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Buchauszug

"Ene, mene, Miste, Mutti schreibt 'ne Liste": Zwischen "Playboy"-Redaktion und Sandkasten – ein Mamaleben in Listen

Mit Kindern ändert sich das Leben in allen Hinsichten, Abgründe tun sich ebenso auf wie unerwartete Freuden. Vor allem aber erleben Eltern plötzlich Dinge, die sie vorher nie vermutet hätten. Manchmal hilft dabei Struktur – etwa in Form von Listen.

Portrait Mareike Opitz

Mareike Opitz, Jahrgang 1980, ist zweifache Mutter und seit zehn Jahren "Playboy"-Redakteurin. Nebenbei betreibt sie den Mama-Blog "Mutti so yeah".

Es gibt immer zwei Möglichkeiten, auf etwas zu reagieren: genervt oder mit Humor. Mareike Opitz, Mutter eines sechsjährigen Mädchens und eines dreijährigen Jungen, hat sich für Letzteres entschieden. Auf ihrem Blog "Mutti so yeah" plaudert sie aus dem Nähkästchen (nervige Sätze, von denen auch sie sich manche in ihrem Teilzeitjob in der "Playboy"-Redaktion anhören muss), berichtet von Alltagserproblemen (so rettet man fleckige Lieblingsshirts) und stellt auch Fragen an ihre LeserInnen (zum Beispiel zum Thema Einschulung und den damit verbundenen Schwierigkeiten).

Aus ihren Erlebnissen mit den Kindern hat Opitz Listen gemacht, die nun auch als Buch erschienen sind. Zwei Listen daraus hat die Münchner Autorin dem stern zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt.

TOP OF SCHLIMM: DIE ENTWÜRDIGENDSTEN AUGENBLICKE ALS MUTTER

Die Geburt eines Kindes schenkt einer Selbstvertrauen. Und das ist dringend notwendig – denn dieser kleine Mensch wird ihr in den nächsten Jahren Dinge abverlangen, die sie für niemand anderen auf der Welt tun oder ertragen würde. Okay, vielleicht noch für seine Geschwister. Aber dann ist auch echt mal gut!

Eine Sammlung der fragwürdigsten Situationen:

• der Moment, in dem man mit kühlenden Kohlblättern auf der Brust im Wochenbett liegt und einem klar wird, dass man riecht wie eine Döner-Beilage;

• der Moment, in dem man in einem Kreis fremder Frauen im Rückbildungskurs sitzt und die Hebamme verlangt, "dass sich jetzt alle mal zusammen vorstellen, mit der Scheide Gras zu zupfen";

• der Moment, in dem man für einen Kita-Platz ALLES tun würde. Und auch wirklich macht. Zum Beispiel Ostergrüße mit Pralinen an die Krippenleiterin schicken;

• der Moment, in dem der Kinderarzt einem mehr als deutlich zu verstehen gibt, dass man jetzt so oft da gewesen sei, dass man kleinere Entscheidungen wie die richtige Mützenwahl oder die Behandlung simpler Mückenstiche ruhig selbst treffen könne;

• der Moment, in dem man auf dem Spielplatz feststellt, mal wieder an wirklich gar nichts gedacht zu haben – und die eigenen von fremden Müttern mit mitleidigem Blick Apfelschnitze, zuckerfreie Kekse und Taschentücher gereicht bekommen;

• der Moment, in dem einem klar wird, dass die Erzieher im Kindergarten wahrscheinlich jedes Detail aus dem eigenen Familienleben kennen ("Mama und Papa haben am Wochenende auch Mittagsschlaf gemacht – aber ohne Unterhose!");

• der Moment, in dem das Kind begreift, dass Erwachsenen manche Unterstellungen peinlich sind, und unerhört großen Spaß daran hat (in der Supermarktschlange, sehr laut: "Meine Mama hat gepuhuuupst!");

• der Moment, in dem das Kind einem auf liebevolle Weise verdeutlicht, wie sehr sich der eigene Körper in den letzten Jahren verändert hat ("Mama, wenn ich groß bin, möchte ich auch mal so lange Brüste haben wie du!");

• der Moment, in dem einen das Kind beim Lügen überführt (in der Zoowarteschlange: "Aber ich bin doch schon ganz lange SECHS!");

• der Moment, in dem man merkt, dass nicht die Pubertät das größte Problem des eigenen Kindes ist, sondern diese uncoole Mutter ("Komm bitte nicht in mein Zimmer, wenn meine Freundinnen da sind – und wenn, dann nur mit anderen Schuhen!").

Besonders als Mutter eines Mädchens, ist es schwer, um die Vorlese-Lektüre von "Conni"-Büchern herumzukommen. Irgendeine wohlmeinende Freundin schenkt dem Töchterchen garantiert einen Band. In einem Kapitel ihres Listen-Buches setzt sich Mareike Opitz mit der kleinen Besserwisserin auseinander. 

"CONNI"-TITEL DES GRAUENS

Auf Conni, das schlaumeiernde Bilderbuch-Gör mit der Schleife im Haar, bin ich nicht gut zu sprechen. Aus Gründen. Lange Zeit habe ich mir eingeredet, dass es bestimmt "nur eine Phase ist". Dass es bald wieder weggeht, dieses naseweise Mädchen. Wie Streptokokken, Halloween oder andere lästige Dinge, die einen im Familienalltag eben zeitweise begleiten. Bis ich schlagartig begriff, wie naiv diese Hoffnung war. Denn Conni entwickelt sich gemeinsam mit dem eigenen Nachwuchs weiter: Es gibt ihre Banalabenteuer nicht nur für ganz Kleine, sondern mittlerweile auch für Schulkinder. Da geht es dann nicht mehr ums Fahrradfahren und Pizzabacken, sondern um Liebesbriefe und Klassenfahrten. Seit ich das weiß, wache ich nachts manchmal schweißgebadet auf und frage mich, ob uns Fräulein Neunmalklug wirklich für IMMER begleiten wird. Und dann fallen mir solche Titel ein:

• Conni lernt Knutschen

• Conni bekommt ihre Periode

• Conni braucht einen BH

• Conni hasst Mama. Und Papa. Und Julia

• Conni und der Filmriss

• Connis erste Nacht im Berghain

• Conni und die Pille danach

• Conni und die Castingshow

• Conni fährt Auto

• Conni bekommt ein Tattoo

• Conni entdeckt Tinder

• Connis erster YouTube-Channel

• Conni lernt kiffen

• Conni zieht aus

• Conni wird Veganerin

• Conni und das entzündete Piercing

• Conni und der Ladendetektiv

• Conni und der Ferienclub-Animateur

• Conni brennt durch

• Conni schmeißt die Schule

• Conni wird Groupie

• Connis erster Dreier

• #conni als Influencerin

• Conni wird Mama


bal

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