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Jutebeutel aus Indien empören Drogeriekunden

Eine Sozialunternehmerin aus Augsburg fertigt Baumwolltaschen für dm. Nun kam heraus, dass die Drogeriekette auch Kopien der Tasche aus Indien importiert. Viele Kunden fühlen sich getäuscht.

  dm hat nun Taschen aus Indien im Angebot (rechts), die denen des deutschen Sozialunternehmens Manomama täuschend ähnlich sehen

dm hat nun Taschen aus Indien im Angebot (rechts), die denen des deutschen Sozialunternehmens Manomama täuschend ähnlich sehen

Für die Drogeriekette dm war es ein Prestigeprojekt: Seit 2012 gibt es in allen Märkten der Kette Bio-Baumwolltaschen. Hergestellt werden sie von dem Augsburger Unternehmen "Manomama". Die Textilfirma beschäftigt sozial benachteiligte Menschen wie Langzeitarbeitslose oder chronisch Kranke. "Wir konnten für die Produktion unserer neuen Pfandstoff-Taschen einen Partner gewinnen, der mit seinen Werten und Ansprüchen sehr gut zur nachhaltigen Unternehmensphilosophie von dm-Drogeriemarkt passt", erklärte damals stolz der Vorsitzende der dm-Geschäftsführung, Erich Harsch.

Nun, zweieinhalb Jahre später gibt es allerdings reichlich Irritation um das öko-soziale Aushängeschild der Drogeriekette. Nach einem Einkauf bei dm entdeckte die Bloggerin Pia Drießen, dass der erworbene Jutebeutel den Taschen von Manomama zwar täuschend ähnlich sieht. Statt aus Augsburg stammt er allerdings aus Indien. Öko-soziale Kooperation made in Germany - war da was?

Der Konzern klärt zwar auf seiner Homepage über die Herkunft der Beutel auf. Aber selbst der Augsburger Partner Manomama wusste bis zu dem Blogeintrag nicht, dass dm parallel zu den eigenen Beuteln auch indische Kopien vertreibt. "Fakt ist, dass ich gestern zum ersten Mal die rote Tasche bei Mamamiez auf einem Instagram-Foto gesehen habe. Erst beim zweiten Blick sah ich, dass diese nicht von uns ist, weil die Riegel anders sind", hieß es am Donnerstag auf der Facebookseite von Manomama.

Kunden kritisieren "Greenwashing"

Auf der Facebookseite von dm und Manomama beschweren sich seitdem zahlreiche Kunden, die sich getäuscht sehen. Sie werfen dem Drogeriekonzern "Augenwischerei" und "Greenwashing" vor. Der Konzern reagierte mit einer Pressemitteilung, in der er versichert, dass es auch weiterhin Taschen von Manomama geben werde. Die zusätzliche Produktion in Indien begründet dm mit Entwicklungshilfe: "Es ist uns ein Anliegen, den Menschen in Indien nicht nur den Auftrag zu geben, Baumwolle zu pflücken, sondern auch in Eigenregie die Fertigung für Waren durchzuführen, die hier in Europa benötigt werden." Das Ganze soll sogar ohne Kinderarbeit und nach höchsten ökologischen und sozialen Kriterien vonstatten gehen.

Aber warum versucht dm, den Kunden die indischen Taschen mehr oder minder heimlich unterzujubeln? "Dass sich die Taschen aus Deutschland und Indien ähneln hat einen guten Grund", schreibt dm. "Das aktuelle Design ist bei unseren Kunden am beliebtesten."

Daniel Bakir
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