"Trouble in Paradise" Das Scheitern vor Augen


Der Fotograf Christoph Martin Schmid versteht es, Betrachter seiner Bilder zu Zeugen menschlichen Scheiterns zu machen. stern.de nimmt Sie exklusiv in die trügerische Bilderwelt mit.

Wer kennt das nicht? Da möchte man das perfekte Diner zubreiten, den perfekten Tag verbringen oder den perfekten Sonnenuntergang erleben - doch ein kleiner Störfaktor oder ein unerwarteter Zwischenfall lassen den Möchtegern-Perfektionisten scheitern. Gnadenlos muss man sich vor Augen führen, dass nichts bis ins kleinste Detail planbar ist. Und als wäre dieses Ärgernis im erhofften Paradies nicht schon schlimm genug, bleibt man in solchen Momenten des Scheiterns natürlich nicht unbeobachtet.

Einer dieser Beobachter ist Christoph Martin Schmid. Seit 20 Jahren erzählt der Fotograf und Regisseur mit Stationen in Paris, London, New York und Berlin Geschichten mit der Kamera. In seiner detailreichen und vielschichtigen Bilderserie "Trouble in Paradise" inszeniert Schmid durchaus humorvoll Szenen, in denen Menschen bei ihren ambitioniert angelegten Vorhaben gezeigt werden. Und man sieht viel mehr als den Versuch: Auch der ungeplante und deshalb oft irritierende Ausgangs wird gezeigt. Allerdings ist die Intention des Fotografen nicht, sich sozialkritisch zu äußern, sondern mit naivem Interesse den Augenblick des Scheiterns festzuhalten.

Der zweite Blick zählt

Dieses Scheitern, solche "Krisen der Zivilisation", waren in der Geschichte von Malerei, Film und Fotografie immer wieder Thema: Als Spiegel der gesellschaftlichen Entwicklung und des jeweiligen Zeitgeistes reicht die Bandbreite der Themen von humanen Katastrophen, wie z.B. dem von Goya so düster atmosphärisch beschriebenen spanischen Bürgerkrieg, bis hin zu Problemen und Spannungen im mikrosozialen Umfeld von Familie, Partnerschaft und modernen, auf sich gestellten Ich.

"Bei der Darstellung der vordergründigen Idylle und dem kompositorischen Aufbau haben mich Edward Hopper und Caspar David Friedrich inspiriert. In meinen Bildern passieren aber innerhalb dieser atmosphärisch dargestellten Settings viele, zum Teil irritierende Dinge, die der Betrachter erst auf den zweiten Blick wahrnimmt. In den Motiven gibt es immer wieder neue Details zu entdecken, welche die Gedanken in andere Bahnen lenken" sagt Schmid.

Platz für Spekulationen

Der Fotograf gesteht dem Betrachter seiner "Trouble in Paradise"-Motive einen subjektiven Interpretationsspielraum zu. Wie ist der Vorfall bloß zustande gekommen? Welche Absicht hat der Protagonist verfolgt? Und wie wird die dargestellte Situation vielleicht ausgehen, was folgt auf die Szene? Die Bandbreite dieser "Krisen" reicht vom tödlichen Unfall im Pool, über die Autopanne eines Yuppies bis hin zum für sich tragischen Scheitern des Rentners beim Versuch den Bordstein zu erklimmen. Dabei sind alle Vorfälle von einer Alltäglichkeit, dass sie sich alle durchaus an einem - ganz normalen - Tag ereignen könnten.

Frauke Hansen

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