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stern-Fotografie: Bryan Adams

Eigentlich ist Bryan Adams seit Jahren Kanadas heißester Rock-Export. Doch nun hat er die Seiten gewechselt und betrachtet die Welt aus der Perspektive hinter der Kamera.

Von Jochen Siemens

Wo eine Gitarre ist, ist eine Kamera nicht weit - kaum zwei Gattungen der Kunst sind so eng miteinander verbunden wie Rockmusik und Fotografie. Denn anders als in der klassischen Musik, gibt die visuelle Seite des Rock'n'Roll immer auch Einblick in das wilde und oft zerstörerische Leben von Stars auf der Bühne. Keine andere Gattung erlaubt der Fotografie eine solche Nähe zum Protagonisten, zum Star. Und anders als in der kontrollierten Studiofotografie zeigt der Rockstar auf der Bühne seine Kunst als schreiende, schwitzende Schwerarbeit vor einem ekstatischen Publikum und liefert der Kamera nicht nur ein Abbild, sondern auch ein Lebensgefühl: Rockkonzerte sind fotografische Paradiese, weil sich - zumindest in den besten Momenten - Euphorie, Glück und Sehnsucht der Menschen auf der Bühne und davor gemeinsam austoben können.

Viele Fotografen haben ihr Handwerk vor und hinter Rockbühnen gelernt, Annie Leibovitz machte die ersten legendären Bilder der Rolling Stones; Astrid Kirchherr schuf mit ihren frühen Fotos der Beatles die erste visuelle Dokumentation der Band, und Anton Corbijn probierte auf holländischen Festivals die fotografische Technik aus, die heute sein Markenzeichen ist.

Mit Bryan Adams hat nun ein Star die Seite von vor der Kamera hinter die Kamera gewechselt. Adams, geboren 1959 in Kingston, Kanada, gehört zu den erfolgreichsten Protagonisten des Mainstream-Rock, mit "Summer of 69" und "Everything I Do I Do It For You" schaffte er weltweite Nummer-eins-Hits. Daneben gehört er zu den erfahrensten Tour-Musikern, selbst Kritiker seiner Musik sind von der Bühnenpräsenz und Live-Qualität des Kanadiers beeindruckt.

Erste Versuche als Profi-Fotograf machte der Autodidakt Anfang 2000 in der "Vogue" und anderen Zeitschriften. 2003 begann Adams zusammen mit dem Designer Calvin Klein ein Buchprojekt "American Women", für das er auf 128 Seiten Frauen wie Cindy Crawford, Lauren Hutton und Hillary Clinton vor die Kamera holte. Zur selben Zeit gründete Adams in Berlin die Zeitschrift "Zoo", ein Fotografie-Magazin, das er bis heute mit herausgibt.

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