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Beaujolais nouveau: Die Gläser schwingen verhalten

Den dritten Donnerstag im November haben sich Weinliebhaber dick im Kalender angestrichen. Der neue Beaujolais kommt in den Handel. Doch trotz probierfreudiger Anhänger in aller Welt stecken die französischen Winzer in der Krise.

Etliche französische Winzer sitzen verbittert und niedergedrückt in ihren Weinkellern. Die auftrumpfende Konkurrenz aus dem Ausland und die Tatsache, dass auch die eigenen Landsleute immer weniger Wein trinken, setzen den erfolgsverwöhnten Weinbauern arg zu.

Doch trotz der Unruhe und des Pessimismus heißt es jetzt wie an jedem dritten Donnerstag im November wieder: "Le Beaujolais nouveau est arrivé." Der junge Wein aus dem Bergland zwischen Loire und Saône findet traditionell nahezu weltweit probierfreudige Anhänger. Und in der Wein-Krise ist die werbewirksame Gepflogenheit dieses Stichtags für manche Beaujolais-Winzer inzwischen geradezu überlebenswichtig.

56 Millionen Flaschen weltweit

Zwölf mitternächtliche Kirchturmschläge geben seit mehr als einem halben Jahrhundert das Startzeichen. Dann erst darf der neue Wein aus den Gamay-Trauben des Beaujolais in den Bistros und Weinschenken der Welt geöffnet und gekostet werden - etwa 56 Millionen Flaschen oder 420.000 Hektoliter. Ein Aroma von Himbeeren und Johannisbeeren haben Kenner im Jahrgang 2004 schon ausgemacht. Andere jedoch blicken eher betrübt in ihre Bücher: Die Exporte des Beaujolais nouveau sind vom Volumen her im vergangenen Jahr um neun Prozent zurückgegangen, der Marktpreis pro Hektoliter schrumpfte jetzt um mindestens ein Fünftel.

"Angesichts der Marktlage herrscht wirklich Sorge unter den 3500 Winzern im Beaujolais, und wir tun alles, um den Erfolg beim jungen Wein zu halten", sagt der Branchenpräsident Ghislain de Longevialle. "Die Qualität heben", und zwar über Reformen, so lautet die in den Weinbergen jetzt ausgegebene Parole. Dazu gehören eine sorgfältigere Traubenauswahl ebenso wie ein Verbot minderwertiger Korken. Wegen der Absatzkrise wollen die Beaujolais-Winzer also eine Notbremse ziehen.

Wintzer sprechen von Krise

Jeder zweite französische Weinbauer spricht offen von einer Krise, neun von zehn Winzern sind pessimistisch. Nach den jüngsten Umfragen sieht damit gerade einmal jeder Zehnte keine dunklen Wolken über den Weinbergen. Elsass, Champagne und Burgund sind die Gebiete, in denen Winzer von Aufhellungen sprechen. Nach einer "von der Quantität wie von der Qualität her historischen Ernte 2004" scheint der Himmel für Champagner nach Branchenangaben vergleichsweise wolkenfrei zu sein.

Nicht zuletzt die Bordeaux-Region kämpft gegen das Image, ihre Weine seien zu teuer. Während der Beaujolais nouveau von diesem Donnerstag an fließt, bereiten die Winzer aus dem Bordelais eine Kampagne in der Hauptstadt Paris vor - 100 Qualitätsweine werden vorgestellt, die alle im Preis unter 15 Euro liegen. "Nur 5 Prozent aller Bordeaux-Weine kosten mehr", will die Weinbranche eintrichtern.

Beim Beaujolais geht es derweil darum, den jungen Wein weiterhin gut zu vermarkten - auch wenn viele Kenner die Nase rümpfen, weil er "unfertig" ist. Die Japaner sind die unangefochtenen Weltmeister, was den Konsum des Beaujolais nouveau (außerhalb Frankreichs) angeht. Das Interesse der Deutschen ist zwar deutlich rückläufig, in Europa sind sie aber weiterhin beim neuen Wein die mit Abstand trinkfreudigsten.

2004 ein "klassischer" Jahrgang

Der Jahrgang 2004 sei ein "ein klassischer" und ein so genannter Winzer-Wein, sagen französische Fachleute. Das heißt, dass Qualität und Charakter des Weins eindeutig mehr von önologischen Künsten im Weinberg und Keller als von den Wettereinflüssen des Jahres abhängen.

Hanns-Jochen Kaffsack, DPA / DPA
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