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Fünfjähriges Transgender-Kind: Die Reise in eine neue Identität: Mia wird Jacob

In einem bewegenden Interview erzählen Eltern von ihrem Kind, das als Mädchen nicht glücklich sein konnte. Bereits mit zwei Jahren wollte es ein Junge sein. Und blieb dabei. Inzwischen heißt er Jacob.

Endlich wirklich glücklich: Mia bekommt die volle Unterstützung ihrer Eltern, als er sagt, er will für immer ein Junge sein. Seit einem Jahr heißt er Jacob.

Endlich wirklich glücklich: Mia bekommt die volle Unterstützung ihrer Eltern, als er sagt, er will für immer ein Junge sein. Seit einem Jahr heißt er Jacob.

Als Mimi und Joe 2010 zum zweiten Mal Eltern wurden, sagten die Ärzte: "Es ist ein Mädchen!" Doch bereits mit zwei Jahren widersprach ihr Kind: "Ich bin ein Junge." Anfangs glaubten sie, das sei eine Phase, die wieder vorübergehen würde, denn viele Kinder stellen sich vor, wie es wäre, ein anderes Geschlecht zu haben. Bei Mia aber war es anders.

In einem sehr bewegenden Interview erzählen die beiden Amerikaner offen, wie sich ihr Kind von einem verzweifelten, einsamen Mädchen in einen glücklichen Jungen verwandelt hat. Es ist der erste Beitrag der NBC-Redakteurin Kate Snow in ihrer Reihe "Transgender-Kids".

Fotos und Videos, die das Kind zeigen, seit es auf die Welt gekommen ist, begleiten die Entwicklung von Mia zu Jacob, während Vater Joe und Mutter Mimi erzählen. "Jacob ist ein typischer, energiegeladener kleiner Junge, der es liebt, herumzurennen und der sich gerne schmutzig macht", beginnt seine Mutter über den inzwischen Fünfjährigen zu berichten. "Jacob ist transgender."

Als zweijähriges Kind zieht er sich bis zu zwölf Mal am Tag um, was die Eltern aber nicht auf ein Problem mit der rosafarbenen Kleidung zurückführen, sondern für die Marotte eines kleinen Mädchens halten. Das ist schließlich nicht ungewöhnlich. Aus der heutigen Perspektive sehen sie eine erste Besonderheit, als all ihre drei Töchter den gleichen Pullover bekommen - mit einem Hund darauf. "Mia hat ihn ein halbes Jahr lang täglich getragen und über alles drübergezogen, was sie anhatte", sagt Mimi. "Sie wollte immer mit Jungsspielzeug spielen", ergänzt der Vater und zu sehen ist die kleine Mia mit kurzen Zöpfchen hinter einer langen Reihe von Spielzeug-Eisenbahnen.

Sorgen und ein Schlüsselerlebnis

"Sie gehörte nicht zu den Jungen und nicht zu den Mädchen, das war ihr und den anderen Kindern klar", so der Vater. Hartnäckig forderte Mia ein, zu Hause wie ein Junge behandelt zu werden, sie bestand außerdem auf einen Kurzhaarschnitt. "Das sind die Kennzeichen für ein mögliches Transgender-Kind", erklärt Mimi, "Folgerichtigkeit, Ausdauer, Nachdruck. Und sie zeigte alle Merkmale." Die Mutter war verwirrt, besorgt und hoffte, dass dieses darauf Bestehen, ein Junge zu sein, wieder nachlassen würde. Mia jedoch begann auch, ihren Körper zu hassen und sich selbst zu verletzen. Sie wollte anders sein, kein Mädchen und fühlte sich falsch in ihrem Körper.

Schließlich kam es für die Mutter zu einem Schlüsselerlebnis. Unter Tränen erzählt sie von einem Beinahe-Unfall, bei dem sie sich die Frage stellte: "Wenn ich sie verloren hätte, was würde ich mir dann vorwerfen? Hätte ich sie auch an ihrem letzten Tag gezwungen, Mia zu sein oder hätte ich gewollt, dass sie glücklich ist und so, wie sie wirklich war?"

Richtungsänderung

Die Eltern geben nach. Auf einer Reise in einen Vergnügungspark im April vergangenen Jahres trägt die kurzhaarige Mia, während ihre Schwestern rosafarbene Prinzessinnenkleider anhaben, ein Märchenprinz-Kostüm. Und als Passanten immer wieder sagen, was für einen niedlichen Sohn die beiden hätten, strahlt Mia bis über beide Ohren. Da hat es bei den Eltern noch einmal Klick gemacht.

Sie sehen das Video eines Jungen, der einmal ein Mädchen gewesen ist, nun aber als Junge lebt, strahlend und glücklich. Sie zeigen es Mia und fragen sie, ob sie auch außerhalb des Hauses ein Junge sein möchte, mit einem neuen Namen und so. Das Kind antwortet: "Kann ich doch nicht. In der Schule muss ich doch Mia sein. Aber zu Hause will ich sein, was ich will." Der Vater erklärt daraufhin, dass sie an einer neuen Schule ganz neu anfangen könne, von vorneherein als Junge. Und die prompte Reaktion: "Ich möchte immer ein Junge sein! Und Jacob heißen." Das Kind explodiert vor Glück.

Jacob findet plötzlich Freunde, öffnet sich anderen Menschen gegenüber und identifiziert sich mit sich selbst. "Ich hätte mir keinen besseren Sohn wünschen können", sagt Joe. "Egal, was passiert, ich werde ihn immer lieben, weil er mein Sohn ist", schließt Mama Mimi. Die Eltern geben ein großartiges Vorbild ab - für ihre eigenen Kinder sowie für alle Eltern.

bal
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