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Fieber bei Kindern: Heilende Hitze

Die Wangen glühen: Womöglich stimmt mit Ihrem Kind etwas nicht. Zeigt das Fieberthermometer mehr als 38 Grad an, können Sie sicher sein, dass sein Immunsystem auf Hochtouren läuft.

Fieber ist anstrengend, da geht es Ihrem Kind nicht anders als Ihnen. Es fühlt sich schlapp, lässt sich kaum beschäftigen, hat weder Lust auf Bilderbücher noch auf Playmobil oder Schokolade. Trotzdem brauchen Sie sich erst mal nicht zu sorgen, wenn Ihr Sohn oder Ihre Tochter plötzlich wie ein Ofen glüht, im Gegenteil: Fieber ist keine Krankheit, sondern die gesunde Reaktion des Körpers auf eine Infektion, zum Beispiel eine Erkältung.

Sobald im Körper etwas nicht stimmt, alarmieren Botenstoffe den Hypothalamus. Dieses Nervenknäuel sitzt in der Mitte unseres Gehirns und ist ein wichtiges Steuerzentrum. Unter anderem reguliert der Hirnkern auch die Temperatur. Signalisiert das Immunsystem über spezielle Botenstoffe, dass Krankheitserreger im Körper sind, sorgt der Hypothalamus dafür, dass die Temperatur steigt.

Fieber kocht Mikroben zu Tode

Wenn Ihr Sprössling fiebert, arbeiten Stoffwechsel und Immunsystem schneller. Hinzu kommt: Wenn’s im Körper wärmer wird als üblich, schadet das auch den Eindringlingen: Bakterien zum Beispiel können dann ihre Zellwände nicht mehr richtig abdichten und lassen sich so leichter von der Körperabwehr besiegen. Kein Fieber, also alles in Ordnung? Das stimmt leider nicht immer: Vor allem kranke Neugeborene und kranke Säuglinge haben oft keine erhöhte Temperatur. Dann sollen Sie auf andere Symptome achten: Babys, die sich nicht wohl fühlen, verweigern häufig die Brust oder die Flasche, manchmal verändert sich auch ihre Hautfarbe. Gehen Sie in solchen Fällen mit Ihrem Kind zum Arzt, auch wenn es nicht fiebert.

Antje Helms

Was ist Fieber?

Fieber heißt: 38,5 Grad und mehr

Manche Menschen sind heißblütiger als andere. Jedes Kind und jeder Erwachsene hat eine individuelle Körpertemperatur. Sie kann zwischen 36,6 und 38 Grad Celsius liegen. Morgens liegt sie meist um 0,5 Grad niedriger als abends.

Erst ab einer Temperatur von mehr als 38 Grad Celsius - im Po gemessen - sprechen Ärzte von Fieber. Doch es gibt Ausnahmen. So hat rund die Hälfte aller Kinder im Alter zwischen drei Monaten und zwei Jahren eine erhöhte Grundtemperatur: Sie liegt bei 37,8 Grad. Bei ihnen fängt Fieber erst ab 38,3 Grad an.

Messen Sie die Temperatur am besten im Po

Wenn Ihr Sohn oder Ihre Tochter fröstelt, obwohl es nicht zu kalt sein dürfte, sollten Sie Fieber messen. Denn Frieren ist oft ein Zeichen dafür, dass der Körper seine übliche Temperatur von beispielsweise 37 Grad auf einmal als zu kalt wahrnimmt und sie entsprechend nach oben schraubt.

Messen Sie am besten mit einem Digital-Thermometer im Po, dort lässt sich die Temperatur am genauesten ermitteln. Ohr-Thermometer sind weniger zuverlässig, und auch die beliebte Methode, das Thermometer unter die Achsel zu klemmen, bringt keine exakten Ergebnisse. Unter der Zunge zu messen, funktioniert bei Babys und Kleinkindern fast nie und ist ebenfalls weniger genau als die Po-Methode.

Ab 40 Grad wird's gefährlich

Fieber ist gut, aber zu viel ist zu viel: Zeigt das Thermometer mehr als 41 Grad, ist das ein Alarmzeichen. Bei derart hohen Temperaturen können Nervenzellen geschädigt werden. Bleibt das Fieber über längere Zeit auf diesem Stand, kann Ihr Kind unter Umständen sogar lebensgefährliche Hirnschäden davontragen. Meist zieht der Körper in solchen Situationen von selbst die Notbremse und schüttet ab etwa 39 Grad Stoffe aus, die die Temperatur senken.

Ganz wichtig: Steigt das Fieber Ihres Kindes dennoch weiter oder bleibt es mehrere Tage lang bei 39 Grad, sollten Sie der Natur auf keinen Fall weiter ihren Lauf lassen. Stattdessen sollten Sie Ihrem Kind Medikamente geben, die das Fieber senken können. Dazu zählen Tabletten mit den Wirkstoffen Ibuprofen oder Paracetamol. Geben Sie Ihrem Kind keine Acetyl-Salicyl-Säure (ASS): Sie kann in seltenen Fällen lebensgefährliche Nebenwirkungen hervorrufen.

Antje Helms

Ursachen

Harmlos: 37,5 Grad

Wenn das Thermometer zwischen 37,6 und 38 Grad anzeigt, hat Ihr Kind kein Fieber, sondern erhöhte Temperatur. Ab 38 Grad, bei Säuglingen unter drei Monaten schon ab 37,8 Grad, sollten Sie zum Arzt gehen.

Sinkt die Temperatur nach einem Tag nicht oder fühlt Ihr Kind sich sehr unwohl, ist das ebenfalls ein Fall für die Kinderärztin, denn nur sie kann die Botschaft des Fiebers zuverlässig interpretieren und herausfinden, was nicht in Ordnung ist.

Jede Entzündung kann Fieber auslösen

Vielleicht sind ja die Mandeln oder das Mittelohr entzündet. Womöglich hat Ihr Kind Bauchschmerzen oder Durchfall. Auch starker Husten ist ein deutlicher Hinweis darauf, wo etwas im Argen liegt. In solchen Fällen ist die Diagnose oft eine schnelle Angelegenheit. Der Arzt schaut in die Ohren, den Rachen, misst Blutdruck und Puls, tastet die Lymphknoten und Organe ab, überprüft oft selbst noch einmal die Temperatur und wird Sie fragen, wie lange der kleine Patient schon fiebert.

Falls Ihr Sprößling eine Kinderkrankheit ausbrütet, kann die Ärztin das in der Regel rasch erkennen. Ein Urintest reicht meist für eine zuverlässige Diagnose aus. Ist das nicht der Fall, wird sie auf aufwendigere Verfahren zurückgreifen, um schwere Krankheiten wie eine Hirnhautentzündung oder ein Lungenentzündung auszuschließen. Bei hohem Fieber sollte die Ärztin einen Bluttest im Labor durchführen lassen. Mitunter kann das Fieber Ihres Kindes auch eine Reaktion auf Impfungen oder Allergien sein.

Toben im Sommer kann auch die Körpertemperatur heben

Oder der Nachwuchs hat einfach zu heftig und zu lange getobt, womöglich auch noch draußen, an einem heißen Sommertag. Schließlich sprechen wir nicht umsonst davon, "erhitzt" zu sein, wenn wir uns körperlich verausgabt haben. Auch Erwachsene, die intensiv Sport treiben, können währenddessen oder unmittelbar danach eine erhöhte Temperatur haben.

Antje Helms

Was Sie tun können

Lassen Sie Ihr Kind viel trinken!

Wenn Ihr krankes Kind auch bei einer Temperatur von 39 Grad gute Laune hat und sich den Umständen entsprechend wohl fühlt, müssen Sie nichts tun. Schließlich leistet das Fieber seinen Beitrag, damit der Körper schnell wieder gesund wird. Achten Sie aber in jedem Fall darauf, dass Ihr Kind viel trinkt. Denn mit steigender Temperatur braucht der Stoffwechsel mehr Flüssigkeit - pro Grad Celsius etwa zehn Prozent mehr als üblich.

Viele Kinder haben verständlicherweise keine gute Laune, wenn sie krank sind. Sie fühlen sich bereits ab 38,5 Grad schlapp und elend, sie fangen an zu quengeln oder zu weinen. Vielleicht haben sie auch Kopf- und Gliederschmerzen. In solchen Fällen kann das Fieber den Kreislauf belasten. Dann sollten Sie versuchen, die Temperatur zu senken. Schließlich ist das Allerwichtigste, dass Ihr Sohn oder Ihre Tochter sich möglichst wenig quälen muss.

Die sanfte Methode: lauwarme Wadenwickel

Am besten, Sie versuchen es auf die sanfte Methode - mit den guten alten Wadenwickeln. Feuchte Tücher um die Waden, Arme oder auch um den Bauch leiten die Hitze ab und sind sehr angenehm. Die Wickel dürfen aber nicht zu kalt sein. Gut sind 35 bis 36 Grad.

Wechseln Sie die Umschläge alle drei Minuten, wickeln Sie nicht länger als insgesamt 20 Minuten. Verwenden Sie kein wasserundurchlässiges Material, etwa Folie, um die Tücher abzudichten: Das könnte zu einem Hitzestau führen. Hat Ihr Kind kalte Beine und Füße, sollten Sie nur Brustwickel machen. Und Hausmittel hin oder her: Von den früher gern verwendeten alkoholgetränkten Bandagen raten Fachleute heute ab, weil der Körper den Alkohol möglicherweise durch die Haut aufnehmen kann.

Die bequeme Methode: Tabletten

Sie können Ihrem Kind auch Tabletten geben. Die Wirkstoffe Paracetamol oder Ibuprofen können das Fieber senken. Geben Sie aber auf keinen Fall Acetyl-Salicyl-Säure (ASS), auch wenn Sie selbst bei Erkältungen drauf schwören. Denn die Chemikalie kann bei Kindern das so genannte Reye-Syndrom auslösen. Dabei wird die Leber lebensgefährlich geschädigt und sendet in der Folge Giftstoffe ans Hirn.

Ibuprofen oder Paracetamol gibt es auch in Zäpfchenform oder als Saft. Die Substanzen senken die Temperatur und helfen auch gegen Schmerzen. Geben Sie die Mittel nur nach Anweisung des Arztes. Bedenken Sie jedoch, dass die gut gemeinte Maßnahme nach hinten losgehen kann: Ihr Kind fühlt sich danach meist wieder so fit, dass es kaum noch im Bett zu halten ist. Bettruhe ist aber wichtig, um schnell wieder gesund zu werden. Viel Spaß beim Argumentieren!

Antje Helms

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