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Neue Serie: Rabenmütter, Rabenväter: Ein neues Wort für mieses Verhalten

Unsere neue Serie gibt Einblick in eine dunkle Ecke unserer Elternseele. stern.de-Redakteurin Ulrike Klode macht den Anfang und fragt sich: Wie verhalten wir uns als Rabeneltern?

Als wir noch ganz junge Eltern waren (also im Sinne: unsere Tochter war frischgeschlüpft, denn jung waren wir schon damals nicht mehr), haben mein Mann und ich schnell gemerkt, dass der deutschen Sprache ein entscheidendes Wort fehlt.

"Rabenmutter", "Rabenvater", "Rabeneltern" - das ist geläufig. Aber was sagt man, wenn man ausdrücken will "ich habe mich wie eine Rabenmutter/-vater" verhalten? Gerade in Zeiten, in denen man nur müde ist, jedes überflüssige Wort gespart werden muss? Damals ist bei uns das Adjektiv "rabig" entstanden. Wenn wir uns unsicher waren: "Das war schon ziemlich rabig von uns, dass wir einfach vergessen haben, sie nach dem Mittagsfüttern zu wickeln." Oder wenn wir uns gegenseitig auf den Arm genommen haben: "Du musst rabiger sein, sonst haben wir später ein verhätscheltes Gör." Aber auch, wenn wir unsere Entscheidung über unsere Arbeitszeiten hinterfragt haben: "Ist das rabig von uns, dass wir so viel arbeiten wollen, dass wir einen Zehn-Stunden-Gutschein für die Kita brauchen?"

Ich habe eben mit meinem Mann telefoniert, um ihm zu erzählen, dass ich gerade einen kleinen Text über unsere Wortschöpfung schreibe. Da sagt er: "Wir haben 'rabig' schon sehr lange nicht mehr verwendet. Sind wohl ganz gute Eltern gerade."

Ulrike Klode, stern.de-Teamleiterin Unterhaltung, hat ein zweijähriges Töchterchen, das derzeit Fußball gucken, Drachen und Leberwurst liebt. Sich morgen aber sicher schon wieder für etwas Anderes begeistert.

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Von Ulrike Klode

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