FDP-Parteivize Wolfgang Kubicki geht angesichts der miserablen Lage seiner Partei eine persönliche Wette ein. "Wenn die FDP in Sachsen‑Anhalt oder anderswo im Osten über fünf Prozent kommt und in den Landtag einzieht, lasse ich mir die Haare abschneiden", sagte der 74-Jährige dem "Stern".
Schon Generalsekretärin Nicole Büttner hatte vor der Wahl in Baden-Württemberg mit einer Haarwette für Aufmerksamkeit gesorgt. "Meine sind zwar kürzer, wachsen in meinem Alter aber schlechter nach", sagte Kubicki. Anders als er hatte Büttner allerdings gewettet, sich die Haare abzurasieren, wenn die FDP dort nicht in den Landtag einzieht - und hatte verloren.
In Sachsen-Anhalt soll am 6. September ein neuer Landtag gewählt werden, in Mecklenburg-Vorpommern zwei Wochen später. Die FDP ist in beiden Landesparlamenten vertreten - in Mecklenburg-Vorpommern aber nicht mehr als Fraktion, sondern nur noch als Gruppe mit eingeschränkten Rechten. In Sachsen-Anhalt regiert die FDP aktuell in einer Koalition mit CDU und SPD.
Warnung vor wirtschaftlichem Bankrott
Kubicki warnte vor einem wirtschaftlichen Bankrott seiner Partei. "Wenn man mit fünf Prozent plant und bei zwei landet, bricht die Wahlkampfkostenerstattung ein. Strukturen lösen sich auf, hauptamtliche Arbeit wird schwieriger. Ich möchte mir das alles gar nicht ausmalen", sagte er.
Dennoch glaube er fest an einen Wiederaufstieg seiner Partei, sagte Kubicki. Der Liberalismus sei nicht tot: "In meinen 56 Jahren FDP wurden so viele Sargnägel eingeschlagen, dass unser Sarg inzwischen aus Metall ist, nicht mehr aus Holz. Wenn ich nicht überzeugt wäre, dass es noch einmal nach oben ginge, würde ich Golf spielen oder mit dem Boot auf die Ostsee fahren."
Die FDP müsse jetzt auf zentralen Politikfeldern kohärent und deutlich sichtbarer auftreten und sich auf wenige Kernthemen konzentrieren, forderte Kubicki. "Köpfe allein reichen nicht, aber ohne Köpfe werden Ideen nicht wahrgenommen. Wer glaubt, ein 80‑seitiges Programm erledige das, ist naiv."