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Nach zweitägiger Suche: Mann findet autistischen Teenager in den Bergen: "Er stand einfach da, engelsgleich"

Zwei Tage und Nächte lang haben Polizei und Anwohner nördlich von Melbourne nach einem 14-jährigen Jungen gesucht, der nach einem Familienausflug verschwunden war. Ben Gibbs, der die Gegend gut kennt, fand ihn wohlbehalten, nur etwas unterkühlt – und hungrig!

Mount Disappointment

Auf dem Mount Disappointment können die Temperaturen auch im Juni noch eisig sein (Symbolbild)

Picture Alliance

Nördlich von Melbourne, am Mount Disappointment, wurde am Mittwochmittag örtlicher Zeit ein autistischer Teenager gefunden, der zwei Nächte bei Eiseskälte in dichtem Buschland verbracht hatte. Hunderte Polizisten und Freiwillige hatten sich auf die Suche nach dem 14-jährigen Will Callaghan gemacht, der bei einem Wanderausflug auf den Gipfel des Berges plötzlich verschwunden war. Er war während des Aufstiegs vor seinem Vater gegangen.

Der Junge, der nicht spricht, wurde um kurz nach ein Uhr zu seinen Eltern in das Basiscamp gebracht, das die Polizei zur Koordination der Suche aufgeschlagen hatte. "Er war wach, aß und trank – und fragte nach McDonald's", wie die australische "The Age" Christine Lalor, Kommissarin im Dienst, zitiert.

Der Krankenwagen wartete schon

Kurz nach seine Ankunft trug sein Stiefvater Nathan den Jungen, der noch seine Rettungsweste anhatte, auf seinen Armen in den wartenden Krankenwagen. Seine Mutter Penny war dicht bei ihm. Von der Einstiegstür des Krankenwagens aus richtete die Mutter das Wort an die umstehenden Polizisten und Helfer und bedankte sich bei den hunderten Menschen, die bei der Suche nach ihrem Sohn geholfen hatten. Sie sei "natürlich unglaublich erleichtert".

"Er ist in Anbetracht der Umstände relativ ruhig", sagte die Mutter. Will hatte seiner Mutter mitgeteilt, er sei durcheinander, verängstigt und sein Körper fühle sich etwas merkwürdig an. Ansonsten aber sei alles okay. "Ihr seid eine wunderbare Gemeinschaft", verabschiedete sie sich dankbar. "Ich möchte jetzt zu meinem Jungen."

Ein freiwilliger Helfer fand den Jungen

Der Freiwillige Ben Gibbs entdeckte William, der barfuß im Buschland stand und sich die Ohren zuhielt, um die kreisenden Hubschrauber auszublenden. "Ich kam vom Fuße des Berges", berichtete Gibbs "The Age". "Dort ist ein einzelner Pfad, den ich sehr gut kenne." Gibb folgte dem Weg und verließ ihn, als er die Markierungen entdeckte, die vorherige Suchtrupps hinterlassen hatten. "Ich ging dann ein wenig tiefer weiter." 20 Minuten vom Pfad entfernt, nah am Gipfel, hatte er Erfolg. "Er stand einfach da, engelsgleich", berichtet Gibbs, der als Kind mit seiner Familie oft auf dem Berg war.

Gibbs versuchte, Will zu entspannen und sprach ruhig auf ihn ein. "Ich hatte gehört, dass er 'Thomas, die kleine Lokomotive' mag, also redete ich darüber", berichtet er. "Nachdem er einen halben Schokoriegel gegessen hatte, trug ich ihn hinunter." Kommissarin Lalor sagte, die Suchtrupps hätten die Hoffnung nicht aufgegeben und dass William "erstaunlich gut" aussähe für die Zeit, die er draußen verbracht hätte. Er wirke wie "ein lieber Junge, ein bisschen überwältigt. Aber die Tatsache, dass er nach McDonald's gefragt hat, ist ein ziemlich gutes Zeichen, denke ich."

Da die Temperaturen nachts auf fünf Grad gesunken waren und Will barfuß war, wird sein Gesundheitszustand im Krankenhaus noch einmal kontrolliert. Und anschließend gibt's dann wohl einen Burger – spätestens.

Quellen: "The Age", Twitter

bal
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