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19-jähriger Stephen Sutton: "Ich habe Krebs, aber der Krebs hat nicht mich"

Mit seinem Mut und seiner Lebensfreude beeindruckte er Menschen auf der ganzen Welt: Stephen Sutton sammelte über vier Millionen Euro für die Krebshilfe - bevor er selbst der Krankheit erlag.

Von Viktoria Meinholz

"Wenn das Leben dir eine Zitrone reicht, dann mach Limonade daraus. Aber was tust du, wenn das Leben dir Krebs bringt?" Vor vier Jahren wurde bei Stephen Sutton Darmkrebs diagnostiziert. Er war damals 15 Jahre alt. Als er nach seiner ersten Operation aus dem Krankenhaus entlassen wurde, sollte er sich eigentlich schonen. Doch Stephen setzte sich eine Lockenperücke auf, schnappte sich einen Rollstuhl und ging als Oma verkleidet zu einer Kostümparty. "Weil ich viel Gewicht verloren hatte und sehr dünn und blass aussah, war ich sehr überzeugend", erzählt Stephen in einem Video über sein Leben.

Sein Umgang mit der tödlichen Krankheit war von Beginn an ein besonderer. "Ich habe Krebs, aber der Krebs hat nicht mich", betonte der britische Teenager laut seiner Mutter immer wieder. Im Januar 2013 gründete er eine Facebook-Seite, auf der er seine Geschichte erzählte. Eigentlich wollte er Arzt werden, um so die Welt ein bisschen besser zu machen. Doch aufgrund der Umstände müsse er ein wenig pragmatischer mit seiner Zeit umgehen, schrieb Stephen in seinem ersten Facebook-Posting.

Sein neues Ziel war es, eine Million Pfund für die Kinderkrebshilfe zu sammeln. Er startete eine Fundraising-Seite, organisierte Wohltätigkeitsveranstaltungen und machte seine Aktion auch über die Grenzen Englands hinweg bekannt. Heute sind bereits knapp dreieinhalb Millionen Pfund (über vier Millionen Euro) zusammengekommen. Stephen machte sich durch seine Tapferkeit einen Namen.

13 Punkte fehlen

"Ihr könnt mir nicht mehr Zeit geben", sagte Stephen bei einer Rede vor Hunderten Menschen. "Aber ich kann versuchen, euch einen Teil meiner Motivation zu geben. Sodass ihr da rausgeht und etwas verändert. Und euer Leben genießt." Auf Facebook veröffentlichte er eine Liste mit Dingen, die er vor seinem Tod erleben wollte. Auf Platz eins steht die zu sammelnde Million. Er hat eine Party (Platz vier) und ein Fußballspiel (Platz acht) organisiert, um Geld für die Krebsstiftung zu sammeln. Er hat sich im Wembley-Stadion ein Spiel angesehen (Platz 20), war Fallschirmspringen (Platz zwei), umarmte ein Tier, das größer ist als er - genauer gesagt einen Elefanten - (Platz 30) und ließ sich ein Tattoo stechen (Platz 23). 46 Dinge umfasst die Liste. 34 konnte Stephen seit Januar 2013 abhaken. 13 werden offen bleiben.

"Mein Herz platzt vor Stolz, doch bricht gleichzeitig vor Schmerz über meinen tapferen, selbstlosen, inspirierenden Sohn, der in den frühen Morgenstunden des 14. Mai friedlich eingeschlafen ist", lautet der letzte Facebook-Eintrag von Stephens Mutter. "Wir wissen, dass er niemals vergessen werden wird und dass sein Geist weiterleben wird, in all den Dingen, die er erreicht und mit so vielen geteilt hat."

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