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SEXGEFLÜSTER: In der Regel haben Wikinger rote Bärte

Erotik-Kolumnistin Hannah Garbaty über die freudvollste Möglichkeit, Sex in Zeiten der Regel zu genießen und gleichzeitig dem Menstruationsschmerz ein Schnippchen zu schlagen.

Wenn wir Frauen Lust auf Sex entwickeln wollen, müssen unsere beiden erogensten Zonen absolut einwandfrei funktionieren: der Unterleib und das Hirn. Beide sind allerdings bei den meisten weiblichen Geschöpfen an mindestens 7 Tagen pro Monat mit purer Schadensbegrenzung beschäftigt. Dann üben kleine Männlein Klimmzüge an den Eierstöcken, die Gebärmutter versucht, ein 13 Monate altes Kind abzustoßen, vom Rein und Raus der Tampons ist der Scheideneingang wund, die Brüste schmerzen bei jeder Bewegung und der Kopf ist sowieso der festen Überzeugung, die ganze Welt hätte sich gegen ihn verschworen. Da ist schon das blanke Überleben fragwürdig ? und dann sollen auch noch lustvolle Gefühle entstehen? Scheint schier unmöglich.

Doch Moment! Irgendwann las ich in einer Frauenzeitschrift, dass ein Orgasmus auf das Wunderbarste die Regelbeschwerden lindert. Diese Aussage stimmte mich hoffnungsfroh, denn erstens ist so ein freudvolles Feuerwerk ja viel, viel besser als das Schlucken von Tabletten und zweitens wäre damit auch dem begehrenden Liebsten auf das Freudvollste gedient. Und wer hat schon ernsthaft etwas gegen einen Orgasmus einzuwenden ? egal zu welcher Zeit?

Also trieb diese Aussage Blüten in meinem Unterbewusstsein und ich nahm mir vor, zumindest einmal auszuprobieren, ob an der heilsamen Wirkung wirklich etwas dran ist.

Nun ist ja bekanntlich nicht jeder Mann der leidenschaftliche Blutbader an sich, eher im Gegenteil: Die Vorstellung, sich in braunrot beschmierten Bettlaken zu wälzen und das beste Stück einer offenen Wunde auszusetzen, törnt die meisten Herren eher ab, es sei denn, sie fühlen eine Seelenverwandtschaft zu Hannibal Lector und Konsorten. Und obwohl ich noch keinen Mann getroffen habe, der sich ernsthaft eine Gelegenheit für Sex entgehen lässt, möchte er sich zu diesem Zwecke schon als Objekt der weiblichen Begierde fühlen und nicht als Naturheilpraktiker in der Testphase, oder? Dreist wenn sich ein Geliebter selbstlos in die Schlacht begibt, muss er ja anschließend mit dem Anblick seines blutbesudelten Freundes klarkommen und da die meisten Männer kein Blut sehen können, könnte das so manchen Ohnmachtsanfall auslösen ? nicht unbedingt das romantischste Nachspiel.

Aber auch ich musste trotz aller Neugierde mit diversen Hemmschwellen kämpfen, die da u.a. lauteten: Wie viel Lust habe ich, gleich nach dem Sex die Bettwäsche einzuweichen? Die handelsüblichen Krankenhaus-Gummimatten erschienen mir jedenfalls nicht als optimale Spielwiese. Gut, bliebe die Dusche. Doch da stand mir im Wege, dass ich als leidenschaftlicher Hitchcock-Fan mindestens einmal zu viel »Psycho« gesehen hatte und mir die Bildgewalt des in den Abfluss laufenden Blutes noch sehr lebendig vor Augen stand. Und wer den Film kennt, weiß, dass libidöse Anwandlungen während dieses Filmerlebnisses keine Chance haben. Weiterhin überlegte ich, wie ich unauffällig den benutzten Tampon entsorgen kann, um den Liebsten nicht dessen Anti-Charme auszusetzen. Schließlich und endlich dachte ich an der wichtigsten aller Fragen herum: Wie, um alles in der Welt, soll ich in menstruierendem Zustand überhaupt Lust bekommen?

Lange Rede - kurzer Blödsinn: Ich verwarf den Gedanken an Sex während der Regel zunächst wieder und rettete mich weiterhin heldenhaft mit Schmerzmittel und Wärmflasche über die speziellen Tage.

Doch dann kam Ulli. Ulli mit der herrlich unverklemmten Art, Frauen als das zu sehen, was sie waren: Wunderbare Naturgewalten. Und da Ulli sowieso nichts Menschliches fremd war, waren es auch die gelegentlichen naturgegebenen Eruptionen von Blut nicht. Zusätzlich war dieser Mann mit der Natur der Frau insofern vertraut, als dass er sehr genau wusste, wie er ihr auch in den unwirtlichsten Zeiten das Gefühl vermitteln konnte, loslassen zu dürfen.

Ich hatte jedenfalls gerade mal wieder das »gute Gefühl, eine Frau zu sein«, verabscheute die Welt im allgemeinen und mein Geschlecht im besonderen, lag mit einer Wärmflasche auf dem Bauch auf der Couch herum und sah mir alte Folgen von Ally McBeal an. Da setzte sich Ulli zu mir, legte sich meinen Kopf auf den Schoß und streichelte mit zarten Händen mein Gesicht, meinen Hals und den Brustansatz. Das fühlte sich schon mal sehr gut an und ich begann dankbar zu entspannen. Irgendwann verirrten sich seine Hände auch an meine Brüste, doch anstatt sie zu drücken und zu kneten, strich er ganz sacht mit der flachen Hand darüber. Erfreut nahm er zur Kenntnis, dass sich die Brustwarzen aufrichteten und ihm keck entgegenlachten. Und auch ich war erstaunt, denn ich begann freudig die Verbindung zwischen Brust und tiefergelegenen Regionen zu spüren. So hatte ich überhaupt nichts dagegen, als sich seine Hand auf meinen Bauch wagte, ihn warm und zart umschmeichelte und sich anschließend weiter in Richtung Venushügel vortastete. Nachdem er mit der gleichen Sanftheit eine Weile an Hügelchen und Perlchen herumgespielt hatte, war der Schmerz weg und die Lust da. Ulli rutschte auf den Teppich, küsste mich erst auf den Mund, raunte mir liebevoll zu: »In der Regel haben die Wikinger rote Bärte«, zog mir mein Höschen aus und küsste mich dann in südlicheren Regionen. Mein letzter Gedanke war, dass Ulli glücklicherweise keinen roten Bart zu befürchten habe, da ich ja gut verstöpselt war. Dann genoss ich nur noch die Gefühle, die er in mir hervorrief. Muss ich erwähnen, dass das Feuerwerk in der Tat viel schöner war als jedes andere Schmerzmittelchen je sein kann??

Nach ausgiebigem Pettingspiel und oralen Freuden, die auch ich ihm angedeihen ließ, konnte von Regelbeschwerden keine Rede mehr sein. Außerdem fühlten wir uns wieder in unsere früheste Jugendzeit zurück versetzt und genossen all die Aufregungen, die Münder und Hände hervorrufen können.

Später wagten wir uns auch noch mal an die richtige Verschmelzung heran, doch die war nicht die blanke Freude. Seitdem genießen wir in den Zeiten der Regel die vielen Spielarten der Liebe, die außer der Penetration bleiben ? langsam, sacht und sehr ausführlich. Und sind beide dabei sehr glücklich: Ulli, weil er schon immer ein Blowjob-Fan war und ich, weil ich das beste Gegenmittel gegen klimmziehende Männchen und ähnliche Schmerzattacken gefunden habe. Denn ich versichere Ihnen: es funktioniert.

Natürlich gibt es auch Liebende, die kein Problem damit haben, dass das Bett nach dem Sex in Zeiten der Regel aussieht wie der Schauplatz eines Kettensägenmassakers. Und es gibt Frauen, die harmlose 3 Tage lang mal ein bisschen bluten, dabei aber keinen Schmerz verspüren und mit ihrem Geliebten schlafen können wie sonst auch. Und es gibt Männer, die sich an den speziellen Tagen ihrer Frauen freiwillig in Abstinenz begeben, weil ihnen schon allein der Gedanke an Blutfluss Übelkeit beschert ? auch wenn sie damit gar nicht weiter konfrontiert werden.

Doch allen anderen kann ich die Rückkehr in die Praktiken der Jugendzeit nur empfehlen. Man entdeckt nicht nur deren Freuden ganz neu, man fühlt sich auch wieder jung.

Also, all ihr menstruationsgeplagte Frauen: Wäre doch jammerschade, wenn allmonatlich Schmerz und Abstinenz angesagt wären, oder? Also erwähnt doch mal, dass ihr gelesen habt, ein gepflegter Orgasmus sei das wirkungsvollste Gegenmittel gegen Regelbeschwerden. Und dann greift euch eure Liebsten und zeigt ihnen, was selbst in diesen Tagen noch so alles möglich ist!

In freudiger Erwartung auf Ihre Meinungen und Abenteuer verbleibt bis zur nächsten Woche

Ihre Hannah Garbaty

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