Biografie einer Liebe David & Victoria - Die Beckhams


Ohneeinander wären sie nichts als ein hübscher Kicker und ein vergessener Popstar. Aber sie haben sich gesucht und gefunden, und das war die beste Geschichte, die es geben konnte - für sie, für ihn, für die Medien. Das Märchen von David und Victoria erzählt von vielen schönen Träumen: Ehe ist sexy, Treue ist sexy, Kinder sind sexy

Er war in Sachen Fußball unterwegs, natürlich, viel mehr hatte es in seinem Leben bis dahin nicht gegeben. Und so lag er an diesem Abend im November 1996 in einem tristen Hotelzimmer in Tbilisi, Georgien, und langweilte sich. Sie hatten ein Spiel am nächsten Tag, Georgien gegen England. David Beckham sah aus dem Fenster, blickte auf einen grauen Fluss und eine halbfertige Straße, und dann schaltete sein Zimmernachbar Gary Neville den Fernseher an. Es lief ein Video der Spice Girls, "Say You'll Be There". Die Mädchen tanzten in der Wüste, und "Posh Spice" Victoria Adams trug einen ziemlich scharfen schwarzen Catsuit.

Liebe auf den ersten Blick? Nein, denn was viele Menschen erleben, ist zu gewöhnlich für die Beckhams. "Es ging schneller", erinnert sich David Beckham. Lichtgeschwindigkeit? Noch schneller?

Einen Monat später, nun war er mit Manchester United beim Chelsea FC in London zu Gast, sah er sie wieder. Diesmal live. Die Spice Girls Victoria Adams und Melanie C. besuchten das Spiel und dann die Players Lounge, und da kam ihr Manager auf ihn zu und sagte: "Hi, ich möchte dir Victoria vorstellen." Dem frisch geduschten David Beckham brach der Schweiß aus. "Hallo, ich bin David", mehr fiel ihm nicht ein. Er hatte ein Tor gemacht mit einem lässigen Volleyschuss und hoffte, das habe sie beeindruckt. "Ich bin Victoria", sagte sie, "hast du heute gespielt?" Sie hatte halt ihre Brille nicht dabei. Die Fotografen?

Victoria Adams, brauner Bob, leichtes Doppelkinn, wusste nichts über Fußball und wollte nichts über Fußball wissen, aber sie hatte ein Foto von David Beckham in einem Fußballheftchen entdeckt und ihn für niedlich befunden. Nein, nicht glamourös. Damals war David Beckham ein junger Mann mit 08/15-Frisur, schüchternem Grinsen, Sakko und Krawatte, kein Fußballproll und noch lange kein Star. Victoria sagt, sie habe trotzdem das gespürt, was Engländer "Soul-mate Time" nennen, jenen Moment, in dem sich zwei Seelenverwandte begegnen.

Victoria Adams und David Beckham wurden beide 1975 geboren. Sie wuchsen beide im Norden Londons auf, sie in einem Landhaus mit braunen Giebeln in Goff?s Oak, er in einem Working-Class-Reihenhaus in Chingford; beide Orte liegen 15 Autominuten voneinander entfernt. Sie kannten sich nicht, sie hatten aber beide einen Traum: Sie wollten berühmt werden, er als Fußballer, sie als Sängerin. Ihre Mutter karrte schon die dreijährige Victoria zum Tanzunterricht. Zu Hause war sie die kleine Prinzessin, in der Schule die Außenseiterin. Sie litt unter Akne, weshalb man sie "Sticky Vicky" nannte, klebrige Vicky. "Ich hatte keine Freunde", sagt sie. Dann nahm ihre Mutter sie eines Tages mit zu einem Konzert von Barry Manilow, und Victoria begriff, wie sie es der Menschheit heimzahlen konnte - sie wollte ein Star sein, "aber cooler als Manilow". Also ging sie auf die "Laine Theatre Arts"-Schule, und als fünf Mädchen für eine Band gesucht wurden, bewarb sie sich. Sie wurde ein Spice Girl, sie wurde "Posh Spice", die Luxuriöse, sie hatte es geschafft: "Ich bin nicht die beste Sängerin und Tänzerin. Ich musste hart arbeiten. Das war die beste Schule - und ich war in der größten Band der Welt."

Und dann war es Zeit für einen angemessenen Gatten. Für einen Seelenverwandten eben.

David Beckham war seit Kindheitstagen Fan von Manchester United, das hatte er von seinem Vater Ted, einem Küchenmonteur, der für Kingfisher in der Forest and District League kickte. David war ein stiller Junge. Es gab für ihn nichts Größeres, als Vati beim Training zuzugucken und dann das erste Geld zu verdienen: Für jeden gelungenen Freistoß gab es vom Vater 50 Pence. Sein Opa nahm David mit zu Tottenham Hotspur, und zu Weihnachten gab es drei Trikots: Vati schenkte ihm das von ManU, Opi das der Spurs, und Mutti legte das der Nationalmannschaft dazu.

Mit elf gewann David Beckham einen Talentwettbewerb an der "Bobby-Charlton-Soccer-School", drei Jahre später wurde er von Manchester United verpflichtet; Vati war stolz und Mutti weinte, als er auszog. Freunde? "Ich war zu sehr mit Fußball beschäftigt", sagt David, er durfte Eric Cantona die Schuhe putzen. Schule? Egal. Mit 17 kickte er in der ersten Mannschaft, 1996 schoss er United gegen Chelsea ins englische Pokal-finale. Er war auf dem besten Wege, ein Großer zu werden. Fußballer heiraten früh, es war Zeit, eine angemessene Gattin zu finden.

Es passte also ganz gut, dass das Spice Girl nach jener ersten Begegnung in London beim nächsten Heimspiel in Old Trafford auflief. Sie trug ihre khakifarbene Bluse so weit aufgeknöpft, dass man schwarze BH-Spitze sehen konnte, und ein Glas Champagner in der Hand, als er die Players Lounge betrat. Er ging erst mal an die Bar. Und da stand sie plötzlich neben ihm. Sie fingen an zu quatschen: Hey, wie ist das so als Popstar? Wie lebt es sich so als Fußballer? Sie fragte ihn nach seiner Telefonnummer. Er dachte, die ruft nie an, und fragte nach ihrer. Sie gingen als Letzte, und zu Hause schrieb er sich die Nummer auf ein halbes Dutzend Papierfetzen - "zur Sicherheit". Als er sie am nächsten Tag anrief, verabredeten sie sich sofort. Er fuhr mit seinem blauen BMW M3 zuerst in die Waschanlage und dann zu ihr Richtung London. Sie trafen sich an einer Bushaltestelle und fuhren dann in ihrem lilafarbenen MG umher. Er erzählte ihr von den zwei Freundinnen, die er gehabt hatte, sie erzählte ihm von ihren zwei Freunden. Und ihm war klar: "Ich wollte sie heiraten, ich wollte Kinder mit ihr, ich wollte für immer mit ihr zusammen sein."

Dann tourte sie mit den Spice Girls durch die USA, und er schickte ihr Blumen in jedes Hotel. Und als sie zurückkehrte, sagte er: "Ich glaube, ich liebe dich, Victoria." Und sie sagte: "Ich glaube, ich liebe dich auch." Der Popstar und der Kicker - das war die beste Geschichte, die es geben konnte. Für sie, für ihn, für die englischen Medien. Diese beiden waren die Brücke zwischen zwei Welten. Und was für eine Brücke! Das Märchen von David und Victoria, das war wie die Fusion zweier Weltkonzerne, und am Ende war Victoria die Vorstandsvorsitzende der Beckham AG.

Die Tabloids nannten Victoria und David "Posh und Becks". Dieses Pärchen füllte die Lücke, die Lady Diana hinterlassen hatte, mit Geschichten über Shoppingexzesse (sie: "Wir sind gar nicht so reich, wie die Leute denken. Ich nutze den Gucci-Discount, sooft es geht"), Magersucht (sie: "Geri Halliwell hat gesagt, im Fernsehen würde man dick aussehen. Sie sagte, iss nicht so viel") und Vorlieben für Unterwäsche (sie: "David trägt meine G-Strings"). Er schoss Freistöße in den Winkel und hielt die Klappe. Sie zog ihn an, die Seide war von Gucci und das Leder von Versace, sie schickte ihn zum Strähnchen-Machen - seit dieser Hochglanz-Popper mitspielt, ist Fußball auch für Frauen auszuhalten. Zunächst staunte er. Madonna fragte: "Du bist dieser Fußballer, oder?" Er fragte: "Wie konnte sie das wissen?" Und dann genoss er es. "Seit der Prinz seine Prinzessin getroffen hat", sagte David Beckham, "ist das Leben wie ein Märchen."

"Wir sind schwanger", sagte sie im fernen New York am Telefon. Er schloss sich in St. Etienne im Klo der Umkleidekabine ein, sprang auf und ab und umarmte sich selbst. Dann flog er vom Platz, es war das Weltmeisterschafts-Achtelfinale gegen Argentinien. Es gab Dresche von der "Sun", und dann gab es süße Fotos: Brooklyn, getauft nach jenem New Yorker Stadtteil, in dem er gezeugt wurde, kam im März 1999 per Kaiserschnitt zur Welt.

Vier Monate nach der Geburt des Stammhalters krönte das Prinzenpaar der World of Entertainment sich selbst - bei der Hochzeit auf einem Schloss in Irland saßen sie auf einem Thron mit rotem Samt, sie mit Krone und eierschalenfarbenem Brautkleid, unten ein weiter Rock, oben ein eng geschnürtes Korsett, er mit Lady-Di-Tolle, eierschalenfarbenem Anzug und elastischem Grinsen. Dann kotzte Brooklyn seinem Daddy zwischen die Beine. Drei Millionen Mark legte die englische Zeitung "OK!" für die Fotorechte an der Hochzeit hin. Für 7,8 Millionen Mark kauften sich die beiden ein Anwesen in Hertfordshire, die Presse nannte es "Beckingham Palace". Er bekam ein Billardzimmer, und sie hatte "zum ersten Mal ein richtiges Zuhause, wo meine Kleider sind und mein Make-up".

Man weiß nicht so recht, was man von ihr halten soll, wenn sie auf einem violetten Sofa im Büro ihrer Plattenfirma in London vor einem sitzt. Victoria Beckham deckt ihre unreine Haut mit diversen Schichten Chemie zu, die Knochen stechen aus ihren Schultern hervor, sie knibbelt auf ihren Fingernägeln herum, die so lang sind, dass sie ihrem David bestimmt keine SMS mehr schreiben kann. Sie spricht sehr leise, aber sie taut auf, wenn man sie nach ihrem Gatten und ihrem Sohn fragt. Dann lacht sie sich kaputt, wenn sie erzählt, wie sie auf Stilettos im Garten die Torhüterin gibt und ihre Männer um sie herumdribbeln. Bei den Spice Girls ließ sie die anderen laut sein. Nun waren die Spice Girls Geschichte und sie eine Ikone - als Victoria Beckham, Ehefrau und Mutter. Ohneeinander wären diese beiden nichts als ein hübscher Kicker und ein vergessener Popstar. Das Märchen von David und Victoria aber erzählt von vielen schönen Träumen: Ehe ist sexy, Treue ist sexy, Kinder sind sexy. Und auch weniger intelligente Menschen können wahnsinng reich und berühmt werden.

Es ist nicht wichtig, dass David Beckham mit seiner Fistelstimme stolpert, wenn er sagt: "Ich habe einen klaren Sinn für das Geistige und möchte unbedingt, dass Brooklyn getauft wird - ich weiß nur noch nicht, in welcher Religion." Er liebt seine Frau, jene Frau, die ihn zum Lachen bringt, wenn es Entführungsdrohungen gegen die Familie gibt: "Die müssten auch meinen Friseur kidnappen", sagt sie dann. Jene Frau, die ihm kluge Ratschläge gibt, wenn der Trainer ihn auf die Bank setzt: "Lächeln! Sonst heißt es, du bist sauer." Jene Frau, die ein Soloalbum aufnahm, aber schon vorher wusste: Wenn es schief geht, "werde ich noch mal schwanger". Nach 50 000 verkauften CDs wurde ihr zweiter Sohn Romeo geboren. Der Kaiserschnitt soll auf einen spiel- und trainingsfreien Tag terminiert worden sein.

Wie aber enden Märchen?

"Ich würde ihm ständig E-Mails schreiben, wenn ich einen Computer einschalten könnte", sagte Victoria. Also telefonierten sie. Denn David spielt jetzt für Real Madrid, das ist der Gipfel für ihn, doch dort oben stand er auf einmal allein. Victoria blieb erst mal mit den Kindern in England. Disco-Nächte mit Models? Die ersten Gerüchte vom Anfang vom Ende? "Wenn David eine andere küsst", sagte sie, "erschlage ich ihn." Der Prinz und seine Prinzessin versicherten per Presseerklärung, dass sie sich lieb haben wie am ersten Tag, und dann zog sie doch zu ihm nach Madrid. Sie wollen gemeinsam alt werden und mit ihren Enkeln spielen, sagen sie.

Aber die Frage ist, was diese beiden zusammenhält, wenn Victoria Falten hat und er nicht mehr spielen kann. Gute Gespräche?


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker