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Editorial: "Der erste Popstar in der Politik"

Der eine war noch ein Steppke, die andere längst eine gestandene Frau – und beide wissen bis heute, wie das war vor 40 Jahren, als sie diesem Mann begegneten.

Der eine war noch ein Steppke, die andere längst eine gestandene Frau – und beide wissen bis heute, wie das war vor 40 Jahren, als sie diesem Mann begegneten. Klaus Wowereit, heute Berlins Regierender Bürgermeister, und Rut Brandt, zu der Zeit Ehefrau des damals Regierenden Bürgermeisters Willy Brandt, hatten John F. Kennedy bei seinem Berlin-Besuch am 26. Juni 1963 erlebt – zusammen mit eineinhalb Millionen jubelnden West-Berlinern. Wowereit erinnert sich: "Die ganze Stadt war wie in Ekstase ... Das hing natürlich auch mit der Person Kennedys zusammen, der wohl der erste Popstar in der Politik war…". Und Rut Brandt weiß noch, wie sie ihn am Flughafen Tegel empfingen: "Es war ein warmer Junitag. Die Tür der Maschine ging auf, und da stand er, jugendlich, sportlich, im grauen Flanell, mit einem gewinnenden Lächeln." Schwer, sich gerade heute so viel Begeisterung, einen solchen Triumphzug eines amerikanischen Präsidenten hierzulande vorzustellen. Auch schwer, eine so tiefe Erschütterung der Menschen nachzuvollziehen wie die nach den Schüssen von Dallas wenige Monate später, am 22. November. Dabei ist der Mann, der "ein Berliner" war, nie unfehlbar gewesen, nicht politisch und nicht im Privatleben.

Aber JFK hatte etwas, was in der Politik selten ist: Warmherzigkeit, Mut und eine gute Portion Humor. In der angespannten Zeit des Kalten Krieges stand er für Offenheit, Freiheit und jugendlichen Schwung. Dass er ständig unter Schmerzen litt, kaschierte er mit strahlendem Lächeln.

Der Preis waren starke Medikamente. Die Lebensgeschichte von JFK vom kränklichen Jungen zum Sonnenpräsidenten beginnt auf Seite 12.

Auch die weiteren Porträts und Reportagen im Heft werden Sie hoffentlich fesseln und unterhalten; ein Text wird manchen vielleicht irritieren: das Drama um Bruno in "Ein Hundeleben" (S. 94). Passt so eine Herr-und-Hund-Geschichte, passt überhaupt ein Tier ins stern spezial BIOGRAFIE? Unser kleines Redaktionsteam entschied sich in diesem besonderen Fall dafür. Bruno, fanden wir, hat durchaus eine Biografie.

Herzlichst Ihre

Petra Schnitt