Der niedersächsische FDP-Chef Konstantin Kuhle sieht seine Partei trotz schwieriger Ausgangslage gut verankert im Land. "Viele engagieren sich seit mehr als 30 Jahren. Wir sind ein Traditionsverein", sagte Kuhle der Deutschen Presse-Agentur. Die FDP sei in vielen Kreistagen und kreisfreien Städten mit Fraktionen vertreten – darauf lasse sich aufbauen. An diesem Wochenende treffen sich die Liberalen zu ihrem Landesparteitag in Celle.
Zugleich räumte Kuhle ein, dass seine Partei es zwischen Harz und Küste traditionell schwerer habe als in vielen anderen Bundesländern. "Niedersachsen war historisch nie einfaches Terrain für die FDP." In manchen Regionen dominiere die SPD, in anderen die CDU. "Die großen Parteien haben hier eine stärkere Bindungskraft. Deshalb ist ein Teil der Wählerschaft für die FDP hier schwerer erreichbar."
Hoffnung auf Rückkehr in den Landtag
Im Landtag ist die FDP seit 2022 nicht mehr vertreten. Auch aktuelle Umfragen sehen die Partei unter der Fünf-Prozent-Hürde. In einer Erhebung des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Drei Quellen-Mediengruppe kam die FDP im Januar auf drei Prozent. Auch eine Befragung von Infratest dimap im Auftrag des NDR Niedersachsen im vergangenen November sah die FDP bei drei Prozent.
Trotzdem zeigte sich Kuhle zuversichtlich. "Ich halte es für sehr realistisch, dass die FDP 2027 wieder in den niedersächsischen Landtag einzieht." Bis dahin könne sich politisch noch viel verändern. "Wir haben in anderen Bundesländern erlebt, dass Parteien nach einem Ausscheiden auch wieder zurückkommen können."
Den Kommunalwahlen im September misst Kuhle eine Schlüsselrolle für die Zukunft der FDP bei. Sie seien "die wichtigste Vorbereitung für die Landtagswahl". Dort zählten Persönlichkeiten stärker als auf anderen politischen Ebenen. "Ich bin für die Kommunalwahl optimistisch. Wir sehen schon jetzt, dass viele Menschen bereit sind zu kandidieren."
Rückzug aus der ersten Reihe
In die Kommunalwahlen wird Kuhle die FDP im Land allerdings nicht mehr führen. Der Landeschef zieht sich aus der hauptamtlichen Politik zurück und kandidiert beim Parteitag nicht erneut als Vorsitzender. "Der Anlass war das Ergebnis der Bundestagswahl 2025. Die FDP ist nicht mehr im Bundestag, ich bin kein Abgeordneter mehr." Für ihn sei damit klar gewesen, dass der Schwerpunkt wieder auf seinem Beruf als Anwalt liegen werde.
Er habe sich gefragt, ob sich ein Vollzeitjob mit dem Landesvorsitz und der Vorbereitung einer Landtagswahl vereinbaren lasse. "Da bin ich zu dem Schluss gekommen: Das geht nicht, jedenfalls nicht so, wie ich mir das vorstelle." Eine Kandidatur als Spitzenkandidat bei der Landtagswahl 2027 schließt er aus – eine spätere Rückkehr in ein hauptamtliches politisches Amt jedoch nicht.
"Ich ziehe mich aus der hauptamtlichen Politik zurück, aber nicht aus der Politik insgesamt", sagte Kuhle. Er bleibt Kreisvorsitzender der FDP in Göttingen, Mitglied im Bundesvorstand und arbeitet am neuen Grundsatzprogramm mit. "Politik verschwindet also nicht aus meinem Leben."
Ein Detail aus dem politischen Alltag werde ihm nicht fehlen: "Ich freue mich ehrlich gesagt auf ein Diensthandy. Als Abgeordneter lief alles über ein Telefon. Da hat es keinen Unterschied gemacht, ob meine Mutter oder Christian Lindner angerufen hat."