AUSSTELLUNG Ingolstädter Künstler auf der Biennale

Unter dem Motto »Plattform der Menschheit« startet am 9. Juni die Biennale in Venedig. Mit dabei ist der gebürtige El Salvadorianer René Chacón.

»Ich habe das Glück, dass die Sachen, die ich mache, den Leuten gefallen.« René Chacón liebt das große Format und kräftige Farben. Der Künstler stammt aus El Salvador und lebt seit 18 Jahren im oberbayerischen Ingolstadt. Zum dritten Mal wird er bei der Biennale in Venedig vertreten sein. Gemeinsam mit einem zweiten Künstler aus El Salvador wurde er eingeladen, sein Heimatland mit zwei großformatigen Werken zu repräsentieren: »Herz des Himmels« und »Herz der Erde«.

Die Biennale, nach der documenta in Kassel die weltweit zweitgrößte Ausstellung für zeitgenössische Kunst, startet am 9. Juni und steht unter dem Motto »Plattform der Menschheit«. Chacón hat sich dazu seine eigenen Gedanken gemacht. »Ich betrachte die ganze Erde als Bühne, auf der die Menschen spielen«, sagt der 40-Jährige. Dabei entstehen Konflikte, die er in seinen Werken darstellen möchte. »Herz der Erde« symbolisiert die Verletzlichkeit des Planeten.

»Wir bräuchten mehr Sensibilisierung, um die Erde als das größte Kunstwerk zu sehen.« Das vier Meter breite und zwei Meter hohe Gemälde »Herz des Himmels« dagegen steht für die Präsenz höherer Wesen und soll eine beruhigende, versöhnliche Wirkung ausstrahlen. »Ich bin immer offen für neue Ausdrucksmöglichkeiten.« Musik machen, Gedichte schreiben - auch das gehört zur Bandbreite des Künstlers. Wenn man ihm genügend Freiraum lässt, gestaltet Chacón auch Konferenzräume von Firmen oder die Eingangshalle eines Hotels.

In seiner Heimat begann Chacón als 15-Jähriger damit, gemeinsam mit seiner Schwester und einem Schwager mit Kunsthandwerk Geld zu verdienen. Er wurde Mitbegründer einer Kooperative, die schließlich über 5000 Mitarbeiter hatte. Mit 17 Jahren suchte er einen eigenen Stil. »Ich habe nie gedacht: Ich werde Künstler«, beschreibt er seinen Lebensweg. »Plötzlich war ich mittendrin.« Seine Bilder kamen an. Ausstellungen ebneten den Weg zu Stipendien. Fortbildungen in Ecuador, Kunststudium in Florenz, Studienreisen durch Südamerika gehören zu den internationalen Etappen des Künstlers. In Ingolstadt gründete er gemeinsam mit seiner Frau Beatrix die Kunstschule »Kunst in Bewegung«.

Venedig sieht Chacón als Chance, sich mit anderen Künstlern auseinander zu setzen und den eigenen Standpunkt zu überprüfen. »Mich interessiert, was das internationale Publikum über meine Arbeiten denkt.« Denn bei der Entstehung eines Bildes gehe es ihm ausschließlich darum, eigene Empfindungen auszudrücken. Über die Wirkung des Ergebnisses könne er nur spekulieren. »Ich weiß nicht, ob das die Leute interessiert oder nicht.« Umso wichtiger sei die Beteiligung an internationalen Ausstellungen. »Man wird dadurch offener und gelassener.«

Nach dem Besuch der Biennale wird Chacón eine eigene Ausstellung in Ingolstadt vorbereiten. Dort werden neben den Werken, die er bei seinen drei Auftritten in Venedig zeigte, auch Bilder der Reihe »Leben in Grün« zu sehen sein. Bei dieser Bilderserie wurden Eindrücke aus dem Regenwald verarbeitet. Seine Pläne für die Zukunft? »Ich will mich noch mehr mit Kunst auseinander setzen, um mehr Tiefe zu erlangen«, sagt der 40-Jährige. »Es gibt immer etwas, was man noch besser machen könnte.«

Margit Auer, dpa

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