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Roman "Jogginghosen-Henry": Wacken-Fahrer aufgepasst: Dieses Buch gehört ins Festival-Zelt

Zum ersten Mal in seinem Leben fährt Henry auf ein Metal-Festival. Er ahnt nicht, dass er dort seine Traumfrau kennenlernen wird – sonst hätte er vielleicht mal eine andere Hose angezogen. Von nun an wird er jedes Jahr herkommen.

Eine Faust, in den Himmel gerichtet, Zeigefinger und kleiner Finger stehen hoch

Der Gruß der Metal-Fans, auch bekannt als Teufelsgruß, Metal Fork oder Pommesgabel

Nein, es ist nicht Wacken, das Metalfestival, auf das es Henry zieht, es ist das vom Autor Hannes Finkbeiner frei erfundene Hardbeat Open Air. Doch die Inspiration zu seinem Buch "Jogginghosen-Henry" hatte Finkbeiner tatsächlich in Wacken – zwischen den Auftritten von Sepultura und Danko Jones. In einer Anmerkung am Ende des Buches erklärt er, warum er für seine Geschichte einen fiktiven Ort wählte: "... wenn man einmal im Leben die Möglichkeit bekommt, ein Buch über ein Metal-Festival zu schreiben, ernsthaft: dann will man das beknackte Line-up doch selbst bestimmen dürfen, oder?"

Henry, der eigentlich Heinrich heißt und im provinziellen Bad Harzburg lebt, wird, wie viele seiner Freunde, mit einer Eigenheit assoziert, die dann zu einem Teil des Namens wurde. Bei ihm waren es Jogginghosen, weil er seit Jahren keine anderen Hosen mehr trägt (er glaubt, seine Hoden sind nicht für Hosen gemacht). Seine besten Freunde heißen Grabriel (Vater Bestatter) und Schalter-Felix (Vater Bänker) und treten beruflich später in die Fußstapfen ihrer Väter. Henry selbst räumt in einem Supermarkt Regale ein. Und dann ist da noch Evil Enrico, doch den lernen die drei erst beim Heartbeat kennen. Er war irgendwann einfach da – und blieb.

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Ab aufs Metal-Festival

Fast 20 Jahre alt, fährt Henry zum ersten Mal auf ein Metal-Festival. Es ist nicht nur die Jogginghose, die er dort mit kritischen Augen betrachtet. Auch auf den Rest seines Äußeren ist er nicht stolz, als er nach der ersten Nacht im Zelt seiner Traumfrau begegnet, die ihn nach Kaffeeweißer fragt: "Vor mir stand eine Diva, eine Göttin, direkt aus dem Himmel herabgestiegen, weil dort anscheinend die Milch ausgegangen war. Und ich? Nun, ich trug eine schmuddelige Jogginghose, war unrasiert und schwitzte wie Sau, ein organischer Müllhaufen. Unter meinem verwaschenen Master of Puppets-Shirt zeichnete sich ein Bäuchlein ab. Meine langen köterbraunen Haare waren zottelig und völlig verfilzt." Und dann vergisst Henry auch noch, die unbekannte Schöne nach ihrem Namen oder gar dem Standort ihres Zelts zu fragen.

Es ist nicht nur die Musik, die Henry später jedes Jahr wieder aufs Heartbeat zieht, es ist auch immer die Hoffnung, dort Janka zu treffen, so heißt die Göttin nämlich.

Ein liebenswerter Ritter von trauriger Gestalt

Henrys Leben verläuft nicht gerade rosig. Seine Mutter stirbt, sein Vater kommt über ihren Tod nicht hinweg und er selbst lebt in einem ranzigen Kellerraum. Sein Job ist stumpfsinnig, seine Freunde haben selbst so ihre Probleme und mit Mädchen tut er sich schwer. Aber Henry ist eine gute Seele. Eine ehrliche Haut, ein guter Freund mit einem liebevollen Wesen. Diese Charaktereigenschaften und der augenzwinkernde Ton, mit dem der Ich-Erzähler auf seine Existenz blickt, sorgen dafür, dass "Jogginghosen-Henry" den Leser nicht herunterzieht, sondern sehr amüsant unterhält. Sprachwitz, Liebe zum Detail und gnadenlose Ehrlichkeit machen es möglich, dass sich auch Menschen ohne Metal-Vorliebe plötzlich in die Welt der Metalheads einfühlen können.

All jenen, die am ersten August-Wochenende einen Aufenthalt in Wacken planen, sei dieses Buch ohnehin ans Herz gelegt. Es lässt sich vielleicht sogar noch verschlingen, bevor die erste Band auf die Bühne kommt.

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