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Editorial: Schwarzenegger und Mehdorn - zwei harte Brocken

Liebe stern-Leser!

Der amerikanische Traum, dass jeder mit harter Arbeit sein Glück schaffen kann - Arnold Schwarzenegger hat ihn wahr gemacht. Mit 20 wanderte der Polizistensohn aus Thal bei Graz in die USA aus, machte mit Bodybuilding und Immobilien ein Millionenvermögen, heiratete eine Kennedy, wurde als "Terminator" zum bestbezahlten Schauspieler Hollywoods - und regiert heute als Gouverneur Kalifornien, den mit 38 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Staat der USA, für sich betrachtet, die achtgrößte Industrienation der Welt. Ausgerechnet Schwarzenegger, der anfangs belächelte Muskelprotz, der rechte Republikaner, macht dort nun die fortschrittlichste Umwelt- und Gesundheitspolitik in den ganzen USA. Das Magazin "Time" setzte ihn auf die Liste der 100 einflussreichsten Personen der Welt.

Wir trafen Arnold Schwarzenegger, bevor in Los Angeles der Oscar-Rummel begann, in seinem privaten Büro am Venice Beach. Am Tag zuvor hatte ihn gerade US-Präsident George W. Bush besucht, obwohl er mit dessen Regierung im Streit um den Klimaschutz liegt. Besucher aus aller Welt stehen Schlange für einen kurzen Termin beim Gouverneur. Für das stern-Interview nahm sich Schwarzenegger aber viel Zeit und sprach offen wie nie über den US-Wahlkampf, seine fortschrittliche Politik und sein verrücktes Familienleben. Die Reportage "Kalifornien" über Schwarzeneggers grünen Zukunftsstaat beginnt auf Seite 44, das Interview mit ihm lesen Sie im Anschluss daran auf Seite 64.

Hartmut Mehdorn kam sofort zur Sache. "Ich würde Sie ja gerne hauen", sagte er zu stern-Autor Arno Luik. "Aber Schläge bringen nichts, Sie bleiben ja doch bei Ihrer Meinung." Luik hatte im stern Nr. 36/2007 unter der Überschrift "Eisenbahnraub" seine ganz persönliche Sicht der geplanten Teilprivatisierung zu Papier gebracht. Sein Fazit: Die Bürger, die in fünf Generationen das riesige Bahnvermögen mit geschaffen haben, würden beim Börsengang kalt enteignet - und bezahlten dann auch noch dafür. Was Mehdorn damals besonders nervte: Im Bundestag wurde aus dem Artikel zitiert, und er trug auch dazu bei, dass wenig später beim SPD-Parteitag die Stimmung kippte. Die Mehrheit war gegen den Ausverkauf an Investoren - und für eine "Volksaktie". Kommenden Montag kommt es zum Showdown. Dann tagt der SPD-Parteirat, und es ist für alle die Stunde der Wahrheit: Setzen sich die Minister Steinbrück und Tiefensee mit dem "Holdingmodell" durch, das Mehdorn gern möchte? Oder steht SPD-Chef Kurt Beck zu seinem Wort, etwas anderes als die Volksaktie werde es ohne einen neuen Parteitagsbeschluss mit ihm nicht geben?

Mit welchen neuen Einsichten stern-Autor Luik Mehdorns Berliner Büro verlassen und was er bei dessen Gegnern noch alles erfahren hat, lesen Sie ab Seite 154.

Herzlichst Ihr
Thomas Osterkorn

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