HOME

The Feminist Calendar: Stark, sexy - Feministin

Andrea Mary Marshall ist schön, stark und nackt. Sie inszeniert die Klischees des Pirelli-Kalenders als Fest ihrer selbstbewussten Weiblichkeit.

Januar

Januar

Der Pirelli-Kalendar ist eine Institution. Die besten Fotografen und die schönsten Models schaffen Träume. Aber man kann auch sagen: Sie schaffen Männerträume - Stereotypen der Sinnlichkeit und Weiblichkeit. Diese Institution des männlichen Blicks auf den weiblichen Körper hat ausgerechnet die bekennende Feministin Andrea Mary Marshall  herausgefordert, die altbekannten Muster und Schönheitsideale für sich neu zu interpretieren. Herausgekommen ist ihre feministische Variation der Pirelli-Erotik.

Februar

Februar

Die Bilder sind atemberaubend, weil Marshall eben nicht mit feministischem Furor die alten Muster nur lächerlich macht, sondern sie mit ihrer eigenen Erotik erobert, mit ihrer Präsenz füllt und trotz der Ähnlichkeit der Posen im Ausdruck vollkommen umkrempelt. Sie sagt: "Meine Absicht ist es, einen 3-dimensionalen Blick der Weiblichkeit zu schaffen. Natürlich sollten weibliche Körper angebetet und gefeiert werden. Aber der Körper sollte nicht das einzige sein, was man an Frauen feiern kann."

Alle 24 Bilder des Kalenders zeigen die Fotografin selbst. Und sie entdeckt sich in den Bildern selbst neu. Einige bauen auf den Klischees des Kalenders auf, aber sie verändern ihn vollkommen. Etwa wenn Marshall mit gespreizten Beinen auf dem Asphalt kauert - soweit 100 Prozent Pirelli-konform - und auf den Boden uriniert - undenkbar im Pirelli-Universum. "Im Allgemeinen fühle ich in mir diese beiden Seiten. An manchen Tagen fühle ich mehr die eine Seite, an anderen Tagen die andere Seite. Aber das war Teil in diesem Projekt - zu entdecken, wie ich als Frau eine andere Gestalt annehmen kann."

Jedem Nacktfoto steht ein Bild mit der angezogenen Fotografin gegenüber. "Die sagen doch immer noch du bist schön und ein Model, du kannst dich ausziehen. Aber wenn du klug bist und Einfluss hast, dann solltest du deine Sachen anbehalten. Dabei gibt es eine Menge intelligenter Frauen, die sexy sind und die auch als sexuelle Wesen wahrgenommen werden." Damit schaltet sich Marschall in eine aktuelle US-Diskussion ein. Immer mehr Frauen begehren dagegen auf, dass die Gesellschaft ihnen Vorschriften macht, was akzeptables Aussehen angeht und  was häufig heißt, die weibliche Sexualität entweder unter Sweatshirts oder Kostümen zu verbergen.

November

November

Angezogen oder nackt - Marshall wirkt erotisch und seriös. "Mein Blick ist komplexer: es muss nicht so eine entweder-oder-Entscheidung sein. Überhaupt ist es nicht so eine binäre entweder-oder-Sache, eine Frau zu sein." In jedem Bild inszeniert sich Marshall mit der kompletten Kontrolle über sich und ihren eigenem Körper du keineswegs liefert sie sich einem fremden Blick aus. Es sind nur Nuancen, doch sie machen aus einem Erotik-Kätzchen eine sexuelle Tigerin. Und eins wird auf jedem Bild klar: Andrea Mary Marshall ist keine hilflose Schönheit, die auf einen starken Arm wartet, stark ist sie schon selbst.

Eine selbstbewusste Frau zeigt sich in ihrer Sexualität.

Themen in diesem Artikel