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Inszenierungen mit Promi-Doubles Meghan zieht Kate an den Haaren – Fotografin Alison Jackson über ihre "Fake Truth"-Serie

Zwei Doubles von Prinzessin Kate und Herzogin Meghan raufen sich
Fotografin Alison Jackson arbeitet mit Doubles und stellt sich in diesem Bild vor, wie eine Rauferei zwischen Prinzessin Kate und Herzogin Meghan aussehen könnte
© Alison Jackson
Alison Jackson zeigt Prominente in ungewöhnlichen, teils alltäglichen, teils verstörenden Posen. Sie arbeitet dafür mit Doubles. Jetzt wird ihre "Fake Truth"-Serie in der Schweiz gezeigt. Mit dem stern hat die Fotografin über die Wirkung ihrer Bilder gesprochen.

Bereits in den 1990ern sorgte die Fotografin Alison Jackson für Aufruhr. 1998 setzte sie ein Double, das Lady Diana zum Verwechseln ähnlich sah, mit Mittelfinger in Szene. Auch die Queen, Trump und die Kardashians präsentierte die renommierte britische Fotografin, mit Jahrgang 1960 und einem Abschluss am Royal College of Art, auf diese Art und Weise in ungewöhnlichen, teils alltäglichen, teils verstörenden Posen. "Fake Truth", "gefälschte Wahrheit", heißt die Serie, die schon vielfach ausgestellt wurde. Aktuell und noch bis 19. Februar im Haus der Fotografie in Olten in der Schweiz. Der stern hat mit Jackson über diese täuschend echten Bilder gesprochen. 

Die Fotografin Alison Jackson trägt Sonnenbrille und stützt sich lässig an einer Wand ab
Die Fotografin und Videokünstlerin Alison Jackson
© Francesco Guidicini

Frau Jackson, welche Reaktionen auf Ihre Bilder überraschen Sie? 
Ich werde häufig gefragt: Wie hast du es in das Badezimmer von William und Kate geschafft? Ich bin immer wieder überrascht, dass die Menschen tatsächlich denken, diese Bilder wären echt. 

Dabei arbeiten Sie mit Doubles.
Genau. Aber selbst in einer Radiosendung wurden meine Fotos einmal als echt besprochen und kritisiert. Das finde ich bedenklich. Gerade Journalisten müssen sehr sorgfältig sein im Umgang mit Bildern. Fotografie ist ein trügerisches Medium, das trügerischste von allen. Darauf weise ich auch junge Fotografie-Studenten immer wieder hin. 

Was raten Sie diesen angehenden Fotografinnen und Fotografen? 
Wahrscheinlich ist mein wichtigster Ratschlag, Fragen zu stellen. Traut nicht dem, was ihr seht! Versucht, Fragen aufzuwerfen!  

Ist Ihre "Fake Truth"-Serie, diese "gefälschte Wahrheit", aber nicht auch heikel, gerade weil so viele manipulierte Bilder kursieren? 
Es handelt sich bei diesen Bildern um Kunst. Ich finde es wichtig, über die Bedeutung von Wahrheit und Echtheit nachzudenken. Die Fotos handeln nicht von den Prominenten, die ich zeige, sondern von den Betrachtern. Welche Szenen stellen sie sich vor? Glauben sie, was sie da sehen? 

Auf mehreren Fotos stellen Sie sich Queen Elizabeth II. in ganz alltäglichen Situationen vor: auf der Toilette oder beim Selfie mit der Familie. Hat der Tod der Queen Ihren Blick auf diese intimen Bilder verändert? 
Für mich sind sie Teil der Erinnerung an die Queen. Die Queen war ein großes Vorbild – was ihren Arbeitsethos angeht und dass sie Persönliches aus der Öffentlichkeit herausgehalten hat. Wir werden uns an sie als eine Ikone erinnern. Bei König Charles III. ist das anders. 

Aus dem Privat- und Eheleben des neuen Königs ist sehr viel bekannt und nicht nur Schmeichelhaftes. 
Ja, er ist in dieser Hinsicht das Gegenteil seiner Mutter. Prinz William wiederum steht in der Tradition der Queen. Er hat gelernt, dass es besser sein kann, den Mund zu halten. Dann haben Worte auch mehr Wirkung. Wir haben das während der Corona-Pandemie erlebt, als sich die Queen sehr eindrücklich in einer Ansprache an die Bevölkerung wandte. Das hatte Wirkung – eben weil sie so selten Persönliches teilte. 

Können wir auch in Zukunft mit weiteren Bildern dieser "gefälschten Wahrheit" rechnen? 
Ich werde nächstes Jahr in Düsseldorf ausstellen (vom 3. März bis 14. Mai, Anm. d. Red.) und denke darüber nach, dafür noch etwas Neues mit Spitzenpolitikern zu schaffen. 

Sie ist zwar nicht mehr im Amt, aber wie wäre es mit Angela Merkel?
Das könnte ich mir gut vorstellen. Sie ähnelt in gewisser Weise der Queen: Obwohl Merkel so viele Jahre lang Kanzlerin war, bleibt sie doch auch ein Rätsel. Über sie als Mensch wurde all die Jahre wenig bekannt. Und dann fängt man an, sich das auszumalen. 

Informationen zu den Ausstellungen von Alison Jackson in der Schweiz und in Deutschland:Haus der Fotografie OltenNRW-Forum Düsseldorf

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