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100 Jahre Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft Retter bangen um Schwimmfähigkeit der Deutschen

Die Deutsche Lebens-Rettungsgesellschaft (DLRG) bildet seit 100 Jahren zum Schwimmen aus. Weil viele Bäder schließen, könnte es um die Schwimmfähigkeit der Deutschen bald schlechter bestellt sein.

Der heiße Sommer mit dutzenden Badetoten hält die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Atem ähnlich wie schon zu Zeiten ihrer Gründung vor 100 Jahren die Vielzahl von Ertrunkenen. Zwar ist die Zahl tödlicher Unfälle seitdem auf weniger als ein Zehntel geschrumpft und können statt wenigen inzwischen die meisten Deutschen schwimmen - als Strandwacht oder Schwimmausbilder bleiben die DLRG-Helfer nötig und gefragt wie in den Anfangsjahren. Vor dem großen Jubiläum warnt DLRG-Präsident Klaus Wilkens davor, dass die Schwimmfähigkeit der Deutschen wegen der Schließung von Bädern und zu wenig Schwimmunterricht wieder abnimmt. Damit drohten wieder mehr Badetote.

"25 Prozent der Grundschulen haben keinen Zugang zu einem Schwimmbad mehr", beklagt Wilkens die Folgen jahrelanger Bäderschließungen durch finanziell angeschlagene Kommunen. "Der Schwimmunterricht ist dadurch zurückgegangen." Auch der DLRG und den Schwimmvereinen fehle natürlich jedes geschlossene Bad für ihre Schwimmkurse. "Es ist bedauerlich, dass manche Kommune Bäder schließt, auch unter Gesundheitsaspekten." Denn trotz immer vielfältigerer Freizeitmöglichkeiten sei die Begeisterung der Deutschen für das Schwimmen ungebrochen. Gemeinsam mit dem Radfahren sei es laut Umfragen die beliebteste Freizeitbeschäftigung.

Der Auslöser zur Gründung der DLRG am 19. Oktober 1913 in Leipzig war ein dramatisches Unglück ein Jahr zuvor auf der Ostseeinsel Rügen. Bis zu 1000 Ausflügler und Badegäste standen am 28. Juli 1912 auf der mehr als 500 Meter langen Seebrücke von Binz, als der Brückenkopf unter der Last zusammenbrach und Dutzende in die Tiefe stürzten. Das sichere Ufer im Blick ertranken 14 Menschen, zwei starben später an ihren Verletzungen.

Über 80 Prozent der Bevölkerung kann schwimmen

Nach DLRG-Angaben konnten zu Beginn des 20. Jahrhunderts nur zwei bis drei Prozent der Bevölkerung schwimmen. Noch im Unglücksjahr 1912 ertranken Schätzungen zufolge 5000 Deutsche. Retten lernen, so die Forderung im Gründungsaufruf, müsse daher die Hauptaufgabe der neuen Gesellschaft werden. Zugleich warben Schwimmvereine für ihren Sport, der im Schatten von Fußball und Turnen stand. Die Zahl der Ertrunkenen sank auf 383 im Jahr 2012 - vor allem, weil die Deutschen lernten, sich im Element Wasser zu bewegen. Heute können über 80 Prozent der Bevölkerung schwimmen, allerdings rund zehn Prozent weniger als noch Ende der 1980er Jahre.

Auch wenn Leichtsinn, Alkohol, Selbstüberschätzung und Gesundheitsprobleme bei Schwimmunfällen mit eine Rolle spielen - einen Fokus will die DLRG auch in Zukunft auf das Erlernen des Schwimmens richten. Mit Programmen in Kindergärten und am Strand werden die Jüngsten erreicht, sagt Wilkens. Angesichts des demografischen Wandels seien aber auch die älteren Schwimmer im Alter über 50 eine größere Problemgruppe. Selbstüberschätzung und Herz- Kreislaufschäden führten zu Unfällen - Kurse für Ältere seien daher wichtig.

Auch die wachsende Gruppe von Migranten hat die DLRG in den Blick genommen. Für muslimische Frauen werden Kurse mit weiblichen Ausbildern angeboten, immer mit dem Ziel, dass möglichst viele Menschen sicher schwimmen können. Weitgehend stabile Zahlen hat die DLRG unterdessen da, wo ein Rückgang nicht erwünscht ist: Trotz des demografischen Wandels machen die Mitgliederzahlen den ehrenamtlichen Rettern noch keine Sorgen.

Michael Evers, DPA DPA

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