Wenn der Abenteurer und Polarforscher Arved Fuchs, jetzt 73, von seinen Expeditionen zum Nord- oder Südpol erzählt, von seiner Umrundung des amerikanischen Kontinents per Segelschiff mit kleiner Crew, dann wird es naturgemäß nie langweilig. Dass er sich inzwischen vermehrt auf seine (freiwillige) Tätigkeit als Umweltforscher verlegt hat, der den Rückgang der Eisschicht an den Polen und die steigenden Temperaturen der Ozeane misst, kommt dabei fast ein wenig zu kurz. Im aufregend bebilderten NDR-Film von Heiko De Groot hat der Abenteurer das Wort.
Die Rekorde, auf die Fuchs sicher früher auch mal gepocht hat, sind ihm heute eher irgendwie peinlich. Das mit der Begehung des Nord- und des Südpols innerhalb eines Jahres sei "eher dem Zufall geschuldet", so sagt er. Es kam ihm darauf an, "Neuland zu entdecken". Schon als Kind faszinierten ihn die großen Entdecker, und so tat er es ihnen aufs Neue gleich. Mit viel erzählerischem Talent gibt er subjektive Erfahrungen preis: Kältegrade, wie etwa in Sibirien bei der Durchquerung der Nordostpassage, sind dann eben eine Herausforderung, der man sich anpassen muss. "Ich wollte die Komfortzone verlassen, ich wollte diese Unmittelbarkeit haben", sagt er im Film mit dem Titel "Wenn das Eis ruft – Der Abenteurer Arved Fuchs" dazu.
Zu Fuß zu den Polen, die Durchquerung der Arktis auf Skiern, der Kampf durch das Eis der Nordostpassage, fordern Bewunderung heraus. Doch bei aller Selbstdarstellung zeichnet den seebärenhaften Mann mit dem grauen Vollbart auch eine gewisse Bescheidenheit aus. "Mein Name ist Arved Fuchs", so stellt er sich artig vor, "und ich unternehme Expeditionen seit vielen Jahren". Erst kamen Eis und Schnee, wie bei Fridjof Nansen, dann kam der Traum von der ewigen See hinzu. Schon als Kind träumte er von Polarforschern und Schlittenhunden. Den Cocker Spaniel der Familie wollte er zum Schlittenhund trainieren, wie die Schwester im Film erzählt.
Das alles wird allerdings von der Windjammer-Romatik des 1988 erworbenen dänischen Fischkutters mit dem etwas sperrigen Namen Dagmar Aeen übertroffen. Den ließ Fuchs nach dem Erwerb für das Antarktis-Eis tauglich machen. Wenn zu den hochschießenden Wogen beim Sonnenuntergang auch noch der Santiano-Leadsänger Björn Both seinen Fernwehbass erklingen lässt, wird auch im Zuschauer endgültig die Abenteuerlust geweckt. Gut, dass da die Schwester rechtzeitig eine Lanze für die Frauen als gleichfalls talentierte Entdeckerinnen bricht. Arveds Frau Brigitte ist auf dem engen Segelschiff jedenfalls eine unverzichtbare Kraft.
Rekorde interessieren ihn nicht mehr
Wer zählt die Inseln, nennt die Namen, die es zu entdecken gilt. Illustre Namen wie Elephant Island oder Sable Island tragen sie, und es wäre durchaus empfehlenswert, es dem Erzähler gleichzutun, der als Kind einen Atlas neben sich liegen hatte. Doch die Zeiten haben sich geändert in all den Jahrzehnten. Manche der Expeditionen wären heute gar nicht mehr möglich. So ist es nicht verwunderlich, wenn Fuchs jetzt sagt: "Rekorde interessieren mich heute überhaupt nicht mehr."
Arved Fuchs ist mit seiner Crew zum Naturbeobachter geworden, er misst heute als ehrenamtlicher UNO-Botschafter die Veränderung des Eises, der Meere und des CO2-Pegels. Aber die alten Abenteuer, die Stürme südlich von Kap Hoorn, sie bleiben – nicht zuletzt dank der jahrzehntelangen multimedialen Präsenz des Abenteurers – als Autor, Filmer, Podcaster und noch mehr.
Wenn das Eis ruft – Der Abenteurer Arved Fuchs – Do. 04.06. – ARTE: 20.15 Uhr