ZDF.reportage: Rentnerglück Türkei
Lebensabend zwischen Traum und Selbsttäuschung unter Palmen

  • von Rupert Sommer
Neue Heimat in Meeresnähe: Petra und Herbert aus Dresden haben ihren Lebensmittelpunkt nach Alanya in der Türkei verlagert.
Neue Heimat in Meeresnähe: Petra und Herbert aus Dresden haben ihren Lebensmittelpunkt nach Alanya in der Türkei verlagert.
© ZDF/Enrico Demurray

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Man spricht oft Deutsch in beliebten Touristenzentren wie Alanya an der türkischen Riviera: Das ZDF-Reporterteam besucht dort im sonnigen Süden Senioren, die einen vermeintlich unbeschwerten Lebensabend genießen wollen.

Mit dem Beitrag "ZDF.reportage: Rentnerglück Türkei" blickt das ZDF auf ein Lebensmodell, das für nicht wenige deutsche Ruheständler attraktiv erscheint: den Lebensabend unter südlicher Sonne zu verbringen. Die Dokumentation begleitet Auswanderer an die türkische Riviera und zeigt, wie sich Alltag, Chancen und Herausforderungen zwischen Sehnsucht und Realität gestalten. Ein Ort fernab aller Krisen ist es nicht.

Im Fokus steht vor allem die Region rund um Alanya, die sich zu einem beliebten Ziel für deutsche Rentner entwickelt hat. Tausende leben hier dauerhaft oder pendeln regelmäßig zwischen Deutschland und der Türkei. Ausschlaggebend sind vor allem das milde Klima, die Nähe zum Meer und vergleichsweise niedrige Lebenshaltungskosten, auch wenn sich diese zuletzt deutlich verändert haben. Die Inflation treibt die Preise hoch.

"Ich bekomme meine Rente in Euro, aber für die Türken ist es schon ziemlich happig"

Die Reportage zeichnet das Leben vor Ort anhand konkreter Geschichten nach. Herbert und Petra etwa haben ihre Existenz in Deutschland komplett aufgegeben und sich in Alanya neu eingerichtet. Früher betrieben sie eine Tanzschule in Dresden, heute genießen sie ihren Alltag am Mittelmeer. Beim monatlichen Tanznachmittag des Stammtischs "Alanya Treff Germany" treffen sie Gleichgesinnte. "Zu Hause in Deutschland hätten wir wohl nicht so einen Anschluss. In der Fremde sucht man ihn sich."

Die Gemeinschaft vor Ort spielt für viele eine zentrale Rolle. Kontakte entstehen häufig schneller als in der alten Heimat, gleichzeitig bleibt der Alltag vor Ort stark von deutschen Strukturen geprägt. Sprachbarrieren sind für viele weniger ein Problem, da zahlreiche Einheimische Deutsch sprechen, nicht zuletzt weil sie selbst früher der Arbeit wegen einige Zeit in Deutschland verbracht hatten.

Doch die ZDF-Reportage zeigt auch die Schattenseiten des vermeintlichen Ruhestandsparadieses. Die wirtschaftliche Entwicklung in der Türkei macht sich zunehmend bemerkbar. Preise steigen spürbar. Heidi, die seit mehreren Jahren vor Ort lebt, sieht die Situation differenziert: "Ich komme damit klar. Ich bekomme meine Rente in Euro, aber für die Türken ist es schon ziemlich happig."

Auch rechtliche und persönliche Fragen spielen eine Rolle. Viele Rentner pendeln zwischen beiden Ländern, um bürokratische Hürden wie offizielle Aufenthaltsgenehmigungen zu umgehen, Sozialleistungen in Deutschland abzusichern oder familiäre Bindungen aufrechtzuerhalten. Sabine und Klaus etwa leben im Wechsel in Deutschland und der Türkei und stehen vor der Entscheidung, ob sie endgültig auswandern sollen.

Die "ZDF.reportage" macht deutlich, dass das Leben im Ausland im Alter nicht nur von Leichtigkeit geprägt ist. Es stellt auch hohe Anforderungen an Anpassungsfähigkeit und erfordert eine Offenheit, zu der nicht alle Senioren bereit sind. Hinzu kommt natürlich die Frage, wie authentisch ein Alltag wirklich ablaufen kann, wenn man der Landessprache nicht mächtig ist.

ZDF.reportage: Rentnerglück Türkei – Sa. 06.06. – ZDF: 17.35 Uhr

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