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Podcast "Faking Hitler": Folge 4: Was hat es mit den mysteriösen Kisten aus dem abgestürzten Hitler-Flugzeug auf sich?

Adolf Hitler ist ein hypochondrischer Jammerlappen. So fabuliert ihn sich zumindest Fälscher Kujau in den Tagebüchern zurecht. Aber wo kommen sie denn eigentlich her, die "Aufzeichnungen"? Unfassbare Zufälle spielen dem Fälscher bei dieser Geschichte in die Karten. Kommt er damit durch?

Von dem Jahrhundertverbrecher Adolf Hitler zeichnet Fälscher Konrad-Kujau in den Tagebucheinträgen eine Art Hitler-Parodie, die stark an Charlie Chaplins "Der große Diktator" erinnert: "Die Ärzte behaupten, mein Zittern des Armes kommt noch von meinen Verwundungen. Ich glaube es nicht. Glaube, ich bin zu überarbeitet", schreibt Kujau unter der Überschrift "Privates" in eine der 62 Tagebuch-Kladden.

Er denkt sich aber nicht nur die Krankheitsgeschichte Hitlers aus, er muss auch ständig neue Lügen erfinden, um stern-Reporter Gerd Heidemann bei Laune zu halten. Ihm muss er die Bücher für viel Geld ja als "echt" verkaufen. Und wenn er mit dem Fälschen mal nicht so schnell hinterherkommt, dann muss er sich eben die ein oder andere Ausrede einfallen lassen. Am wichtigsten dabei natürlich die Legende, woher diese Tagebücher denn eigentlich kommen sollen.

Ein Staffelwappen aus der abgestürzten Maschine in Börnersdorf

Ein Staffelwappen aus der abgestürzten Maschine in Börnersdorf. Kujau-Experte Marc-Oliver Boger hat das Fundstück in seine Sammlung im Kujau-Kabinett in Bietigheim-Bissingen aufgenommen. Er vermutet, dass es im Innenraum des Flugzeugs auf einer Holzplakette montiert gewesen sein könnte.

Und die Geschichte geht so: In einer Junkers 352 startet der Major und Pilot Friedrich Gundelfinger am Morgen des 21. April 1945 von Berlin zu einem Flug nach Salzburg. An Bord ist neben der Crew Hitlers Diener Wilhelm Arndt. Gegen 6 Uhr morgens versucht die Maschine in der Nähe von Börnersdorf notzulanden, streift dabei einige Baumwipfel und stürzt ab. Nur zwei Personen scheinen überlebt zu haben. Ein Mann stirbt kurz darauf und wird zusammen mit den anderen Absturzopfern auf dem Börnersdorfer Friedhof begraben. Als einziger Überlebender gilt der Bordschütze und Unteroffizier Franz Westermaier, er stirbt im April 1980.

Die Ju war eine Frachtmaschine. In den letzten Wochen des Krieges sollte wohl der Obersalzberg zum neuen Führer-Hauptquartier gemacht werden, weil die Nazi-Führung Berlin nicht mehr als sicher erachtete. Deswegen befanden sich an Bord der Junkers mehrere Metallkisten mit wichtigen Papieren und Unterlagen Adolf Hitlers. So weit die Faktenlage. Und hier drauf kam dann Kujaus Legenden-Sahnehäubchen: In den Metallkisten waren neben wichtigen Manuskripten, zum Beispiel dem Original einer Wagner-Oper oder einem Konzept zum dritten Teil von "Mein Kampf", die Tagebücher von Adolf Hitler. Diese Geschichte wird zufällig von einem wichtigen Zeugen indirekt betätigt: Hans Baur, dem persönlichen Piloten und Fahrer von Hitler. Von da an beginnt Heidemann zu recherchieren ...

Wer sammelt diese Sachen überhaupt?

In dieser Podcast-Folge treffen wir außerdem Dr. Wilfried Beer. Er ist Händler für Antiquitäten und Militaria, berät Käufer und Museen und vermittelt zwischen Ausstellern und Sammlern. Die Branche ist klein und gut vernetzt. Von ihm erfahren wir mehr über diesen Markt mit Weltkriegs-Devotionalien und Hitler-Kitsch.

Warum waren damals eigentlich alle so wild auf Aufzeichnungen von Adolf Hitler? Beer sagt, die Tagebücher seien besonders für diejenigen interessant gewesen, die die Zeit miterlebt haben. Da übe zum einen die Person Adolf Hitlers eine besondere Anziehungskraft aus. Außerdem sei es immer faszinierend, etwas Neues, Geheimnisvolles zu entdecken. Die Leute wollten wissen, was schreibt - in diesem Fall - ein Adolf Hitler über Ereignisse, wie steht er zu gewissen Geschehnissen. Und Beer gibt für diese Faszination noch ein anderes Beispiel: Ähnlich sei damals auch der Wirbel um die Aufzeichnungen des Alt-Bundeskanzlers Helmut Kohl zu erklären, sagt er. 

Und skurrilerweise gibt es zu Helmut Kohl und Konrad Kujau auch wiederum eine Anekdote zu erzählen. Denn Kujau hat auch den ehemaligen Bundeskanzler gefälscht. Als er aus dem Gefängnis längst entlassen worden war, publiziert er die "Geheimen Tagebücher des Konrad Kujau". Und lässt den Bundeskanzler 1996 höchstpersönlich dafür mit diesem Brief Werbung machen:

Gefälschter Brief von Helmut Kohl

Kujau hat auch einen handschriftlichen Brief des 1996 amtierenden Bundeskanzlers Helmut Kohl gefälscht. Allerdings war er wohl von Anfang an als offensichtliche Fälschung gedacht, den Inhalt konnte kaum jemand ernst nehmen. Der Text lautet:

"Liebe, verehrte Kolleginnen und Kollegen,

dieser Kujau zeigt uns in seinen soeben erschienenen 'Geheimen Tagebüchern', wie und mit welchen Tricks wir unseren Haushalt sanieren können. Besonders empfehle ich dem Kollegen Waigel dieses Buch. Ich finde, jedes Mitglied der Bundesregierung sollte dieses Buch sehr aufmerksam lesen." 

Wer sammelt solche Sachen wie die Hitler-Tagebücher überhaupt? Und was hat die Unterhose des ugandischen Diktators Idi Amin mit dem Ganzen zu tun? Antworten darauf gibt es in Folge 4 von "Faking Hitler". (Im Player oben und auf Apple Podcasts, Spotify und Deezer. Und hier geht es zur Übersicht aller Folgen.)

reuters