expertin und mit neun Einsätzen die Veteranin der Gruppe, bringt es auf den Punkt: "Unsere Arbeit ist ein winziger Tropfen in einem großen Meer. Aber immerhin ist es ein wichtiges Meer!"
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