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Teil 7: Der ist das Volk

Ursprünglich war Chianti ein Bauernwein. Dann stieg der Weißweinanteil, er wurde dünn und sauer. Jetzt gibt es wieder gute Tropfen - hier ist einer davon Von Cornelius und Fabian Lange Ausdrucksstarker Geselle: Der Chianti Rufina passt zu Pasta mit Wildschweinsugo oder reifem Schafskäse

Fabian & Cornelius Lange

Keine Region Italiens fasziniert die Menschen stärker als die kulturgetränkte Toskana. Und weil kein Wein diese Region so sehr verkörpert wie der Chianti, eröffnen wir mit diesem Klassiker unser vierteiliges Italien-Kapitel. Beim Chianti ist immer Sangiovese im Spiel.
Unser Exemplar aus der Region Rufina zeigt, welche Talente in dieser ausdrucksstarken Rebsorte schlummern: intensiver Duft von Waldfrüchten, Heidel- und Preiselbeeren, viel Kräuterwürze, eine Ahnung von Leder und Rauch - soll heißen: Dekantieren lohnt sich! Im Mund entfaltet der Wein ein vitales Säurespiel, im Wechsel mit Bitterschokolade und Kirsche. Typisch für Sangiovese sind seine deutlichen Gerbstoffe, die bei unserem Wein ideal integriert sind: Stark, aber ohne Bitterkeit gleitet der Rufina über die Zunge und lässt sich in vollen Zügen trinken - zu Pasta mit geduldig geschmortem Wildschweinsugo zum Beispiel oder reifem Schafskäse.

Ursprünglich war Chianti ein toskanischer Bauernwein. Da kam hinein, was in den Weinbergen durcheinanderwuchs: die Rotweintrauben Sangiovese, Canaiolo, Colorino und Mammolo ebenso wie die weißen Malvasia und Trebbiano. Der Chianti wurde in den 1930er Jahren weingesetzlich definiert und seine Anbaufläche praktisch auf die ganze Toskana ausgedehnt. So ist er zu einer festen Marke geworden, zum Volkswein.
Aber mit seiner Qualität ging es bergab, denn der zulässige Weißweinanteil stieg nach und nach auf 30 Prozent, bis der Chianti nur noch dünn und sauer schmeckte. Heute ist es den besten Erzeugern wie der Familie Inghirami von der Fattoria di Grignano gelungen, ihrem Chianti (85 Prozent Sangiovese, 10 Prozent Canaiolo, 5 Prozent andere) ein neues Gesicht zu geben. Sie senkten die Erträge auf vielversprechend niedrige 55 hl/ha, pflanzten hochwertige Sangiovese-Reben, die kleinbeerige Trauben hervorbringen, und lagern den Wein neun Monate in Holzfässern, damit er sich entspannen kann. Unser Rufina ist jetzt schon trinkreif, gewinnt aber mit zunehmender Flaschenreife bis 2009.

Rufina ist die kleinste aller Chianti-Zonen und liegt 15 Kilometer östlich von Florenz, die Weinberge klettern dort auf 350 Meter Höhe. So weit oben wird es in Herbstnächten schon empfindlich kalt, das schenkt den Trauben ein besonders ausdrucksstarkes und fruchtiges Aroma.
In der Toskana gibt es neben dem einfachen Chianti - der Promenadenmischung, in der Trauben aus allen erlaubten Anbaugebieten zu finden sind - acht Appellationen, die den Namenszusatz "Chianti" tragen dürfen und für die Rassehunde unter diesen Weinen zuständig sind: neben Classico und Rufina (den beiden Spitzenregionen) noch Colli Senesi, Colli Fiorentini, Colli Aretini, Colline Pisane, Montalbano und Montespertoli. Wer sich das nicht merken kann: Die Flaschen sind allesamt an der rosafarbenen DOCG-Banderole erkennbar - Denominazione di Origine Controllata e Garantita, die oberste Qualitäts- und Garantiestufe für italienischen Wein.
Außerdem gibt es in der Toskana weitere Anbauzonen in denen der Sangiovese eine bedeutende Rolle spielt: allen voran die bekannten und beliebten Vino Nobile di Montepulciano und Brunello di Montalcino.

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