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"Glück"(s)-Magazin Porno für Mädchen


Nackte Jungs von nebenan in schräger Optik - Nicole Rüdiger und Elke Kuhlen veröffentlichen im Selbstverlag ein Pornoheft von Mädchen für Mädchen mit Interview von Charlotte Roche.

Frau Kuhlen, was ist das Konzept von "Glück"?

Wir denken, dass Frauen sich durchaus gerne nackte Männer ansehen. Aber eben mit einer komplett anderen Ästhetik. In "Glück" zeigen wir ganz normale Typen von nebenan und nicht den muskelbepackten Superman am Bergsee.

Die Fotostrecken wirken authentisch, amateurhaft, wie aus dem Leben gegriffen. Setzen Sie sich mit den Fotostrecken gezielt vom Playgirl-Chic ab oder ist dieser Fotocharakter aus finanzieller Not entstanden?

Eher beides. Wir sind jedem der Jungs sehr, sehr dankbar, dass sie sich für "Glück" ausgezogen haben. Die Shootings sind bisher so gelaufen, dass wir Freunden von unserer Idee erzählt haben und dann diese wieder ihren Freunden davon erzählt haben - bis einer dabei war, der gesagt hat: Ich versuch's mal! Natürlich hat es auch mit der finanziellen Not zu tun, dass kein Shooting richtig ausgeleuchtet ist oder mit Photoshop retuschiert wurde.Wir haben meist nur Geld für zwei Filme. Und dann werden eben die Fotos genommen, die nicht zu dunkel oder zu verwackelt sind.

Ist das nicht wieder so ein Heft, das bei homosexuellen Männern besser ankommt als bei Frauen? Gibt es die lüsterne Frau überhaupt, die sich heimlich die "lecker Jungs" anschaut?

Natürlich bestellen auch schwule Jungs das Heft. Das ist auch toll so. Aber die meisten Besteller sind Frauen, die sich über diesen Teil der "Gleichberechtigung" sehr freuen.

Das Heft ist aufwändig gestaltet und weist ein sehr modernes Layout auf. Warum verkaufen Sie es nur übers Internet per Direktbestellung und nicht am Kiosk?

Da wir Mädchen sind, wollten wir natürlich auch ein mädchenhaft ansprechendes Layout. Wir erscheinen immer dann, wenn wir genügend Geld beisammen haben, um ein neues Heft drucken zu lassen. Nur der Druck kostet pro Stück schon 3,50 Euro. Geld verdienen wir damit nicht. An den Kiosk zu kommen, wäre natürlich toll, aber einen Vertrieb für "Glück" zu finden scheint etwas schwierig zu sein.

Warum mussten Sie das Heft gleich wieder umbenennen?

Nicole und ich hatten die Idee schon sehr lange. Irgendwann haben wir uns dann überlegt, okay, wir machen das jetzt einfach mal zum Selbstkostenpreis und hoffen, dass unsere Freunde und deren Freunde aus Nettigkeit auch ein Heft kaufen. Für das erste Heft haben wir zwei Monate gebraucht. Erst trug es noch unseren Lieblingsnamen "Lecker". Da der Heinrich Bauer Verlag ein Kochmagazin mit dem gleichen Namen hat, mussten wir den ändern. David gegen Goliath eben...

Der redaktionelle Mantel um die Fotostrecken ist sehr hochwertig und erinnert mich ein wenig an das Online-Erotikmagazine "Nerve". In "Glück" gibt es interessante Glossen zum Thema Sex, erotische Kurzgeschichten, aber auch ein sehr ehrliches Interview mit Charlotte Roche. Wie haben sie Roche denn zum Interview bekommen?

Charlotte und wir haben eine gemeinsame Freundin, die das Gespräch mit ihr geführt hat. Wir haben es dann einfach mal gedruckt.

In den Artikeln geht es um die Lust der Frauen, um Ausfluss im Höschen und Dreiersex. Gibt es eigentlich noch Themen, die in den klassischen Medien nicht behandelt werden?

Wir machen "Glück" nicht nur, um nackte Jungs zu zeigen, sondern weil wir es auch leid waren, ständig in allen Magazinen nur die 15 neuesten Flirttipps zu lesen, oder uns Gucci-Handtaschen, die wir uns sowieso nicht leisten können, aufs Auge drücken zu lassen.

Wann kommt denn das dritte Heft und wissen Sie schon, was dort dann das Thema sein wird?

Wir machen uns erst Gedanken über das dritte Heft, wenn wir genügend Geld dafür haben.

Was mich ein wenig abschreckt: Auf der Homepage gibt es nur einen Coverabdruck vom Heft und einen Bestelllink. Infos oder Mustertexte fehlen völlig. Wie soll das Heft da Erfolg haben?

Tja, das sagen uns viele. Wir haben eben leider keine finanziellen Möglichkeiten, um uns eine richtige Webseite machen zu lassen.

Ein erster Rückblick: Was haben Sie richtig gemacht, was falsch?

Wir haben definitiv richtig gemacht, dass wir das Heft einfach so gemacht haben, ohne über irgendwelche Folgen nachzudenken. Natürlich hätten wir manche Dinge professioneller angehen können. Was man einfach nicht vergessen darf, ist, dass unser Baby ein Hobbyprojekt ist, von dem wir nicht leben können. Wenn das irgendwann einmal so sein sollte, ist das natürlich toll, aber davon sind wir noch sehr, sehr weit entfernt.

Das Interview führte Carsten Scheibe, Typemania.

Info: Nicole Rüdiger und Elke Kuhlen, www.gluecksheft.de


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