Aktion Die denkwürdigsten Küsse der stern.de-User


Wir haben die stern.de-Userinnen und -User gebeten, ihre schönsten, peinlichsten, einfach denkwürdigsten Kuss-Erlebnisse an uns zu schicken. Sechs Geschichten gibt's hier zu lesen.

Was passiert auf diesem Bild? Vertreiben sich zwei Wildfremde knutschend die Wartezeit auf den Bus? Verschließt sich ein Liebespaar die Lippen, weil es sonst an der "Kusshaltestelle" nicht mitgenommen würde? Wir können die beiden leider nicht nach ihrer Geschichte fragen.

Aber wir konnten die stern.de-Userinnen und -User bitten, ihre schönsten, peinlichsten, einfach denkwürdigsten Kuss-Erlebnisse an uns zu schicken.

Sechs Geschichten haben wir ausgewählt, auf dass jeder sich amüsiere, mitleide - und sich an seine eigenen Küsse erinnere.

"L., der Ungar" von Irajo

Zu Besuch bei einer Freundin in einer anderen Stadt, ein Abendessen mit ihren Freunden, neuen, netten Gesichtern, gutem Essen, Wein. Er fiel mir auf, als er hereinkam, L., Ungar, hier für ein Auslandssemester. Schon sein Name zergeht einem auf der Zunge. Hielt ihn für nett, schüchtern, aber das machte wohl nur die kleine Sprachbarriere.

Die aufmerksame Art, mit der er die mitgebrachten Fotos ansah, berührte mich. Als ob er versuchte, selbst dort zu erscheinen. Auch seine Blicke, wie Sonnenstrahlen auf der Haut. Ich hielt mich zurück, dachte, meine Freundin habe ein Auge auf ihn geworfen. Ging nicht lange gut, ich hatte seine Sprachkenntnisse unterschätzt, einige anstachelnde Wort-Pfeile flogen bald zwischen uns hin und her, Faszination.

Ein gemeinsamer Caipirinha brachte unsere Lippen bereits auf eine gewisse Art einander näher... Später, zu Hause, neben ihm auf dem Bett meiner Freundin, aber nicht allein. Kerzenlicht, Sternschatten eines Windlichts an der Wand. Sein Arm neben meinem, seine Finger zeichneten langsam einen Weg in Richtung meiner Hand, Gänsehaut, ein Spiel für sich, als würden wir spielen lassen und seien gar nicht selber beteiligt. Meine Freundin musste es wohl irgendwann doch mitbekommen haben, als die Zeit des Gute-Nacht-Sagens kam, die Abschiedsküsschen bereits gefallen, zog sie grinsend den anderen Freund hinaus und die Tür hinter uns zu.

Ein Blick, die Sterne für uns an der Wand, sehr langsam schlossen sich seine Arme um mich, und sein Gesicht neigte sich meinem entgegen. Wie Schmetterlingsflügel, seine Lippen auf meiner Stirn, den Wangen. Wie Samt auf meinem Mund. Halt doch die Zeit an, bitte, halt inne, lass mir dieses Kribbeln, für immer. So schön, auf diese Art eins zu werden, es braucht gar nicht mehr zu passieren. Und ich wusste, ich würde ihn wohl nie wieder sehen. Na und? Niemand kann uns diesen Augenblick wieder wegnehmen, egal, wer oder was für uns danach in den Karten steht.

Ich habe ihn wiedergesehen, ein halbes Jahr später, im Karneval. Verständnis ohne Worte, seine Hand so selbstverständlich in meiner, aber wie es weiterging, ist eine andere Geschichte. :-)

"Mein erster Kuss" von Vera Blind

Meine Freundin und ich spielten Tischtennis in einem Park in unserer Stadt. Während einer Pause entdeckte sie einen Jungen, der bei einer anderen Tischtennisplatte saß, und stieß mich an: "Ist der nicht süß??? Ich glaube, der guckt zu uns. Guckt er???" Ich sah hin, "Ja er guckt". "Guckt er immer noch?" "Ja." Ich starrte ihn den ganzen Tag an, auf ihren Wunsch hin, um dann zu berichten, was er gerade tat.

Wir waren damals 12, es war in den frühen 70ern, und wir hatten beide keine Ahnung vom anderen Geschlecht. Samstagnachmittags gingen wir immer zur Teeniedisco, im ersten amtlichen Jugendzentrum der Stadt. Auf einmal war auch der Held aus dem Park anwesend. Meine Freundin erstarrte augenblicklich, und das "Guckt-er-Spiel" ging wieder los, sie ignorierte ihn, und ich sah ihn an, sonst passierte nichts.

Am darauf folgenden Samstag wollte ich sie wieder zur Disco abholen, aber sie lag mit einem dicken Schal im Bett. Ich wollte nicht alleine gehen, doch sie flehte mich an: "Nein, fahr hin, ER ist bestimmt auch wieder da. Du musst mir dann ALLES berichten, was er gemacht hat"... Na prima, ich bin also hingefahren und hab meinen Auftrag ernst genommen. Egal was der arme Kerl gemacht hat, ich stand da und hab ihn angestarrt, damit mir für die Berichterstattung nichts entging. Irgendwann setzte ich mich auf mein Fahrrad, um zu meiner Freundin zu fahren, plötzlich stoppte neben mir ein Mofa, und er sprach mich an. Ob ich wohl Dienstagabend in die und die Kneipe kommen wolle? Natürlich hätte ich das mit 12 gar nicht gedurft, aber wie der Wink des Schicksals waren meine Mutter an diesem Abend auf einer Weihnachtsfeier eingeladen und mein Vater auch nicht da. Ich hab sofort zugesagt, dann könnte man ja noch mehr über den Jungen erfahren, dachte ich mir. Ich habe das aufgeregt meiner Freundin erzählt und nicht recht verstanden, warum sie keine Begeisterung für mein Vorhaben zeigte.

Der Dienstag nahte. Meine Mutter ging endlich. Also ab ins Bad und los. Dann vor der Kneipe, die ein angesagter Treffpunkt für Jugendliche ab 16 war. Gott, hatte ich Angst, da rein zu gehen, die waren ja alle schon sooo alt, und was sollten die von mir denken? Ich sah also erst mal durchs Fenster, ob er schon da war, konnte ihn aber nicht entdecken und stand frierend eine halbe Stunde vor dem Laden. Gerade als ich gehen wollte, stand er vor mir, er hatte mich zufällig durchs Fenster gesehen und war stinksauer, weil ich so spät kam. Wir sind dann rein. Seine Freunde belagerten einen Tisch, und da dort kein Platz mehr war, setzten wir uns aufs Klavier. Wir haben uns vorgestellt, und das war dann auch die gesamte Konversation. Plötzlich legte er seinen Arm um mich und gab mir einen Kuss auf den Mund. Da er mich damit überrumpelt hatte und ich mich vor Schreck nicht gewehrt hatte, küsste er mich noch mal und - schwupps - hatte ich seine - wie ich damals fand - ekelhaft nasse Zunge in meinem Mund. Da ich damals nicht wusste, dass es Zungenküsse gab, stieß ich den armen Kerl von mir, als wäre er ein ekelhaftes Insekt. Er ließ mich sofort stehen und ging. Ich saß wie versteinert auf dem Klavier und schämte mich furchtbar. Einer seiner älteren Freunde hatte das Ganze gesehen, holte mich vom Klavier, spendierte mir eine Cola und meinte, ich solle mir das nicht sehr zu Herzen nehmen. Ich bin dann zurück nach Hause. Meiner Freundin hab ich am nächsten Tag erzählt, dass er ganz doof sei, aber diesen peinlichen Kuss hab ich ihr verschwiegen. Die ganze Geschichte hab ich ihr erst mit 17 erzählt.

"Eine Freundschaft" von Steffi

Wie sagt man so schön... Eine Freundschaft beginnt durch ein Lächeln, lebt durch einen Kuss und stirbt durch eine Träne...

Ich habe erfahren, wie wahr der Spruch ist - doch es war eine wunderschöne Erfahrung...

Meinen heute besten Freund lernte ich vor vier Jahren im Schwimmbad kennen. Für mich war er von Anfang an ein besonderer Mensch, mit dem man einfach jede Menge Lustiges erleben konnte... Leider war ich für ihn immer mehr...

Da ich jedoch schon einen Freund hatte, mit dem ich noch immer sehr glücklich bin - war seine Zuneigung für mich ein Problem, das unsere Freundschaft sehr stark belastet hat...

Doch irgendwie haben wir über die Zeit einen Weg gefunden damit umzugehen, und er hat schließlich auch eine Freundin gefunden...

Aber wie es das Schicksal so wollte - in einer sehr lustigen Nacht, in der reichlich Alkohol floss, brach es bei uns beiden durch... Wir tanzten hemmungslos und eng aneinander... Ich spürte, dass ich mich danach sehnte, in seinen Swimmingpool-blauen Augen zu versinken... Ich weiß nicht wieso, aber kurz drauf landeten wir in einem engen, dunklen Abstellraum... Wogegen wir so lange gekämpft hatten geschah... wir versanken in einem leidenschaftlichen, wilden Kuss, der mein Herz rasen, mein Blut kochen und meine Knie weich werden lies...

Kurz drauf lösten wir uns und gesellten uns wieder zu den anderen... An vieles kann ich mich nicht mehr erinnern - aber der Kuss blieb trotz des Alkohols bis heute glühend und unvergesslich auf meinen Lippen...

Seitdem verlieren wir öfters die Beherrschung, wenn wir uns so gegenüberstehen... Der Kuss hat vieles an unserer Freundschaft verändert - aber ich werde diese Augenblicke nie vergessen...

"Und da war dieser Typ" von madi

Es war letztes Jahr im Sommerurlaub in Griechenland. Ich war 14, und da war dieser Typ. Dunkle Haare, tiefbraune Rehaugen und gebräunte Haut. Er war echt sexy und gut aussehend, total witzig und charmant. Auf Anhieb habe ich gedacht: "Wow, wenn ich mit dem zusammenkommen würde..."

Gesagt, getan, eine Woche später gingen wir miteinander. Während der ersten Abende erzählten wir uns gegenseitig unsere noch nicht allzu lange Lebensgeschichte. An den folgenden Tagen gab es Umarmungen und Streicheleinheiten.

Ich wusste überhaupt nicht, ob ich ihn überhaupt küssen wollte und konnte. Doch eines Abends brachte er mich und meine Cousine nach Hause. Sie stand mit ihrem Freund weiter weg und alberte herum. Mein Typ nahm mich an die Hand und zog mich in einen dunklen Hauseingang. Mir war richtig mulmig zumute, ich starrte in die Luft, zur Seite, auf den Boden, überall hin, doch nicht in seine Augen. Er stand vor mir, die Arme um meine Hüften gelegt, kam immer näher. Ich sah immer noch zur Seite. Auf einmal sagte er ganz leise: "Schau mich an"' Ich sah hoch in seine Augen, ich spürte seinen Atem - und da passierte es: Wir küssten uns. Ich vergaß die Welt um mich herum, hörte nichts mehr. Es war wirklich wunderschön, und ich fand es sehr romantisch.

Von meinen Freundinnen hatte ich gehört, dass der erste Kuss schrecklich sei.

Also meinen fand ich atemberaubend.

"Der Kollege" von Lemonbabe

Meinen eigentlich schönsten Kuss bisher habe ich von einem Arbeitskollegen im letzten November bekommen...

Als ich vor zwei Jahren meinen Aushilfsjob anfing (damals war ich 19) und den jungen Mann (zu der Zeit 30 Jahre alt) das erste Mal sah, gefiel er mir auf Anhieb: interessant aussehend, sehr charmant und nett, man kann gut mit ihm lachen, reden.

Und mit der Zeit habe ich mich in ihn verliebt, aber versucht, es mir nicht anmerken zu lassen. Letztes Jahr im November war dann ein kleines Betriebsfest, und er war auch da... Wir haben uns gut unterhalten, ein bisschen zusammen getrunken, insgesamt ein sehr schöner Abend. Nach einiger Zeit sagte er nichts mehr und sah mich nur an. Dann wollte er wissen, ob er mir mich etwas fragen dürfte, und ich sagte, natürlich dürfe er.

"Darf ich dich küssen?"

Ich war begeistert, dass er gefragt und es nicht einfach so getan hat. Manche Menschen finden das kitschig, aber ich fand es sehr höflich, dass er gefragt hat und mir nicht einfach seine Zunge in den Hals geschoben hat.

"Natürlich darfst du!" Auf diesen Moment hatte ich eineinhalb Jahre gewartet, und obwohl ich zu der Zeit nicht mehr wirklich in ihn verliebt war, wollte ich doch wissen, wie es ist, ihn zu küssen.

Daraufhin trafen mich seine weichen Lippen ganz vorsichtig auf dem Mund, und wir küssten uns eine Weile ganz zärtlich, bis er sich langsam mit seiner Zunge vortastete und meine ihm entgegenkam. Wir umkreisten uns erst langsam und dann ein wenig fordernder, aber die ganze Zeit trotzdem zärtlich. Dann wurde es ein wenig spielerischer, mit Knabbern und Saugen, an Hals und Ohrläppchen...

Hätte er mich gefragt, ob ich noch mit zu ihm kommen möchte, ich hätte es sofort gemacht, diese Küsse machten Lust auf mehr! Er weiß wirklich, wie Mann es machen muss. Wow, ich war hin und weg!!!

Aber dann habe ich irgendwie Panik bekommen, da er ja ein Arbeitskollege ist und ich ihn danach (sollte ich mit ihm nach Hause fahren) noch fast jeden Tag sehen würde. Ich habe nicht die meiste Erfahrung mit Männern und hätte nicht gewusst, wie ich mich danach ihm gegenüber hätte verhalten sollen.

Deshalb hab ich mich verabschiedet und aus dem Staub gemacht.

Ob's das Richtige war? Ich weiß es nicht... aber ich bin froh, diese Kuss-Erfahrung gemacht zu haben.

Und wir verstehen uns auch nach wie vor gut.

Er hat zwar jetzt eine Freundin, was ich ihm sehr gönne, aber wenn sich noch einmal eine Gelegenheit ergeben sollte, könnte ich nicht nein sagen, glaube ich.

"Körpersprache" von Tanki

...eigentlich habe ich ein sehr schlechtes Namensgedächtnis, doch einen Namen werde ich nie vergessen. Im früheren Jugoslawien lernte ich bei einem Tauchurlaub ein sehr junges Mädchen namens Lydia kennen. Nicht allein der Umstand wie wir uns kennen lernten, auch der Altersunterschied und die Tatsache, dass wir nicht die jeweilige Landessprache verstanden, hat wieder einmal gezeigt, dass auch die Körpersprache viele Barrieren aus dem Weg räumen kann.

Einem kleinen Jungen, dem ich eine Notiz zusteckte, war zu verdanken, dass es zu unserem schweigsamen und doch so aufregenden Treffen kam. Ich glaubte, Erfahrung zu haben. Aber als mich Lydia an der vereinbarten Parkbank in die Parkanlage entführte, schlug mein Herz bis zum Hals. Das junge, schüchterne Mädchen mit den stechenden "Omar Sharif"-Augen wand sich in meinen Armen so zärtlich, und doch schien sie genau zu wissen, was sie wollte, und als sich unsere Lippen trafen, bekam ich bis heute den wohl zärtlichsten, stürmischsten Kuss von einem weiblichen Wesen. Unsere beiden Körper zerschmolzen für ein paar Minuten wie Wachs in der Sonne.


Mehr zum Thema