HOME

Daddylicious: Vorhof zur Hölle mit 11 Buchstaben? Elternabend!

Mineralwasser medium, Salzstangen und zu kleine Stühle, die klassischen Leiden des Elternabends. Man ist ja nicht zum Spaß hier. Mark Bourichter macht es sich trotzdem schön.

Nichts ist nüchterner als eine Kita oder ein Klassenzimmer am Abend. Die Stühle sind zu klein, das Catering beschränkt sich auf Medium-Mineralwasser aus 1,5l-PET-Flaschen und Salzstangen. Wenn es gut läuft, dann gibt es Gläser anstelle von Pappbechern. Die Stille ist bedrückend. Hat man einen schlechten Tag, dann ist man in der ständigen Erwartung, dass ein Untoter die Flure entlang schlurft – denn im 120-minütigen Mikrokosmos bleibt die Zeit stehen, während die Welt da draußen in der atomaren Auseinandersetzung zerbricht und Aliens die letzten verbliebenden Bodenschätze von Mutter Erde plündern. Die Agenda wird mit stoischer Sorgfalt Punkt für Punkt abgearbeitet und ständig fragt man sich, warum erwachsene Menschen es nicht hinbekommen, einen Kasten Bier, ein oder zwei Flaschen Prosecco und ein paar vernünftige Snacks zu besorgen. Und jedes mal stellt man sich die gleiche Frage, aber den Mut daran etwas zu ändern hat man dann doch nicht. Was die anderen wohl denken, wenn man ein wenig „Luxus“ in die Runde werfen möchte? In der Einzelhaft gibt es eben auch keine Vorzugsbehandlung. Alkohol und alles außer Laugengebäck sind auf solch wichtigen Terminen verpönt. Man ist ja nicht zum Spaß hier. Es geht ja schließlich um nichts weniger als die Zukunft der Gesellschaft.

...könnte man meinen, wenn man den Horrormeldungen aus dem Netz glauben schenken darf. Männer sind auf den regelmäßigen Pädagogik-Debatten immer noch in der Minderheit. Trotz des neuen Rollenbildes und der Emanzipation vom „Ernährer“ zum „Ernährererzieher“. Doch einige dieser Vertreter trauen sich in das Sperrfeuer persönlicher Befindlichkeiten versus verallgemeinerten Argumentationsketten. Die sozialen Netzwerke sind voll von Statusmeldungen aus dem Vorhof des Fegefeuers. Ganz wenige haben die Aufklärung der Mitmenschen zu ihrem erklärten Ziel gemacht. In der Elternrunde von Nico Lumma, dem unangefochtenen "König der Elternabende", möchte man nicht wirklich sitzen. Mit dem Smartphone im Anschlag gibt keiner so brisante Intimitäten preis – natürlich in Echtzeit via Twitter. Für seine Follower ein fester Termin wie das Tatort-Bashing oder der morgendliche „Diss“ ihrer Mitmenschen auf dem Weg zur Arbeit. Alles mit einer ordentlichen Portion Ironie, Sarkasmus mit einer Prise Humor. Social Media halt.

Ich kann selbst nur vom Elternabend 1.0 berichten – also der abgeschwächten Version in der Kita. Ja, wir sitzen auf zu kleinen Stühlen an zu kleinen Tischen mit viel zu wenig Platz zwischen Tischkante und Wand. Das Aquarium blubbert monoton und die Stimmung in der sonst so quirligen Umgebung ist ein wenig befremdlich. Zumindest bei meinen zwei Besuchen fiel auf, dass unter den Teilnehmern keine „Übermutter“ oder ein „Erziehungs-Evangelisten-Paar“ zu finden ist. Ganz im Gegenteil: Es gibt mehr Dialog als Monolog. Und tatsächlich geht es im Anschluss meist auf einen „Absacker“ in den naheliegenden „Nordstern“. Ich bin kürzlich ins Projektteam gewechselt. Wir (ausschließlich Väter) kümmern uns als „Facility Manager“ um das Wohlergehen der Kinder. Wir renovieren, bauen um, erfüllen die Anforderungen der TÜV-Kollegen. Bei gutem Wetter grillen wir und irgendeiner bringt immer eine Kiste Bier mit. Aufgaben müssen verteilt werden. Bis zur Einschulung habe ich Ruhe...

Wissenscommunity