Editorial Wurzeln und Flügel für unsere Kinder


Liebe stern-Leser!

"Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen", hat Johann Wolfgang von Goethe einmal gesagt. Wurzeln, solange sie klein sind, und Flügel, wenn sie größer werden. In der Zeit dazwischen, da spielt sich das Abenteuer Erziehung ab. In Deutschland leben knapp 15 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Ihre Eltern sind jeden Tag gefordert, Aufmerksamkeit zu schenken, Probleme zu meistern, Regeln aufzustellen und Konsequenzen zu ziehen. Ein Drittel, so schätzen Fachleute, sind damit total überfordert und leider oft auch total desinteressiert. Ein weiteres Drittel der Eltern kommt mal besser, mal schlechter zurecht und braucht nur gelegentlich Hilfe und Unterstützung. Allein das letzte Drittel ist wirklich souverän bei der täglichen Erziehungsarbeit, hat ein gutes Verhältnis zum Nachwuchs und kommt höchstens in extremen Situationen mal an seine pädagogischen Grenzen. Vor allem für das mittlere Drittel der Eltern ist unsere Titelgeschichte gedacht. stern-Redakteurin Anette Lache hat dafür die 100 am häufigsten gestellten Fragen gesammelt, bei Lesern und Kollegen, Freunden und Bekannten, Nachbarn und bei Eltern, die sie auf Spielplätzen, im Zug und in Kindergärten angesprochen hat.

Die Fragen haben wir dann renommierten deutschen Erziehungsexperten vorgelegt und sie von ihnen beantworten lassen. Das Ergebnis drucken wir in zwei Teilen: 50 Fragen zum Alter von 11 bis 17, vor allem also zur Pubertät, in dieser Ausgabe (ab Seite 54). 50 Fragen und Antworten zum Alter bis 10 Jahren folgen in der kommenden Woche. stern-Redakteurin Anette Lache hat nicht nur selbst schon viel über Erziehung geschrieben. Sie hat das Abenteuer auch hautnah erlebt - als Mutter eines Sohnes, der in der Pubertät nichts ausließ: Schulschwänzen, Verweise, kurzzeitig auch Kiffen, schräge Bekannte. Nach fünf Jahren war der Albtraum vorbei. Der Junge studiert heute deutsches und europäisches Wirtschaftsrecht und ist der ganze Stolz seiner Mutter.

Nach der Entführung von zwei deutschen Bauingenieuren in der Unruheprovinz Wardak in Afghanistan meldeten sich die Taliban zu Wort und forderten den sofortigen Abzug der Bundeswehr. Auch die Mehrheit der Deutschen ist mittlerweile der Meinung, dass unsere Soldaten dort nichts zu suchen haben. Wie sehen das aber die Menschen in Afghanistan? Wir haben zwei uns bekannte Kollegen vor Ort gebeten, eine Straßenumfrage zu machen: Yaqub Ibrahimi, 26, ist Reporter des Kabuler Radiosenders "Good Morning Afghanistan". Er war im Dezember 2006 zu Besuch in Berlin gewesen, um auf Einladung der Deutschen Welle an einem 10-tägigen Presselehrgang teilzunehmen. Die Bilder machte der Kriegsfotograf Thorne Anderson, 40, ein in Amsterdam lebender Amerikaner, der sich gerade in Kabul aufhielt. Die Umfrage war kein leichtes Unterfangen, wie Ibrahimi berichtet: "In Afghanistan ist es viel einfacher, Politiker zu interviewen als Menschen auf der Straße. Viele sind den Medien gegenüber misstrauisch und können sich gar nicht vorstellen, dass ihre Meinung die Leute im fernen Deutschland interessiert." Die überraschenden Antworten lesen Sie ab Seite 28.

Herzlichst Ihr

Thomas Osterkorn

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