Editorial Brüten, bis weißer Rauch aufsteigt


So langsam wird dem Volk mulmig zumute. Deflation, das weitaus verheerendere Gegenteil der Inflation, droht unserem Land.

Liebe Stern-Leser!

So langsam wird dem Volk mulmig zumute. Deflation, das weitaus verheerendere Gegenteil der Inflation, droht unserem Land. Sagt der IWF. Die Arbeitslosigkeit? Im Winter wohl bei fünf Millionen. Das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal um 0,2 Prozent gesunken. Der starke Euro bremst den Export. Gesundheitssystem bankrott. Die Rente nicht mehr sicher. Neuverschuldung verdoppelt.

Wir schliddern in eine demografische Katastrophe. Das Land überwuchert von einem Genehmigungsdschungel, den nicht einmal mehr altgediente Bürokraten durchschauen. Kommunen verwalten ihren Untergang. Gewerkschaften organisieren einen Streik im Osten. Sie wollen dort in den Metallbetrieben die 35-Stunden-Woche. Wegen der Gerechtigkeit mit den Kollegen im Westen. Interessanterweise nicht mehr, weil dadurch mehr Arbeitsplätze entstünden. Unterm Strich haben wir wirklich ein Problem!

Uns Journalisten wird

in dieser Zeit gerne Schwarzmalerei vorgeworfen. Da aber viele Politiker auch kurz vor dem Absaufen des Schiffes den Rost noch mit frischer Farbe übermalen, muss die Presse die Dinge beim Namen nennen. Zuständig für das Abtragen des Problembergs sind allerdings nicht die Journalisten. Auch nicht Industrieverbände oder Gewerkschaften und schon gar nicht Oskar Lafontaine, der als Spaltpilz gerade wieder in die SPD-Basis hineinwächst.

Viele Genossen trauern nicht ihm, sondern seinen interventionistischen Ideen nach. Zu viele. Dabei kostet der Mann bloß Zeit. Anstatt gleich mit der Opposition hat der Kanzler wochenlang mit seiner Partei gerungen - um die Agenda 2010, die, verglichen mit dem Reformfeuerwerk, das dieses Land braucht, ein Knallfrosch ist. Das hat die Schröder-, Scholz & Müntefering-Genossenschaft inzwischen erkannt.

Nein, es ist jetzt Sache

der Verfassungsorgane Bundestag und Bundesrat, diesen Staat umfassend zu reformieren. Die Spitzenpolitiker sollten sich - meine Kinder würden sagen - "mal locker machen" und ein Gipfeltreffen einberufen. Eine Koalition der Vernunft ohne Rücksicht auf Parteitraditionen.

Den Bürgern muss künftig einiges zugemutet werden. Aber den Konflikt mit Wählern und Parteimitgliedern wird ein Vorsitzender nur ausfechten, wenn der politische Gegner nicht davon profitiert. Also: den öffentlichen politischen Wettbewerb für sechs Monate einfrieren. Dann so lange gemeinsam über den Zukunftsprojekten brüten, bis weißer Rauch aufsteigt.

Eine Illusion? Mag sein. Aber aus einem monatelangen, vielleicht jahrelangen Blockadekrieg zwischen Bundestag und Bundesrat würden die Wähler nur eine letzte Lehre ziehen: Die Politik hat versagt. Dafür müssten dann alle Parteien die Verantwortung übernehmen.

stern segelt mit

Auch in schwierigen Zeiten brauchen wir Menschen, die sich mit Geld und persönlicher Leidenschaft für das Erreichen hochgesteckter Ziele einsetzen. Klaus Murmann, Kieler Unternehmer und ehemaliger Arbeitgeberpräsident, hat seit vielen Jahren Geld und Engagement in Segelschiffe und ihre Crews gesteckt.

Mit seiner neuen "UCA", Deutschlands größtem und vielleicht schnellstem Regattaboot, will er nicht nur alles daran setzen, Ende Juni das Transatlantik-Rennen von New York nach Hamburg zu gewinnen, sondern auch etwas für die Popularisierung des Hochseesegelns und die Werbung von Nachwuchs für diesen wunderbaren Sport tun. Und dafür haben der stern und Klaus Murmann eine Partnerschaft geschlossen, die mit der "DaimlerChrysler North Atlantic Challenge" im Juni beginnt.

Herzlichst Ihr Andreas Petzold


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