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Pionier der modernen Kunst: Künstler Karl Otto Götz gestorben

Ausladende Pinselstriche und kraftvolle Farben machten Karl Otto Götz berühmt. Als Lehrer nahm der gebürtige Aachener sich zurück - und brachte weltberühmte Künstler hervor. Nun ist Götz im Alter von 103 Jahren gestorben.

Karl Otto Götz sitzt mit verschrenkten Armen vor einem seiner Gemälde in Niederbreitbach-Wolfenacker

Zu seinem 100. Geburtstag wurde Karl Otto Götz mit zahlreichen Ausstellungen in Deutschland geehrt

Er war einer der großen deutschen Meister der Nachkriegskunst, seine kraftvollen und abstrakten Werke gelten als Wegbereiter der modernen Kunst in Deutschland. Das Leben des Karl Otto Götz spiegelt die von Brüchen und Revolutionen geprägte Geschichte der letzten 100 Jahre wieder - und so auch seine Kunst. 

In seiner Wahlheimat in Niederbreitbach-Wolfenacker starb Götz am Samstag im Alter von 103 Jahren. Bis kurz vor seinem Tod malte der Künstler, den alle nur K.O. Götz nennen, noch mit Hilfe seiner Ehefrau Rissa.

Karl Otto Götz: "Abstrakt ist schöner"

Grundprinzipien der Technik von K.O. Götz waren das schnelle Malen und die Rakeltechnik. Berühmt wurde er mit großformatigen gestischen Schwarz-Weiß-Kompositionen. In ihrer Energie erinnern Götz' abstrakte Bilder an die Explosion von Materie. "Abstrakt ist schöner" - so lautete das künstlerische Lebensmotto des Biennale- und documenta-Teilnehmers, dessen stilistische Anfänge nah bei den Surrealisten und Miró lagen.

Die späteren Bilder von Götz mit ihren dynamischen gelben, blauen oder roten Farbströmen, Wirbeln und Schlieren wirkten dagegen wie "aufgepeitschter Raum", so formulierte es sein Freund Edouard Jaguer schon 1954.

Malverbot im Nationalsozialismus

Nicht alles überließ Götz dabei dem Zufall. Erst entwarf er das Bild akribisch vor seinem inneren Auge oder mit Skizzen, dann grundierte er die Leinwand mit Kleister und goss Farbe darauf. In Sekundenschnelle zog er dann einen Rakel darüber - einen Schaber, wie ihn Handwerker benutzen. Schließlich übermalte Götz noch mit einem trockenen Pinsel das Gemalte. "Meine Malerei lebt vom Rhythmus meiner Pinselzüge und Rakelschläge", sagte Götz einmal. Wie die amerikanischen Künstler des "Action Painting" bearbeitete er die Leinwand auf dem Boden.

Geboren wurde K.O. Götz am 22. Februar 1914 in Aachen, noch vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Unter den Nazis hatte Götz wegen seiner Vorliebe für Abstraktes Malverbot. Er war befreundet mit Hans Arp und Otto Dix, dem er mal Jazz-Schallplatten ins Atelier gebracht habe, erzählte er.

Seine berühmten Schüler

Nach dem Zweiten Weltkrieg machte K.O. Götz die deutsche Kunst mit seiner abstrakten Malerei wieder international hoffähig. Er war als einziger Deutscher Mitglied der internationalen Künstlergruppe CoBrA. Von 1959 bis 1979 lehrte Götz als Professor an der Kunstakademie Düsseldorf. Seine Schüler Gerhard Richter und Sigmar Polke wurden weltberühmt. Götz setzte sich auch für Joseph Beuys ein. Als Akademieprofessor ließ Götz seinen Schülern immer freien Lauf. Der Künstler Götz liebte die große Geste, als Lehrer nahm er sich zurück.

Bekannt ist Götz' monumentale Serie "Jonction III", die er als Reaktion auf den Tag der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 malte und die heute zur Kunst des Bundestags gehört. Zahlreiche Museen in Deutschland ehrten den Mitbegründer der Informel-Bewegung zu seinem 100. Geburtstag 2014 mit Ausstellungen. Eine besondere Ehre wurde K.O. Götz mit einer großen Schau in der Neuen Nationalgalerie in Berlin zuteil. Fast schien es, als sei K.O. Götz erst zu seinem 100. Geburtstag wiederentdeckt worden.

Karl Otto Götz schrieb auch Gedichte

Viele Jahre lebte Götz mit seiner Frau Rissa (79), die ebenfalls Künstlerin ist, im Örtchen Niederbreitbach-Wolfenacker im Westerwald. Sein Augenlicht hatte ihn langsam verlassen, zuletzt war er ganz blind und malte dennoch mit Hilfe von Rissa weiter.

Zum umfangreichen Werk von K.O. Götz gehören nicht nur Gemälde, sondern auch Stahlreliefs, Holz- und Linolschnittarbeiten sowie Werke aus Terrakotta und Keramik. Außerdem schrieb Götz auch Gedichte. Eines endet mit den Versen: "Lasst mich in Ruhe malen. Vorsicht, das Bild ist nass."

sve / DPA
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