Versandhändler fürchten Imageverlust

6. April 2013, 10:20 Uhr

Während Mitarbeiter erstmals streiken wollen, wächst in der Branche der Unmut über Amazon. Die Kritik an den Arbeitsbedingungen werfe ein schlechtes Licht auf den Versandhandel.

Amazon, Vorwürfe, Streik, Branche, BVH, Image, Unmut, Leiharbeiter, Leipzig, Bad Hersfeld

Arbeitsbedingungen bei Amazon in der Kritik: Nach Mitarbeitern und Gewerkschaft äußern nun auch andere Versandhändler ihren Unmut©

Die Vorwürfe gegen Amazon und der anstehende Streik in einem Versandzentrum des Onlinehändlers sorgen für Unmut in der Branche. "Es ist misslich, dass durch ein einzelnes Unternehmen ein Eindruck entsteht, unter dem die ganze Branche leiden könnte", sagte die Sprecherin des Bundesverbands des Deutschen Versandhandels (BVH), Christin Schmidt, der "Oberhessischen Presse". Amazon war im Februar wegen schlechter Behandlung von Leiharbeitern massiv in die Kritik geraten.

Im BVH sind große Versandhändler wie Otto und Weltbild, aber auch kleinere Händler organisiert. Amazon ist nicht dabei. Laut Schmid habe eine Umfrage unter den Mitgliedern ergeben, dass sich der Umgang mit den Beschäftigten grundlegend von den Praktiken unterscheide, die in der Berichterstattung über Amazon kritisiert würden. Das entstandene Bild sei demnach "nicht das, was die Branche korrekt wieder gibt".

Im Februar hatte eine ARD-Fernsehreportage über die Arbeits- und Lebensbedingungen von Leiharbeitern am Standort in Bad Hersfeld scharfe Kritik an Amazon ausgelöst. Die Saisonarbeiter sollen dem Bericht zufolge von privaten Sicherheitsdiensten schikaniert worden sein. Amazon kündigte der Sicherheitsfirma daraufhin.

Verdi will höhere Bezahlung erreichen

In Leipzig droht dem Online-Versandhändler erstmals ein Streik in Deutschland. Bei einer Urabstimmung im dortigen Logistikzentrum sprachen sich 97 Prozent der Verdi-Mitglieder für Arbeitsniederlegungen aus. Das Ergebnis wertete Verdi-Verhandlungsführer Jörg Lauenroth-Mago als "sehr eindeutiges Votum für die Entschlossenheit der Beschäftigten". Die Gewerkschaft plant demnach eintägige und auch mehrtägige Streiks. Wann die Arbeitsniederlegungen beginnen werden, blieb zunächst offen. In Leipzig arbeiten rund 800 befristet eingestellte Beschäftigte und 1200 Festangestellte. Rund 540 davon sind den Angaben zufolge Gewerkschaftsmitglieder.

Verdi will eine höhere Bezahlung erreichen, die dem Branchentarifvertrag des Einzel- und Versandhandels entspricht. Bisher gibt es in den deutschen Amazon-Standorten keine Tarifbindung. Die Gewerkschaft fordert für die Beschäftigten in Leipzig unter anderem eine Lohnuntergrenze von 10,66 Euro sowie ein tarifliches Urlaubs- und Weihnachtsgeld. "Wir werden nicht locker lassen, bis wir einen vernünftigen Tarifabschluss haben", so Lauenroth-Mago. Auch am Amazon-Standort in Bad Hersfeld schloss Verdi eine Streik-Urabstimmung zur Durchsetzung von höheren Löhnen nicht aus.

Eine Amazon-Sprecherin erklärte, die Mitarbeiter der deutschen Logistikzentren lägen "mit ihrem Einkommen am oberen Ende dessen, was in der Logistikindustrie üblich ist". Im ersten Jahr erhielten sie 9,30 Euro pro Stunde, nach einem Jahr über zehn Euro. Darüber hinaus bekämen alle Logistikmitarbeiter zusätzlich einen Bonus und nach zwei Jahren Betriebszugehörigkeit Aktienanteile, erklärte die Sprecherin in München. Zu den möglichen Auswirkungen eines Streiks auf das Kundengeschäft wollte sie sich nicht äußern.

Zum Thema
Wirtschaft
Ratgeber
Ratgeber Geldanlage: Legen Sie Ihr Geld richtig an Ratgeber Geldanlage Legen Sie Ihr Geld richtig an
Ratgeber Altersvorsorge: So sorgen Sie fürs Alter vor Ratgeber Altersvorsorge Den Ruhestand sorgenfrei genießen
Tools und Vergleichsrechner
Krankenkassen-Vergleich Krankenkassen-Vergleich Sie suchen eine neue Krankenversicherung? stern.de findet die passende für Sie! mehr... >
 
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von Gast 104849: ist es möglich mit 58 Jahren (weibl.) angestellt zu werden?

 

  von hacalu: Bin zur Zeit arbeitslos, bekomme 21 Tage urlaub. Warum wird Samstag und Sonntag als Urlaubstag mit...

 

  von Gast 104798: Lohn für Wiedereinsteiger als Elektriker. Wie hoch ist der Stundenlohn?

 

  von moonlady123456: Flash-Player deinstallieren wegen Sicherheitslücke...?

 

  von Gast 104778: Sim -Karten Wechsel

 

  von Gast 104762: Ich habe bereits einen Minijob, kann man einen zweiten über seinen Ehepartner anmelden ?

 

  von Gast 104747: Wo werden Wrangler Jeans hergestellt

 

  von Gast 104735: Hausbau, steuerliche Vorteile oder auch Nachteile

 

  von Labia: Krankheitsbild

 

  von Amos: Rauchen auch auf dem Balkon bald verboten? Rauchen nur noch im Keller unter Luftabschluß?

 

  von Amos: Ich kapiere es einfach nicht: hätte ich 100.000 Schweizer Franken: wären das jetzt mehr oder...

 

  von StechusKaktus: Was genau kauft die EZB im Rahmen des QE an?

 

  von blog2011: Problem mit dem Downloadhelper auf YouTube im Firefox-Browser

 

  von bh_roth: Gibt es mehr als einen Bundespräsidenten??

 

  von Gast 104252: Umzug eines Hartz iv-Empfängers in das elterliche Haus

 

  von wiesse: Muss ein Inkassobüro den Nachweis erbringen, dass sie den Auftrag vom Auftraggeber erhalten haben

 

  von Reinhard49: wie hoch ist die Kfz-Steuer bei Dieselfahrzeugen

 

  von Gast 104125: Warum weht der Wind VOM Tiefdruckgebiet her ? Zum Luftdruckausgleich müsste ein Tief doch eher...

 

  von Celsete: Muss man sich mit dem System Hartz IV abfinden?

 

  von Amos: Hörte eben: the Secretary General für den Uno-Generalsekretär. Wieso ist das umgekehrt wie im...