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Bericht über Privatleben: Rüder Tritt in Söders Unterleib

Die Schlammschlacht in der CSU geht in eine neue Runde: Nach Horst Seehofer steht nun Markus Söder am Pranger: Die "Bunte" berichtet über die uneheliche Tochter des Generalsekretärs. Eine Enthüllung à la Seehofer ist das nicht, politische Bedeutung im CSU-Machtkampf hat die Geschichte dennoch.

Von Hans Peter Schütz

Im internen CSU-Machtkrieg unterhalb der Gürtellinie ist jetzt fast erwartungsgemäß eine neue Frontlinie eröffnet worden. Die "Bunte" titelt in ihrer jüngsten Ausgabe, die am Donnerstag erscheint: "Markus Söder - Der CSU-Politiker und seine zwei Familien." Und blätterte dann über vier Seiten hinweg im nicht ganz mustergültig geordneten Familienleben des CSU-Generalsekretärs.

"Das Gerede der CSU ist unerträglich"

Aufgewärmt wird dabei, was in der CSU längst bekannt, aber bisher so markant nicht öffentlich thematisiert worden ist: Auch das Familienleben Söders weist Brüche auf, die nicht jenen Moralvorstellungen entsprechen, die offiziell in der CSU ganz hoch gehalten werden. Er ist Vater der achtjährigen unehelichen Tochter Gloria Sophie - dem Vater sei sie "wie aus dem Gesicht geschnitten", berichtet die Illustrierte. Ihre Mutter ist demnach Ulrike B., eine Medienkauffrau und CSU-Wählerin aus Nürnberg, wo auch Söder zu Hause ist.

Ulrike B. ist laut Darstellung der "Bunten" sauer, allerdings weniger auf Söder als auf die CSU: "Das ganze Gerede der CSU über ihre Familien- und Kinderpolitik ist unerträglich." Die Partei kümmere sich doch nur um verheiratete Haus- und Karrierefrauen. "Alleinerziehende Mütter, die für ihre Existenz arbeiten müssen, existieren für die CSU gar nicht." Söder, so Ulrike B. gegenüber der "Bunten", habe dank seiner Tochter sogar Steuervorteile. "Gloria steht zur Hälfte mit auf Markus' Steuerkarte. Das ist gesetzlich so vorgeschrieben", sagte sie der Illustrierten.

Liebe im Sonnenstudio

Verheiratet ist Söder nicht mit Ulrike B., sondern mit Karin Baummüller-Söder, derzeit hochschwanger mit ihrem dritten Kind. Ulrike B. hatte Söder im Sommer 1991 in einem Sonnenstudio kennen gelernt. Söder sei ins Studio gekommen, wo sie gerade gejobbt habe, und habe sofort nach ihrer Telefonnummer verlangt. Ein festes Paar seien sie allerdings nie gewesen, berichtet Ulrike B. weiter. Als sie Söder von der Schwangerschaft erzählt habe, sei der sofort auf Distanz zu ihr gegangen. Er habe ihr erklärt, dass er sie auf keinen Fall heiraten werde. "Ich glaube, ich war ihm wohl zu arm", sagte Ulrike B. der "Bunten". Im Dezember 1998 hat sie Gloria zur Welt gebracht, im Dezember 1999 hat Söder dann standesamtlich Karin Baummüller geheiratet.

Eine Revanche der Seehofer-Anhänger?

Dass das an sich bekannte Privatleben Söders, der parteiintern als Charmeur gilt, gerade jetzt publizistisch hochgezogen wird, ist natürlich kein Zufall. Zwar ist der Nachrichtenwert der Geschichte gering, und sie hat bei weitem nicht die politisch-moralische Sprengkraft der "Bild"-Berichterstattung über den Ehebruch von Verbraucherschutzminister Horst Seehofer.

Dennoch ist es kein positives Bild, das die Illustrierte von Söder zeichnet. In einigen Passagen des"Bunte"-Berichts wird er als jemand dargestellt, der ein uneheliches Kind in die Welt setzt und sich pflichtbewußt aber mit nur geringem Interesse darum kümmert. Deshalb gehen Kenner der CSU-Interna davon aus, dass es sich um eine Revanche derjenigen handelt, die Seehofer zu Unrecht an den Pranger gestellt sehen. Söder selbst wollte sich auf Anfrage von stern.de nicht zu dem Bericht der "Bunten" äußern.

Dass Seehofers mehrjährige außereheliche Liaison dieses Jahr überhaupt öffentlich wurde, steht in engem Zusammenhang mit dem Machtkampf um die Nachfolge von Edmund Stoiber als CSU-Vorsitzender. CSU-intern wird Söder verdächtigt, Seehofer über die "Bild"-Zeitung geoutet zu haben, um dessen Chancen zu schmälern, CSU-Chef anstelle von Ernst Huber zu werden. Beweise für diese These gibt es bisher nicht. Aber als absolut sicher gilt, dass Söder unter einem CSU-Vorsitzenden Seehofer nicht die geringste Chance hätte, erneut Generalsekretär zu werden.

Krieg unterhalb der Gürtellinie

Ob er unter dem künftigen bayerischen Ministerpräsidenten Beckstein mit einem Ministerposten entschädigt wird, gilt als fraglich. Söder hat in der CSU-Landtagsfraktion einerseits zahlreiche Gegner, andererseits ist er untern den jüngeren CSU-Politikern eines der wenigen politischen Schwergewichte. Auch in der Berliner CSU-Landesgruppe genießt Söder wenig Sympathie, der CSU-Landesgruppenvorsitzende Peter Ramsauer ist ein ausgewiesener Söder-Gegner.

In der CSU-Führung werden die "neuen" Enthüllungen, die intern natürlich längst bekannt sind, mit Entsetzen gesehen. Der Krieg unterhalb der Gürtellinie nehme immer unappetitlichere Formen an, die die CSU insgesamt beschädigten, heißt es. Insider weisen darauf hin, dass es in der Partei auch in noch weiteren Fällen "sehr menschele." Wenn jetzt ein Kampf jeder gegen jeden auf diesem Niveau ausgetragen, würden die Wahlchancen der CSU bei den bevorstehenden Kommunalwahlen und der Landtagswahl im Jahr 2008 erheblich beschädigt. Schon gewinnt der Gedanke innerparteilich an Boden, es sei wohl am besten, wenn Stoiber über den angekündigten Rücktrittstermin im September hinaus in Amt und Würden bleibe.