GEFRAGT Strippen im Weihnachtskostüm hat Hochkonjunktur


Weihnachtsmänner und -frauen lassen die Hüllen fallen. In der Adventszeit haben männliche und weibliche Stripper Hochkonjunktur und zeigen, was unter dem roten Mantel ist.

Unter dem Nikolaus-Mantel trägt Ritchie Lack und Leder. In der Adventzeit hat der Wiener als strippender Weihnachtsmann bis zu fünf Auftritte an einem Abend. »Das Geschäft vor Weihnachten hat total angezogen«, sagt er. Für Feiern unter Freunden oder Kollegen werde er alleine oder mit einem Engel an seiner Seite gebucht. Der Engel ist eine Stripperin. »Die Leute trauen sich mehr als früher«, meint der 26-jährige Student, der sich seit sieben Jahren im Dienst einer Wiener Agentur mit dem Namen »Nacktschwärmer« auszieht. »Sie haben mehr Spaß, wenn es nicht so besinnlich ist - sinnlich kommt da schon besser«, sagt er.

Strip zu Klängen von »White Christmas«

Ritchie lässt vor Krankenschwestern, Friseusen oder Bankangestellten die Hüllen fallen. Zu Klängen wie »White Christmas« verteilt er zuerst als biederer Weihnachtsmann samt Rauschebart kleine Geschenke oder Schokolade. Dann schlägt die Musik in das rockige »I was made for loving you« um. »Da reiße ich mir das Weihnachtsmannkostüm runter und fange an zu tanzen«, sagt Ritchie. Damit noch was zum Ausziehen bleibt, hat er unter dem roten Mantel zuvor schwarze geschlitzte Lackhosen und einen schwarzen Ledertanga verborgen. »Die Frauen können es zuerst kaum glauben und dann ist eine Superstimmung«, sagt er.

Weihnachtsmann und Engel im Doppelpack

Oft werde ein »Weihnachts-Doppelpack« bestellt, erzählt Ritchie. Die Agentur vermittelt neben dem nackten Santa Claus auch als »Weihnachtsfrauen« verkleidete Stripperinnen. »Wenn Männer und Frauen im Publikum sind, haben wir dann für beide was«, erklärt Ritchie. Für etwa zehn Minuten Striptease sind rund 200 Euro zu bezahlen. Ritchie sagt, er gehe bei seinem Auftritt aufs Ganze - beim Tanga mache er nicht Halt. »Aber es gibt ja meistens noch so etwas wie einen Weihnachtsmannbart oder einen Blumenstrauß«, sagt er. »Das kriege ich schon so hin, dass nicht alles zu sehen ist.«

Deutlich zweideutige Angebote

Bei den Auftritten ließen die Frauen eher die Hemmungen fallen, wenn sie unter sich seien, sagt Ritchie über seine Erfahrungen. »Da gibt es schon immer wieder sehr deutliche Angebote, aber für mich ist klar, es bleibt beim Strippen«. Beim Studium der Handelswissenschaften an der Wiener Wirtschaftsuniversität steht Ritchie kurz vor dem Abschluss. In seinem neuen Job möchte er die Kleidung allerdings künftig anlassen.


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