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Horst Faas: Er gab dem Krieg ein Gesicht

Gepeinigte Zivilisten, verbrauchte Soldaten, Leid, Wahnsinn - und dazwischen Horst Faas. Der AP-Fotograf prägte mit seinen Kriegsbildern den modernen Fotojournalismus wie kaum ein anderer.

Viel hat sich seit dem Vietnam-Krieg in der Kriegsberichterstattung getan. Während der erste Angriff auf Bagdad im Jahre 2003 in Echtzeit am Fernsehen mitverfolgt werden konnte, sorgte 1972 ein Foto von Nick Ut bei der Agentur Associated Press für reichlich Gesprächsstoff: Das Mädchen Phan Kim Phuc war von Napalmbomben verätzt worden, ihr entsetzter Gesichtsausdruck erinnert an den "Schrei" von Edvard Munch. An der Veröffentlichung dieses mit dem Pulitzerpreis ausgezeichneten Kriegsdokuments hatte der deutsche Fotograf Horst Faas maßgeblichen Anteil: Er überzeugte Hal Buell, den damaligen Chef der AP-Redaktion in New York, das Foto freizugeben.

Auch heute noch setzt sich Horst Faas für die Arbeit seiner Kollegen ein. Eine aktuelle Ausstellung, die noch bis zum 1. November in Nürnberg zu sehen ist, zeigt unter dem Titel "Requiem" neben seinen Kriegsfotos aus dem Vietnam auch viele Aufnahmen von Reportern, die dort ums Leben kamen.

Von Vietkong-Soldaten in Hinterhalt gelockt

Ihm wäre beinahe dasselbe Schicksal zuteil geworden. 1962 führten Vietkong-Soldaten ihn zusammen mit amerikanischen Soldaten in einen Hinterhalt, er wurde von Granatsplittern an den Beinen getroffen und entging einer Amputation nur knapp. Den heißen Posten an der Kriegsfront wollte Faas dennoch nicht gegen einen bequemen Redakteursstuhl eintauschen und arbeitete weiter getreu seiner Überzeugung: "Der Krieg ist grausam und es ist unsere Aufgabe, den Krieg mit all seinen Leiden zu zeigen." Dafür wurde Faas zwei Mal mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet: 1965 für seine Berichterstattung aus dem Vietnam und 1972 zusammen mit Michel Laurent für Aufnahmen von der Hinrichtung Gefangener in Bangladesh.

Die moderne Fotografie hat Horst Faas entscheidend mitgeprägt. So nahm er die Entwicklung der letzten Zeit zum Leserreporter vorweg, als er in seinen ersten Vietnam-Jahren kostenlos Foto-Filme an Bewohner des Landes verteilte in der Überzeugung, dass dies zu einer wesentlich unmittelbareren Berichterstattung führen würde. Seit 1976 trieb er außerdem die Einführung digitaler Foto-Technik bei AP voran.

Den größten Fan fand Horst Faas in seiner Mutter. Sie sammelte in München alle Fotos, Zeitungsausschnitte und Briefe von ihrem Sohn, die den Grundstock der Ausstellung "Visible War" bilden.

Andreas Klatt