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Überwachung: SMS vom Direx

Überwachungswahn oder pädagogischer Fortschritt? Schulen informieren Eltern übers Handy, wenn deren Kinder womöglich schwänzen - sofort.

Der blaue Brief ist jetzt grün, und statt auf Papier kommt er nun aufs Handy-Display: "Der Klassenlehrer Ihres Sohnes bittet um ein Elterngespräch", steht da kurz und knapp. "Bitte um Rückruf."

Im Dortmunder Stadtteil Derne werden solche SMS-Botschaften neuerdings häufiger verschickt. Absender ist Klaus Buchbinder, der Direktor der örtlichen Hauptschule. Seit den Herbstferien testet er den deutschlandweit ersten Schul-SMS-Service. "Damit wollen wir die Kommunikation zwischen Schule und Eltern verbessern", sagt Buchbinder.

Es sind meist schlechte Nachrichten, die auf solche Weise herausgeschickt werden: Tadel, Unterrichtsausfall und sogar Unfälle: "Ihr Sohn hat sich beim Sportunterricht verletzt. Er muss abgeholt werden", heißt es dann, oder: "Ihr Sohn ist heute nicht zum Unterricht erschienen."

Eine SMS zu verschicken kommt billiger als telefonieren

Letzteres, der Schwänz-Alarm, ist für viele Eltern besonders interessant: Macht das Kind blau, erfahren sie es noch am gleichen Vormittag. 95 Prozent der Eltern besitzen ein Handy, und fast alle haben die Einverständniserklärung für den SMS-Dienst unterschrieben. Wenn eine Stunde ausfällt oder sich der Elternabend verschiebt, muss jetzt niemand mehr eine Telefonkette organisieren. Und die Eltern können sicher sein, dass blaue Briefe ab sofort zuverlässig ankommen und nicht mehr unauffällig von den Kindern aus dem Briefkasten gefischt werden. Oder dass der Anrufbeantworter nicht mehr heimlich gelöscht und das Telefonkabel nicht ausgestöpselt wird, wenn der Lehrer seinen Anruf angekündigt hat.

Für die Schule sind es praktische Gründe, auf SMS zu setzen. "Der Verwaltungs- und Finanzaufwand ist einfach geringer", sagt Buchbinder. Anders formuliert: Eine SMS zu verschicken kommt billiger als telefonieren. Und es ist ein Angebot unter vielen: Neben Schulsozialarbeit, Einzelfallberatung für schwierige Schüler, Selbstbewusstseinstraining, Streitschlichtertraining, Suchtprävention, Gewaltprävention und Anti-Rassismus-Programmen gibt es nun eben auch noch Schul-SMS.

"Jetzt kann man aber nicht mehr so gut schwänzen"

"Am Anfang war das für viele schockierend", sagt die 15 Jahre alte Schülersprecherin Jasna Okic. "Doch inzwischen sind auch wir fast alle dafür." Wissend, dass "Jetzt kann man aber nicht mehr so gut schwänzen" kein überzeugendes Argument ist, gaben auch die Schülervertreter ihre Zustimmung bei der entscheidenden Abstimmung in der Schulkonferenz.

Auf 400.000 schätzt der Verband Bildung und Erziehung die Zahl der regelmäßigen Blaumacher, das Deutsche Jugendinstitut präsentierte unlängst eine Studie, nach der ein Drittel der Dauerschwänzer früher oder später kriminell wird. Während die Quote der Schulverweigerer an Gymnasien bei fünf und an Realschulen bei sechs Prozent liegt, beträgt sie an Hauptschulen etwa 15 Prozent.

Videoüberwachung und elektronische Fußfesseln

Angesichts solcher Zahlen machen Politiker das Schulschwänzen zunehmend zum Thema. So schlug der brandenburgische Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) zuletzt vor, Dauer-Fernbleiber mit Hilfe elektronischer Fußfesseln zu überwachen.

Doch auch wenn Schönbohms Idee auf Widerstand in allen Parteien stieß, ist das Interesse an sanfteren elektronischen Lösungen wie Schul-SMS enorm. In Frankreich, Italien, Irland und Australien experimentieren zahlreiche Schulen zum Teil schon seit Monaten mit Anti-Schwänz-Kurzmitteilungen. Sogar eine Videoüberwachung der Klassenzimmer ist in manchen Ländern kein Tabu mehr - so wie in der US-Stadt Biloxi, wo 500 Webcams in den Schulen dafür sorgen, dass kaum ein Winkel unbeobachtet bleibt.

Die Disziplin hat sich in Dortmund erheblich verbessert

In Derne haben sich schon zahlreiche Schulen gemeldet, die das Projekt nachahmen wollen, und auch die Kultusministerien haben Interesse signalisiert. Als Nächstes werden vier weitere Schulen in Duisburg, Gladbeck und Dortmund mit der Schul-SMS-Software ausgestattet.

Seit das Dortmunder SMS-System Mitte Oktober in Betrieb gegangen ist, mussten allerdings erst sieben Kurzmitteilungen verschickt werden: viermal, weil Schüler nicht zum Unterricht gekommen waren, dreimal wegen schwacher schulischer Leistungen. Die Disziplin, sagt Schulleiter Buchbinder, habe sich erheblich verbessert. Aus Angst vor der SMS rufen die Eltern jetzt immer brav an, wenn die Kinder krank sind. "Allein dafür hat sich der Aufwand schon gelohnt."

Ulf Schönert
Mitarbeit: Son Zhoi Hy

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