Karex
Kondomkrise wegen Donald Trump

capital
Kondomkrise wegen Donald Trump: Die Aktie des größten Herstellers Karex hängt ziemlich durch.
Kondomkrise wegen Donald Trump: Die Aktie des größten Herstellers Karex hängt ziemlich durch.
© Nikolay Zaiarnyi / Getty Images

Debattieren Sie mit!

  • Mit stern-Account aktiv an allen Debatten teilnehmen und kommentieren.
Jetzt registrieren
Der weltgrößte Kondomhersteller Karex steckt wegen Donald Trumps Politik und gestiegener Kosten in der Krise. Ein neues Synthetik-Kondom soll nun die Wende bringen.

Malaysia hat eine lange Tradition mit Kautschuk. Über Jahrzehnte war das Land einer der wichtigsten Lieferanten der globalen Gummiindustrie – zunächst unter britischer Kolonialherrschaft, später als eigenständige Exportnation. Heute ist Malaysia zwar nicht mehr die globale Nummer eins, hat aber weiter einige Nischen für sich besetzt. Darunter auch: Kondome.

Jedes fünfte Kondom kommt letztlich aus Malaysia – einem Land mit gerade einmal 36 Mio. Einwohnern. Im Zentrum dieser Industrie steht dabei das Unternehmen Karex. Der Konzern aus dem Bundesstaat Kedah produziert nach eigenen Angaben mehr als fünf Milliarden Kondome pro Jahr. Zu den Kunden zählen globale Marken wie Durex oder Trojan ebenso wie internationale Gesundheitsorganisationen und staatliche Beschaffungsprogramme. Und genau hier fangen die Probleme an.

Denn wer sich den Aktienkurs von Karex einmal anschaut, erkennt schnell, dass offensichtlich etwas schiefläuft. Spätestens seit vergangenen Herbst hängt die Aktie ziemlich durch – und steht inzwischen 36 Prozent tiefer im Vergleich zum Dezember. Dabei adressiert Karex das Problem mehr oder weniger offensiv. Letztlich sei es Donald Trump, dessen Politik ein makroökonomisches Worst-Case-Szenario für die Kondomindustrie geschaffen habe – und damit auch Karex direkt treffe.

Trump trifft die Branche dabei an zwei Fronten: Zum einen durch die Kürzungen bei internationalen Hilfsprogrammen. Das dämpft die Nachfrage großer Gesundheitsorganisationen nach Verhütungsmitteln spürbar, und trifft vor allem das Exportgeschäft in den Globalen Süden. Mit einer Exportquote von über 90 Prozent ist Karex davon besonders hart betroffen.

Kondomhersteller kämpfen mit höheren Kosten

Zum anderen hat der Irankrieg zu höheren Preisen bei Silikonöl geführt, ein wichtiger Grundstoff für Gleitmittel und Kondomverpackungen. Die Preise stiegen hier zwischenzeitlich um mehr als 30 Prozent, was Karex versucht, an Kunden weiterzugeben. Diese reagieren jedoch äußerst preissensibel, gerade in Schwellenländern. 

Karex musste deshalb das zweite Verlustquartal in Folge melden. Mit Ausnahme der Corona-Krise ein Novum für das eigentlich krisensichere Geschäftsmodell. Konsumenten haben schließlich wenig Ausweichmöglichkeiten, gerade in ärmeren Region auf der Welt. Zwar kamen auch bilanzielle Effekte, wie der schwache Dollar hinzu – doch das Minus von 12,7 Prozent beim jüngsten Quartalsumsatz übersteigt den Dollarverfall deutlich.

Fraglich ist, ob sich Karex erneut aus der Krise herausarbeiten kann – ähnlich wie nach Corona. Eigentlich scheint das Modell robust. Anders als viele Konsumgüterhersteller tritt der Konzern oft nicht sichtbar in Erscheinung. Ein erheblicher Teil der Produktion erfolgt im sogenannten OEM-Geschäft: Karex produziert also für andere Marken, die die Ware anschließend unter eigenem Namen vertreiben. Dadurch bleibt das Geschäftsmodell schlank, weil beispielsweise kaum Marketingkosten entstehen. Es erhöht aber die Abhängigkeit von Großkunden wie Durex, die zudem leicht wechseln können. Kondome sind schließlich ein sehr standardisiertes Produkt, wodurch es zahlreiche Wettbewerber gibt – etwa Thai Nippon Rubber Industry und Cupid Limited. Gerade indische Hersteller wie Cupid gewinnen aktuell Marktanteile, weil sie günstiger produzieren können und in teils ruinöse Preiswettbewerbe eintreten. 

Ausweg Spezialisierung

Für Karex liegt eine Strategie in der Spezialisierung. Gerade in Industrieländern wächst die Nachfrage nach Premiumprodukten: Das Unternehmen investiert verstärkt in Kondome aus synthetischem Nitril – einem dünnen Material, das weniger Allergien auslösen soll und langfristig günstiger herzustellen sein könnte als klassischer Naturkautschuk. Die Technologie soll Karex also unabhängiger vom schwankungsanfälligen Latexpreis machen. Allerdings basiert Nitril auf Erdöl – und auch dessen Preisentwicklung ist derzeit schwer kalkulierbar.

Immerhin ist die finanzielle Lage von Karex solide. Trotz Verlusten in den letzten beiden Quartalen liegen die Cash-Bestände von 109 Mio. Dollar ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres und im Endeffekt auf dem Niveau von 2016. Sorgen bereitet allerdings die Bruttomarge, die mit 27 Prozent inzwischen deutlich unter dem Industrie-Median von 37 Prozent liegt. Nicht alles lässt sich dabei auf Trump schieben, ein Teil sind auch hausgemachte Probleme. Und wohl auch deshalb hat die Börse die Aktie so stark abgestraft.

Capital ist eine Partnermarke des stern. Ausgewählte Inhalte können Sie mit Ihrem stern+ Abo sehen. Mehr aus Capital finden Sie auf www.stern.de/capital.