Gold zum Anfassen

30. Mai 2010, 20:00 Uhr

Vor allem deutsche Anleger flüchten derzeit in Gold. In Südafrika müssen deswegen Überstunden geschoben werden. Ein Besuch in der Manufaktur des legendären Krügerrands. Von Johannes Dieterich, Germiston

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Begehrtes Goldstück aus Südafrika: die Krügerrand-Münze©

Es sind immer wieder die gleichen Handbewegungen. Jannie Geyer kennt sie im Schlaf. Der Mann im grauen Kittel spannt einen knapp drei Meter langen, rund 15 Zentimeter breiten und exakt 2,8 Zentimeter dicken Metallstreifen unter die Stanze und drückt den roten Knopf. Kreischend saust das Herzstück der archaisch anmutenden britischen Caxton-Maschine herab. Und nach jedem Stoß fallen vier kreisrunde Metalltaler in ein Plastikeimerchen unter der Stanze - jeder rund 34 Gramm schwer und 100 Euro wert. "So machen wir das schon seit ewigen Zeiten", sagt Geyer, der Stanzer, der hier bereits seit 25 Jahren Goldmünzen fertigt. "Daran hat sich nichts geändert."

In der Rand Refinery in Germiston, nur wenige Kilometer östlich von Johannesburg in Südafrika gelegen, stanzt Geyer die berühmteste Goldmünze der Welt: den Krügerrand. Seit Wochen müssen Geyer und seine Kollegen hier sogar Wochenendschichten einlegen, um der gigantischen Nachfrage nachzukommen. Die 35 Jahre alte Caxton saust wesentlich häufiger auf die Goldstreifen herab als bisher: Statt 500-mal am Tag sind es 700- und bald 1000-mal, und neue Maschinen brauchen sie demnächst wohl auch.

Die Welt im Goldrausch

Die Welt erlebt einen neuen Goldrausch. Immer mehr Anleger und Privatleute zweifeln an der Wirtschaftskraft der Euro-Länder, die Turbulenzen an den Finanzmärkten und die Talfahrt der Euro-Währung schüren Ängste. Seit jeher gilt Gold als krisenfeste Anlage, als Sicherheit bei drohender Inflation. Der Goldpreis klettert von einem Rekordhoch zum nächsten - die private Nachfrage nach Barren, Gold-Indexfonds und eben Münzen zieht entsprechend an.

Besonders gefragt sind derzeit kleine Stückelungen - ein Zeichen dafür, dass die Kunden das Gold weniger wegen erhoffter Gewinne, sondern vielmehr als Absicherung für eine katastrophale Zuspitzung der Lage kaufen. Denn mit kleinen Barren oder Münzen ließen sich im Extremfall auch alltägliche Zahlungen wie Mieten abwickeln, sagen Experten.

In der Münzfabrik von Germiston schieben sie deswegen Sonderschichten. Judith Rampai kommt mit der Arbeit schon heute kaum noch nach. Die 23-jährige Supervisorin sitzt vor einem ganzen Berg von Krügerrand-Münzen, die sie inspiziert. Jedes Goldstück, das die Fabrik verlässt, muss einzeln auf Macken oder Kratzer untersucht werden, bevor sie ein alter Roboter, den die Firma gebraucht von einer Autofabrik bekommen hat, verpackt. Zurzeit opfert Rampai sogar ihre Wochenenden. "Wenn die mehr wollen, dann kriegen die mehr", sagt sie. "Es wäre dumm, wenn wir uns darüber beklagen würden."

Gesichert wie Fort Knox

Das Unternehmen erlebt einen Auftragsboom, wie es ihn seit Jahrzehnten nicht mehr gab. Für die nächsten sechs Wochen liegen bereits Bestellungen von mehr als 180.000 Krügerrand im Wert von 18 Millionen Euro vor - so viel wurden im ganzen Jahr 2008 nicht produziert. Und täglich kommen neue hinzu. In Deutschland sei der Run auf die Goldtaler besonders groß, sagt die Schatzmeisterin Debra Thomson. Allein eine Bank, deren Namen sie aus Diskretionsgründen nicht nennen könne, habe gerade mehr als 30.000 der Münzen bestellt. "Etwas Ähnliches habe ich noch nicht erlebt", sagt sie. Wegen der Rezession und des Goldpreisanstiegs sei schon das vergangene Jahr eines der profitabelsten der Firmengeschichte gewesen. Aber dieses Jahr verspreche das noch zu toppen. Konkrete Zahlen nennt das Unternehmen nicht.

Auch sonst ist man eher zurückhaltend. Das Gelände der Fabrik zu betreten ist fast so schwierig, wie in die Gewölbe von Fort Knox zu gelangen: Die Sicherheitsvorkehrungen sind lückenlos. Außer Stacheldrahtzaun und Überwachungskameras sorgen 15 Zentimeter dicke Stahltüren dafür, dass sich kein ungebetener Gast Zutritt verschaffen kann. Die teils rauchigen und stinkenden Produktionshallen, wo das Gold chemisch geschieden wird, wo die Brennöfen stehen, wo die Weiterverarbeitung stattfindet, sind fensterlos. Fotografieren ist streng verboten. Seit der Gründung im Jahr 1920 wurden hier über 40.000 Tonnen Gold veredelt - ohne dass es zu größeren Zwischenfällen gekommen ist. Wer die Hallen wieder verlässt, muss sich sogar durchleuchten lassen.

Die Krügerrand-Münze ist ein weltweit anerkanntes Zahlungsmittel. Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum sie trotzdem gefährdet ist.

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Dieser Artikel... ist erschienen in der Financial Times Deutschland.

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