Mallorca erlebt seit einigen Jahren eine ungewöhnliche Zunahme von Schlangen – insbesondere von Hufeisennattern (Hemorrhois hippocrepis), die vom Festland eingeschleppt wurden. Das sorgt für Fragen bei Einheimischen und Urlaubern, Schlagzeilen in den Medien und zum Teil auch für Verunsicherung. Was steckt hinter dem Phänomen? Wie groß ist die Gefahr durch die Schlangen auf Mallorca wirklich – für Natur und Urlauber? Hier die wichtigsten Antworten auf einen Blick.
Gibt es wirklich eine Schlangenplage auf Mallorca und Ibiza?
Fachleute und Behörden auf Mallorca bestätigen eine derzeit außergewöhnlich starke Vermehrung vor allem invasiver Schlangenarten wie der Hufeisennatter, aber auch der Treppennatter, Schlingnatter und Kettennatter. Besonders betroffen sind Olivenhaine, Fincas und Gärten – auch Strandnähe ist keine Seltenheit mehr.
Da die Tiere keine natürlichen Feinde auf der Insel haben und reichlich Beute finden, konnten sie sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich vermehren und ausbreiten. Die Zahl der Sichtungen ist deutlich gestiegen, an einzelnen Orten spricht auch der Verband der ökologischen Landwirtschaft (APAEMA) von einer "besorgniserregenden" Situation. Da Schlangen wie die Hufeisennatter sehr gut darin sind, sich zu verstecken, deuten vermehrte Sichtungen auf ihre starke Ausbreitung hin.
Für die Tierwelt auf Mallorca und Ibiza, insbesondere für die nur hier vorkommenden Mauereidechsen, stellen die invasiven Arten eine große Bedrohung dar. Da Mallorcas Eidechsen viele Jahrtausende ohne diese Räuber lebten, fehlen ihnen Abwehrstrategien gegenüber Hufeisennattern und anderen invasiven Schlangenarten: Sie sind den neuen Angreifern nahezu hilflos ausgeliefert. Es kann daher von einer Plage im biologischen Sinn gesprochen werden.
Auch auf der Nachbarinsel Ibiza haben sich die Hufeisennattern in den vergangenen Jahren stark vermehrt. Und offenbar erreichen sie auch kleinere, unbewohnte Nachbarinseln – indem sie einfach hinüberschwimmen. Das für Landschlangen ungewöhnliche Verhalten könnte dazu führen, dass die Populationen der seltenen Ibiza-Mauereidechse (Podarcis pityusensis) nun auch in diesen letzten Rückzugsgebieten ausgelöscht werden könnten, wie Forschende in einer Studie vom Januar 2026 warnen. Die Naturschutzunion IUCN hatte das Reptil schon vor zwei Jahren auf "gefährdet" hochgestuft.
Auf zehn Inseln der fast 40 Inseln und Inselchen der Pityusen sollen bereits sämtliche Mauereidechsen verschwunden sein. Die Folgen für das Ökosystem könnten dramatisch sein. Denn die Eidechsen betätigen sich unter anderem als Bestäuber, verbreiten Pflanzensamen und halten für die Landwirtschaft schädliche Insekten in Schach.
Woher kommt die Hufeisennatter?
Ursprünglich war die Hufeisennatter nicht auf den Balearen heimisch, sondern lediglich auf der Iberischen Halbinsel und in Nordafrika. Seit etwa 22 Jahren wird sie jedoch offenbar mit dem Warenverkehr und vermutlich mit Pflanzen (meist Olivenbäumen) vom Festland auf die Ferieninseln eingeschleppt.
Wie gefährlich ist die Natter für Menschen?
Hufeisennattern sind ungiftig. Zudem suchen sie das Weite, wenn man sie in Ruhe lässt. Doch können sie, wenn sie sich in die Enge getrieben fühlen, aggressiv werden. Gebissen zu werden, sollte man dennoch tunlichst vermeiden. Denn die Bisswunden können tief sein und sich entzünden.
Wie sieht die Schlange aus?
Hufeisennattern sind vor allem eines: ziemlich groß – bis zu zwei Meter lang. Auf ihrer Oberseite bilden rauten- oder eiförmige, gelbe oder kastanienbraune Flecken ein Kettenmuster. Auf dem Kopf befinden sich zwei schwarze Querbinden, eine zwischen den Augen und eine hufeisenförmige dahinter, der die Art ihren Namen verdankt.
Der Anblick eines solchen Tiers ist nicht nur für mitteleuropäische Touristinnen und Touristen ungewohnt und weckt Angst. Zumal, wenn die Schlange sich angriffsbereit zeigt und zischt.
Wie sollte ich mich verhalten, wenn ich einer Hufeisennatter begegne?
Hufeisennattern fühlen sich nicht nur im einsamen Gebirge, sondern offenbar auch in der Nähe menschlicher Siedlungen, in Weinbergen, Oliven- und Mandelhainen und in naturnahen Gärten wohl. Überall dort also, wo sie Beutetiere finden, zum Beispiel Eidechsen oder Mäuse. Wer eine Natter entdeckt, sollte sich ruhig verhalten und sich langsam entfernen.
Auf keinen Fall hingegen sollte man die Schlange reizen oder in die Enge treiben. Wenn die Tiere sich bedroht fühlen, könnten sie Menschen eventuell angreifen. Empfehlenswert ist es, den zuständigen Behörden die Sichtung mitzuteilen, um Fachleuten vor Ort mögliche Gegenmaßnahmen wie Fangaktionen leichter zu machen.