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Serie: Rabenmütter, Rabenväter: Der Schlafterrorist

Unsere Serie gibt Einblick in eine dunkle Ecke unserer Elternseele. stern.de-Redakteurin Julia Kepenek fragt sich: Dürfen Kinder im elterlichen Bett schlafen und allen die Ruhe rauben?

Mein Sohn hat seit Kurzem ein neues Bett. Aus dem alten war er schlichtweg herausgewachsen, es war noch sein Babybett. Erst wurde nur die Matratze tiefergelegt, dann das Gitter abgebaut, nun haben wir es komplett in den Keller verbannt. In seinem Zimmer steht jetzt ein sogenanntes Juniorbett. Groß genug für einen Dreijährigen, klein genug, um noch als Kinderbett durchzugehen. Ich finde es schick. Mein Sohn hat kurz gemeckert. Er hätte lieber ein Hochbett in seinem Zimmer stehen. Zum Toben und Klettern. Genau aus diesem Grund haben wir uns dagegen entschieden. Die Liste der Verletzungen meines Sohnes ist lang. Dabei ist er erst drei Jahre alt.

Nun schläft er also mit Nähe zum Boden. Wenn er denn schläft. Denn mein Sohn hat die unschöne Angewohnheit, permanent im Bett von Mama und Papa liegen zu wollen. Erst war es nur zum Einschlafen. Gut, dachte ich, dann soll er dort eben schlafen, und wenn mein Mann und ich zu Bett gehen, tragen wir ihn in sein Zimmer. Das klappte eine Weile ganz gut. Doch seit einiger Zeit, kommt er nun auch mehrfach in der Nacht angerannt. Vorzugsweise kurz vor Mitternacht oder in den frühen Morgenstunden. Also genau dann, wenn ich selbst schlafen möchte. Es stört mich, dass mein Sohn mein Kissen beansprucht und an meiner Decke zerrt. Oder mir seine Arme und Beine ins Gesicht bohrt. Er ist ein extrem unruhiger Schläfer, wälzt sich ständig hin und her. Am Ende kommt keiner wirklich zur Ruhe. Mein Sohn nicht. Mein Mann nicht. Ich nicht.

Gnadenlos

Manchmal mache ich mich extra breit, in der Hoffnung, dass er dann in sein eigenes Bett zurückgeht. Es funktioniert nicht. Ich könnte auch aufstehen und gehen, denn wir haben das Glück, ein Gästezimmer zu besitzen. Ein Gästezimmer mit richtigem Bett. Keine alte Matratze oder ein durchgelegenes Sofa. Nein, ein separates Zimmer mit Bett. Tür zu, Licht aus, gute Nacht! Aber das tue ich nicht. Ich bin nicht bereit, meine Seite des Bettes für mein Kind zu räumen. Schon gar nicht, seit er ein großes, neues Bett besitzt. Und mit drei Jahren ist er nun wirklich alt genug, um allein zu schlafen, finde ich.

Inzwischen bin ich gnadenlos: Ich trage meinen Sohn konsequent in sein Zimmer zurück. Natürlich findet er das doof. Er weint und protestiert. Oder erfindet Ausreden, um zu uns zu kommen. Mal hat er Durst, mal will er noch eine CD hören, mal fürchtet er sich vor einem Geräusch. Ich beruhige ihn kurz und lege ihn zurück in sein Bett. Wenn er dann meckert, drehe ich mich nicht mehr um. Ich habe keine Lust, hin- und herzulaufen. Und ich möchte auch nicht stundenlang neben meinem Kind sitzen und warten, bis es eingeschlafen ist. Nicht um vier Uhr morgens. Nicht, wenn ich selbst hundemüde bin und meine Laune auf dem Tiefpunkt ist.

Gestern Nacht kam mein Sohn gefühlte zehn Mal in unser Bett gesprungen, bevor er endlich in seinem eigenen eingeschlafen ist. Der Protest war groß. Am Ende hat er acht Stunden am Stück geschlafen und hatte heute Morgen richtig gute Laune.

Julia Kepenek, stern.de-Redakteurin im Team Unterhaltung, ist Mutter eines dreijährigen Sohnes. Der schwankt gerade, ob er später lieber Feuerwehrmann oder Polizist werden möchte und ernährt sich den ganzen Tag am liebsten von Gummibärchen.

jum
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