Menschen in Uniform begegnen uns in vielen Fällen als Repräsentanten des Staates – als Ordnungsmacht, als Autorität. Polizisten, Soldaten, Richter, Staatsanwälte. Doch was passiert, wenn man hinter diese Fassade blickt?
Jan Kraus’ Serie „In Uniform“ setzt genau hier an: Der Fotograf untersucht das Spannungsfeld zwischen Bürger und Staat, zwischen Rolle und Person. Mehr als 28 Menschen aus Exekutive und Judikative hat Kraus bislang porträtiert, hat Gespräche geführt und dabei eine Erkenntnis gewonnen, die sich wie ein roter Faden durch seine Arbeit zieht: Die großen gesellschaftlichen Fragen unserer Zeit werden bereits in den Institutionen verhandelt, die wir oft nur abstrakt als „Staat“ begreifen.
Die Uniform und der Mensch darunter – wie geht das zusammen?
Migrationsgeschichten, Kriegserfahrungen, Geschlechtergerechtigkeit, Toleranz und deren Gegenteile – all das ist bereits Teil des Alltags von Polizei, Bundeswehr und Justiz. Die Uniform trennt zwar auf gewisse Weise Amt und Privatperson, verbirgt Individualität und demonstriert die Macht eines Staates, dem Respekt gezollt werden soll. Dennoch blitzt hinter ihr immer wieder der Mensch hervor – mit eigener Biografie, eigener Meinung und eigenen Zweifeln.
Die Porträtierten sind Eltern, Verheiratete, Singles. Christen, Musliminnen, Jüdinnen, Atheisten. Jung und alt. Hetero, queer, trans. Einige tragen die Spuren ihres Dienstes jeden Tag mit sich herum – psychische Belastungen, die sich nicht zusammen mit der Uniform ablegen lassen. Kraus’ Bilder stellen die Frage: Wie wollen wir zusammenleben, und wem vertrauen wir Macht an? „Ich glaube an Vernunft, an Dialog und an eine Gesellschaft, die Verantwortung teilt“, sagt der Fotograf selbst dazu. „Das versuche ich mit meiner Arbeit zu zeigen – und vielleicht auch ein bisschen Hoffnung zu machen.“
Kraus’ Bildband „In Uniform“ wurde für den Deutschen Friedenspreis für Fotografie nominiert und 2024 mit dem International Creative Media Award ausgezeichnet. Die Bilder waren bereits in verschiedenen europäischen Städten wie Sofia, Tbilisi und Ioannina zu sehen und sind ab dem 20. Juni 2026 im Studio Trouble in Berlin ausgestellt.