Als US-Präsident Donald Trump Anfang Mai ankündigte, es würden in den kommenden zwölf Monaten „weit mehr als 5000 US-Soldaten“ aus Deutschland abgezogen, da lief nicht nur den Verteidigungspolitikern des Landes ein Schauder über den Rücken. Auch in den möglicherweise betroffenen deutschen Regionen wurde die Nachricht mit Sorge aufgenommen.
Gesamtwirtschaftlich spielt das US-Militär für Deutschland zwar keine große Rolle. Für einzelne Gebiete aber, in denen Truppen stationiert sind, können mögliche Einnahmeverluste in die Milliarden gehen. Immerhin hängen an US-Soldaten auch Familien, es fallen Mieten, Einzelhandelsumsätze und Aufträge für lokale Firmen an. Für die pfälzische Luftwaffenbasis Ramstein errechnen Lokalpolitiker eine Wirtschaftskraft von mehr als 1,7 Milliarden Euro, die durch die Präsenz der US-Truppen entsteht.
Die Atlantische Akademie in Rheinland-Pfalz rechnete in einer Studie von 2019 vor, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen für die betroffenen Regionen weit über die eigentliche Zahl der US-Militärs hinausgehen: „Sie kaufen in den Supermärkten ein, gehen in Restaurants essen, mieten Wohnungen und Häuser und das Militär vergibt Bau- und Serviceaufträge“, schreibt Akademiedirektor David Sirakov. „Entlang regionaler Kennziffern kann davon ausgegangen werden, dass sich die wirtschaftlichen Effekte deutschlandweit in einer Größenordnung von etwa 3 bis 3,5 Milliarden US-Dollar jährlich bewegen.“
Nach der Ankündigung vom Wochenende macht Trump nun offenbar ernst. Wie „Bild“ und der „Bayerische Rundfunk“ berichten, sollen 5000 Soldaten der US-Armee aus Bayern abgezogen werden. Betroffen sein sollen Soldaten aus der Stryker-Brigade aus Vilseck in der Oberpfalz. Sie gehören zum Standort Grafenwöhr, wo deutlich über 10.000 US-Soldaten stationiert sind. Nach Auffassung des CSU-Verteidigungspolitikers Thomas Erndl werden die dortigen Militärstandorte vorwiegend für Übungen eingesetzt und sind daher eher verzichtbar. „Da ist es wahrscheinlich einfacher, zu reduzieren“, sagte Erndl dem „Bayerischen Rundfunk“.
Geschlossen wird der Standort wohl aber nicht, es sollen mindestens 8000 Soldaten dort bleiben. Wie der „Spiegel“ berichtet, gibt es laut Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) noch keine offizielle Mitteilung der US-Regierung zum Abzug. Das Bundesverteidigungsministerium spricht von „insgesamt fast 40.000“ US-Soldaten, die aktuell in Deutschland stationiert seien, es ist damit das größte Kontingent in Europa. Die meisten von ihnen sind in Ramstein, im oberpfälzischen Grafenwöhr und in den Smith Barracks im rheinland-pfälzischen Baumholder.
USA wollen 5000 Soldaten aus Bayern abziehen
Unklar ist nun, ob über weitere Militärbasen hinweg ein Teilabzug stattfindet oder gar Standorte geschlossen werden – was deutlich größere Auswirkungen vor Ort hätte. Reduzierte Kontingente ließen sich schnell wieder aufstocken, eine komplett geschlossene Basis hingegen wäre deutlich schwieriger wieder in Betrieb zu nehmen.
Wenn es um die wirtschaftliche Bedeutung dieser Präsenz geht, rechnen Lokalpolitiker in der Regel mit dem Faktor zwei – das heißt, auf einen US-Soldaten entfällt statistisch mindestens noch eine zweite Person, die Nachfrage und Umsatz mit sich bringt. Hinzu kommen mehrere tausend amerikanische Zivilangestellte sowie „host nation employees“, also deutsche Angestellte. Der Ramsteiner Bürgermeister Ralf Hechler (CDU) sagte der Deutschen Presse-Agentur, seine Gemeinde habe sich mit ihrer Infrastruktur auf eine verlässlich hohe Zahl an US-Amerikanern eingerichtet: „Wenn ein großer Teil dauerhaft wegfällt, wäre das ein schmerzhafter wirtschaftlicher Einschnitt.“
Einige Standorte sind operativ sehr wichtig für das US-Militär und daher womöglich stärker gegen einen Abzug gefeit: Das größte ausländische US-Militärkrankenhaus liegt in Landstuhl in Rheinland-Pfalz. In Stuttgart wiederum finden sich die Hauptquartiere des Europa-Kommandos und des Afrika-Kommandos der US-Streitkräfte.
Noch unklar ist, welche Bedeutung die Entscheidung der USA haben könnte, auf die Stationierung von Tomahawk-Marschflugkörpern in Deutschland zu verzichten. Damit wäre ein Fernraketen-Bataillon verbunden gewesen, also zumindest eine Zahl von mehreren Hundert US-Soldaten.
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