Droht Reisenden nach dem Irankrieg das nächste große Krisenereignis? Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat wegen des Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo einen internationalen Gesundheitsalarm ausgerufen. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus zeigte sich zuletzt „tief besorgt“ über das Ausmaß und die Geschwindigkeit der Ausbreitung. Nach jüngsten Angaben gibt es inzwischen mehr als 500 Verdachtsfälle und über 130 mutmaßliche Todesfälle. Auch im Nachbarland Uganda wurden bereits Infektionen nachgewiesen. Einen Impfstoff gibt es bislang nicht.
In der Reisebranche wird die Lage aufmerksam beobachtet, größere Auswirkungen auf den weltweiten Flugverkehr sehen Experten derzeit aber bisher nicht. „Ebola ist derzeit noch kein großes Thema“, sagte Samed Kizgin vom Sicherheitsdienstleister A3M Global Monitoring auf Anfrage von Capital.
Das Hamburger Unternehmen beobachtet weltweit Krisen, Sicherheitslagen und Einreisebestimmungen für Airlines, Reiseveranstalter und Geschäftsreisende. Der aktuelle Ebola-Ausbruch sei bereits in die internen Warn- und Monitoringsysteme aufgenommen worden, so Kizgin. Kunden würden über mögliche Risiken und Einschränkungen informiert. Von einer Lage wie zu Zeiten der Coronapandemie sei man derzeit „aber noch weit entfernt“.
Ebola-Virus: USA schränken Botschaftsdienste ein
Das liege auch daran, dass die betroffenen Länder für westliche Urlauber und Geschäftsreisende nur eine geringe Rolle spielten. „Der Kongo oder Uganda sind keine klassischen Reiseziele wie Spanien, Italien oder die Türkei“, so Kizgin. Entsprechend geringer seien die Passagierströme zwischen Europa sowie Nordamerika und den betroffenen Regionen. Bei den Hantavirus-Infektionen auf einem Kreuzfahrtschiff vor Teneriffa im April sei das noch anders gewesen. Die spanische Urlaubsinsel liege vielen Menschen näher.
Dennoch reagieren einzelne Staaten bereits mit Vorsichtsmaßnahmen auf den Ebola-Ausbruch. „Die USA etwa sorgen sich um die WM“, sagte Kizgin mit Blick auf die anstehende Fußball-Weltmeisterschaft in Nordamerika. Nach Angaben des Experten haben US-Botschaften im Südsudan, in Uganda und im Kongo wegen des Ebola-Ausbruchs bereits bestimmte konsularische Dienste eingeschränkt. Zwar seien die betroffenen Länder selbst keine Teilnehmer der Weltmeisterschaft. Die USA wollten aber offenbar frühzeitig verhindern, dass potenziell infizierte Reisende über Drittstaaten einreisen.
Sollte sich das Virus stärker ausbreiten oder deutlich gefährlicher werden, könnten weitere Staaten mit schärferen Einreise- oder Ausreisebeschränkungen reagieren. Eine besondere Rolle spielten dabei laut Kizgin internationale Drehkreuze im Nahen Osten. Vor allem Flughäfen in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in Saudi-Arabien und in Istanbul seien wichtige Umsteigepunkte für Reisen zwischen Afrika, Europa und Asien. Dort könnte es nach Einschätzung Kizgins zuerst zu verschärften Kontrollen kommen. „Denkbar sind intensivere Kontrollen von Einreisenden, zusätzliche Gesundheitsabfragen oder eine stärkere Sensibilisierung des Bodenpersonals“.
Ebola-Infizierter in Deutschland
Die WHO hat bereits vor einer möglichen regionalen Ausbreitung der seltenen Bundibugyo-Variante gewarnt. Für diese Ebola-Form gibt es bislang weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine gezielte Therapie. Die Organisation liefert inzwischen tonnenweise Schutzausrüstung und medizinische Hilfsgüter in die betroffenen Regionen. Gleichzeitig werden Überwachung, Tests und Kontaktverfolgung ausgeweitet.
Auch Deutschland bereitet sich inzwischen auf mögliche Behandlungen vor: Nach Angaben des Gesundheitsministeriums baten US-Behörden um Unterstützung bei der Versorgung eines infizierten Amerikaners. Er wurde in der Nacht in einer Sonderisolierstation der Berliner Charité auf dem Campus Virchow-Klinikum aufgenommen.
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